Fliegerhorst Seligenstadt

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Topographische Karte vom Fliegerhorst Seligenstadt (1950)

Der Fliegerhorst Seligenstadt (auch: Einsatzhafen Seligenstadt, Flugplatz Seligenstadt) war ein Militärflugplatz im Prosselsheimer Ortsteil Seligenstadt im Landkreis Würzburg, der Mitte der 1940er Jahre in ein großes Feldmunitionslager umgewandelt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Barackenlager des Flugplatzes in den 1940er Jahren
  • Im Sommer 1935 begannen westlich des Bahnhofs Seligenstadt die Bauarbeiten für einen Fliegerhorst der Luftwaffe. Das gesamte Areal umfasste insgesamt etwa 100 Hektar. Zur Versorgung des Flugplatzes mit Munition, Treibstoff, militärischem Gerät und Nahrung war der Flugplatz mit einem eigenen Stichgleis versehen, das etwa 0,5 Kilometer südlich des Bahnhofsgebäudes von der Bahnlinie Würzburg-Schweinfurt abzweigte. Die Fliegerhorst-Gebäude und ein dazugehöriges Barackenlager entstanden im Bereich der heutigen Wohnsiedlung gegenüber des Bahnhofs und parallel zur Staatsstraße 2260. Das Gras-Rollfeld befand sich westlich der Gebäude.
  • 1938 wurden zum Schutz des Fliegerhorstes im Gut Seligenstadt Flugabwehreinheiten stationiert, deren Schreibstube im alten Schulhaus untergebracht war.
  • Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Fliegerhorst für kurze Zeit zu einem Einsatzhafen erster Ordnung aufgewertet. Das Lager umfasste unter anderem eine Reichsgutverwaltung, eine Lagerbauführung, eine Kantine, einen Platzlandwirt, Treibstoff- und Munitionslager (teilweise unterirdisch) sowie eine zwölfköpfige Wache der Wach- und Schließgesellschaft Bamberg.
  • 1942 waren bis zu 600 Soldaten in den Baracken des Lagers Seligenstadt untergebracht. Es war angedacht, das Lager auf bis zu 2.000 Soldaten aufzustocken. Die Reichspostdirektion Würzburg richtete deshalb eine eigene Postannahmestelle ein, die jedoch schon ein Jahr später aufgrund von Truppenverlagerungen wieder aufgelöst wurde.
  • Um 1942 erfolgte die Umwandlung des Flugplatzes zu einem großen Feldmunitionslager, dem Feldmunitionslager 2/XIII. Auf einem Luftbild vom 6. August 1944 ist deutlich zu erkennen, dass die Munition in großen Stapeln auf dem ehemaligen Rollfeld verteilt aufgestellt war. Möglicherweise bestanden Splitterschutzwälle als Abtrennung. Fünf große Munitionsbunker aus massivem Beton wurden in der Waldabteilung Geißbühl zwischen Seligenstadt und Kürnach errichtet und waren Bestandteil des Feldmunitionslagers 2/XIII. Eingelagert wurde in Seligenstadt auch Beutemunition, beispielsweise aus Frankreich.
  • Mit dem Kriegsende ließ der letzte deutsche Kommandant des Militärlagers, Major Grell, kurz vor dem Eintreffen der Amerikaner am 6. April 1945 die Munition sprengen. Die im Wald versteckten fünf Munitionsbunker wurden dabei allesamt zerstört.
  • Nach dem Krieg wurde das unzerstörte Barackenlager als Lager für Litauer genutzt. Vom 28. Juni 1945 bis zum 20. Juni 1949 waren in dem DP Camp UF 302 Seligenstadt [1] etwa 1.400 verschleppte Litauer untergebracht, sogenannte „Displaced Persons“. [2] Mit dem Abzug der Litauer 1949 und der Auflösung des DP-Lagers blieben die Baracken nicht lange leer stehen: Im selben Jahr fanden dort Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten und Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone eine neue Heimat. Das Lager wurde als Regierungs-Wohnlager Seligenstadt bezeichnet.
  • In den 1950er Jahren erfolgte der Abriss der Baracken und der Ausbau zur heutigen Siedlung. Die noch bestehenden Fliegerhorst-Gebäude und die Äcker gingen in den Besitz der heutigen KWS LOCHOW GMBH über, die in Seligenstadt eine Zuchtstation betreibt.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Ein Teil der Fliegerhorst-Gebäude und dort befindlichen Bunker ist noch erhalten und wird von der KWS LOCHOW GMBH für die Saatzucht genutzt. Das frühere Rollfeld wird heute durch die KWS bewirtschaftet. Jahr für Jahr wird bei der Feldarbeit immer noch teils hochkarätig gefährliche Fundmunition sichergestellt. Gefunden wurden unter anderem verschiedene Granaten (z.B. 7,5-Kilo-Granaten aus Frankreich) und deutsche Luftminen.

In der Waldabteilung Geißbühl stößt man heute noch entlang einer etwas versteckten Ringstraße auf die Wälle und massiven Betonreste der fünf gesprengten Munitionsbunker. Insbesondere am nördlichsten Bunker lässt sich noch sehr gut die Kubatur der Bauwerke ablesen. Das Gelände wurde zwar in den 1950er Jahren oberflächlich und in den 2000er Jahren systematisch nach Kampfmitteln abgesucht, dennoch ist auch heute noch mit Kampfmittelfunden im Bereich der Munitionsbunker zu rechnen, da die Munition bei der Sprengung weit über Wald und Wiesen verstreut wurde.

Vom einstigen Stichgleis der Eisenbahn finden sich heute keinerlei Spuren mehr.

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen/Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. DP-Lager (englisch: DP Camps) waren Einrichtungen der alliierten Streitkräfte zur vorübergehenden Unterbringung sogenannter Displaced Persons (DPs) nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, siehe Wikipedia: DP-Lager
  2. Der Begriff Displaced Person (DP; engl. für eine „Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist“) wurde im Zweiten Weltkrieg vom Hauptquartier der alliierten Streitkräfte (SHAEF) geprägt, siehe Wikipedia: Displaced Person

Kartenausschnitte[Bearbeiten]

Ehemaliger Standort
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Ehemaliger Standort der Fliegerhorst-Gebäude und des Barackenlagers
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Standort der fünf gesprengten Munitionsbunker
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