Josef Pappenberger

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Josef Pappenberger (* 19. März 1894 in Ochsenfurt; † ?) war von 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Bürgermeister der Stadt Ochsenfurt und zeitweise Kreisleiter der NSDAP.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Jugend und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Josef Pappenberger entstammte einer Ochsenfurter Uhrmacherfamilie und besuchte von 1912 bis 1914 eine Lehrerbildungsanstalt. Am 10. September 1914 trat er als Kriegsfreiwilliger in der 4. Batterie des in Würzburg stationierten 2. Bayerischen Feldartillerieregiments ein, wo er seine Ausbildung zum Kanonier absolvierte. Anschließend wurde er ab Januar 1915 beim 12. Bayerischen Feldartillerieregiment an der Ostfront eingesetzt, wo er die Schlacht bei Gorlice [1] und den Feldzug in Serbien mitmachte. Im April 1916 wurde seine Einheit nach Verdun verlegt. Dort erwarb er sowohl das Eiserne Kreuz als auch die Beförderung zum Offiziersaspiranten. Nach Besuch eines Offizierskurses wurde Pappenberger im August 1917 zum Leutnant und Batterieoffizier im 12. Bayerischen Feldartillerieregiment befördert und an der Aisne und dem Chemin-des-Dames eingesetzt.

Nach mehrmonatigem Fronteinsatz an der Ainse, Montdidier und Noyon erkrankte Pappenberger im Frühjahr 1918 an Muskelrheumatismus und wurde für mehrere Wochen behandelt. Nach seiner Genesung meldete er sich im Herbst 1918 freiwillig zur Flieger-Ersatzabteilung 1 nach Schleißheim, um zum Artillerieflieger ausgebildet zu werden. Als Lehrgangsteilnehmer der Artillerie-Fliegerschule Ost I in Groß Auz/ Kurland wurde er bei der Demobilmachung im November 1918 entlassen. [2] Nach seiner Rückkehr übernahm er 1920 eine Lehrerstelle in Ochsenfurt und heiratete am 6. August desselben Jahres in Randersacker Berta König.

Annäherung an die NSDAP[Bearbeiten]

1925 wurde Pappenberger Mitglied des Deutschvölkischen Offiziersbundes und begann sich der NSDAP anzunähern, für die er ab 1929 Propagandareden hielt. Bereits zwei Jahre vorher war er dem VDA [3] beigetreten. Am 1. Januar 1931 trat Pappenberger schließlich unter der Nummer 414142 der NSDAP bei. [4] Kurz darauf wurde er zum Ortsgruppenleiter in Ochsenfurt ernannt, da er eine solche überhaupt erst gründete. 1932 trat er dem NSLB [5] bei.

1932 bewarb er sich um den Beitritt in die Allgemeine SS, weshalb er bei einem Parteiumzug in Kitzingen die Uniform eines SS-Sturmführers trug. Ob er tatsächlich Mitglied wurde, geht aus den Akten nicht hervor. Kurz nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde Pappenberger als „mit der Führung der Geschäfte Beauftragter“ Kreisleiter des neu gebildeten Kreises Ochsenfurt eingesetzt. In diesem Zeitraum trat er auch der NSV [6] bei sowie kurz darauf dem KRB. [7]

Bürgermeister von Ochsenfurt[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1933 setzte der Kommissar der NSDAP im Kreis Ochsenfurt Pappenberger gegen den Willen der Ochsenfurter als Bürgermeister der Stadt Ochsenfurt ein. Parallell zur Funktion des mit der Führung der Geschäfte beauftragten Kreisleiters und des Bürgermeisters zeigte sich Pappenberger auch in der Indoktrination der Jugend aktiv. Er war bis 1939 als Redner im Bezirksjugendausschuss vertreten. 1935 wurde er vom Amt des geschäftsführenden Kreisleiters in Ochsenfurt entbunden und durch Johann Rübig aus Würzburg ersetzt.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit Kriegsbeginn wurde Pappenberger im September 1939 als Oberleutnant der Reserve zur Reserve-Flakabteilung 191 nach Schweinfurt eingezogen. Den Krieg in Westeuropa machte Pappenberger 1940 als Hauptmann und Batterieführer in der schweren Flakabteilung 191 mit. Bei Kriegsende stand er als Major und Kommandeur der gemischten Flakabteilung 544 mit seiner Einheit in Nordjugoslawien.

Zeit nach 1945[Bearbeiten]

Er scheint sich bis Deutschland durchgeschlagen zu haben, da er am 22. Juni 1945 in Ochsenfurt verhaftet wurde. Man internierte den einstigen Parteifunktionär im Lager Moosburg und verlegte ihn später ins Lager Hammelburg. Am 15. März 1948 wurde Pappenberger aus der Internierungshaft entlassen und vom Kläger der Öffentlichen Spruchkammer Ochsenfurt angeklagt. Am 1. Juni 1948 verurteilte ihn das Gericht aufgrund seiner freiwilligen Aktivität für den Nationalsozialismus bereits vor 1933 in die Gruppe I der Hauptschuldigen. Ihm wurde außer seiner aktiven Unterstützung des Nationalsozialismus außerdem zur Last gelegt, dass er 1933 die Errichtung von Fronleichnamsaltären an städtischen Gebäuden verbot und die Kruzifixe in Schule und Rathaus abhängen lies.

Pappenberger galt als autoritärer Bürgermeister, der den Stadtrat regelmäßig überging, jedoch ein gutes Verhältnis zur Bevölkerung zu pflegen versuchte. Dies war wohl auch der Grund, dass, sobald seine Einstufung in die Gruppe der Hauptschuldigen in Ochsenfurt publik wurde, anonyme Entlastungszeugenberichte eintrafen, auf deren Grund er am 8. Mai 1948 in die Gruppe III der Minderbelasteten zurückgestuft wurde. Die Zeugenaussagen, die unabhängig voneinander eintrafen und wohl auch von unterschiedlichen Absendern verfasst wurden, bescheinigten ihm eine Gegnerschaft zum NS-Regime ab ca. 1938.

Im zweiten Prozess, in welchem er in die Gruppe III eingestuft wurde, konnte er nicht widerlegbar darstellen, dass der „Anschluss“ Österreichs ihm die Augen geöffnet habe und er Hitlers Kriegskurs von da ab erkannt habe und in eine passive Gegenposition zur Partei gegangen wäre. Er konnte aufgrund Zeugenaussagen darlegen, dass er sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in Parteiuniform gezeigt hätte, gegenüber der Kirche in Ochsenfurt sein Benehmen geändert habe und politisch Andersdenkenden geholfen hat. Die Kirche bestätigte ihm, den privat finanzierten Ankauf von neuen Kruzifixen, welche er kurz vor Kriegsbeginn persönlich im Rathaus und der Schule wieder aufgehängt hatte. Mehrere Zeugen bezeichneten ihn sogar als geheimen „Schwarzen“. [8] Inwiefern dies der Wahrheit entsprach, kann nicht mehr verifiziert werden. Zumindest die Aussagen der Geistlichkeit dürften der Wahrheit entsprechen, da die Aussagen der Priester als Angehörige der vom NS-Regime bedrängten Kirchen als unanfechtbar galten und diese keinen ersichtlichen Grund hatten, für Pappenberger zu lügen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Hinweise, Erläuterungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Schlacht (auch Durchbruchsschlacht) bei Gorlice-Tarnów fand im Ersten Weltkrieg Anfang Mai 1915 an der Ostfront bei den Städten Gorlice und Tarnów im Norden des damaligen österreichisch-ungarischen Kronlandes Galizien statt. Sie markiert einen Wendepunkt an der Ostfront. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  2. Kriegsrangliste Josef Pappenberger, bayer. Flieger-Ersatz-Abteilung 1 (Schleißheim) 18148 Band 5. Digitalisat auf www.ancestry.de
  3. Volksbund für das Deutschtum im Ausland
  4. Bundesarchiv Berlin BArch: Document Center, BA: 31XX109
  5. Nationalsozialistischer Lehrerbund
  6. Nationalsozialistische Volkswohlfahrt
  7. Reichskolonialbund
  8. Staatsarchiv Würzburg, Spruchkammer Ochsenfurt, 2414