Carl Lamb

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Carl Lamb im Kaisersaal der Würzburger Residenz bei der fotografischen Dokumentation (1943)

Carl Lamb (* 9. Februar 1905 in Würzburg; † 12. September 1968 in München) war Kunsthistoriker, Filmemacher und Fotograf.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Carl Lamb wurde in Würzburg als Sohn des Direktors der Städtischen Gas- und Wasserwerke Carl Lamb und dessen Ehefrau Anna, geborene Heffner, geboren. Er war römisch-katholischer Konfession. Sein Vater, dessen Lebenswerk die Anlage der Wasserversorgung der Stadt Würzburg war, stammte aus Franken; die Vorfahren der Mutter stammten aus Franken, der Oberpfalz und aus Niederbayern. Sein Urgroßvater Carl Heffner hat als Sekretär des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg die Grundlage für das Mainfränkische Museum in Würzburg geschaffen. Dessen Vater wiederum, Regierungsrat Philipp Heffner, wirkte als einer der ersten Abgeordneten des Mainfränkischen Kreises zur Zeit König Ludwigs I. von Bayern in München. Sein Neffe war der zu der Münchner Schule gehörige Landschaftsmaler Karl Heffner.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Schule, Lehre und Studium[Bearbeiten]

Die in Lambs Familie gepflegten wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen führten ihn zum Studium der Kunstgeschichte und auch immer wieder in seine Wahlheimat München. Nach dem Besuch der Volksschule (1911 - 1913) und der Realschule (1914 - 1919) in Kitzingen und der Oberrealschule in Würzburg (1920 - 1923) legte er dort die Reifeprüfung ab. Als 13-Jähriger erbte er die Fotoausrüstung eines im Krieg gefallenen Verwandten und entdeckte in der Folge seine Leidenschaft für die Fotografie.

Das ihm zum Studium aus dem Nachlass seiner früh verstorbenen Eltern hinterlegte Kapital war damals völlig entwertet, weshalb er zunächst einen praktischen Beruf ergreifen musste. Lamb lernte zwei Jahre bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank [1], Filiale Kitzingen. Mit deren Lehrzeugnis trat er 1925 in die Buch- und Kunsthandlung Severing und Güldner in München ein. 1928 wurde Lamb Gehilfe in der Architektur- und Kunstbuchhandlung Ernst Wasmuth in Berlin-Charlottenburg.

1930 begann er als Werkstudent an der Berliner Universität das Studium der Kunstgeschichte, das er an der Universität München 1935 mit einer Promotionsschrift über das bayerische Barock abschloss. Aus dieser Arbeit entstand 1936 der Film „Raum im kreisenden Licht“. 1937 folgte das Buch „Die Wies“. 1938 führte ihn ein Förderstipendium der Bibliotheca Hertziana nach Rom. [2] Die dort entstandene Forschungsarbeit über römische Gärten und die Villa d'Este in Tivoli blieb über seiner 1941 erfolgten Einberufung als Dolmetscher der Luftwaffe unvollendet.

Fotograf der barocken Deckenmalereien in Deutschland[Bearbeiten]

1943 wurde Carl Lamb zur Aufgabe herangezogen, kriegsgefährdete Werke der barocken Deckenmalerei in Deutschland in Farbaufnahmen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu fotografieren. Dabei wendete er sein Interesse zuerst München zu. Gerade noch rechtzeitig vor den schweren Schäden entstanden die Aufnahmen der Asamkirche, wie seine Aufnahmen der Rottmann-Fresken der Hofgarten-Arkaden, vor allem aber die Aufnahmen der Tiepolo-Fresken in der Residenz von Würzburg, die 1944/45 entstanden sind.

Zeit nach 1945[Bearbeiten]

Nach 1945 war Lamb als freiberuflicher Wissenschaftler, Fotograf und Filmemacher tätig. In zahlreichen Vorträgen, auch in Schulen, Fachhochschulen und Volksbildungsstätten Münchens und weit darüber hinaus führte er anhand eigener farbiger Aufnahmen in das Wesen der barocken Kunst ein. In den folgenden Jahren war er viel für den Bayerischer Rundfunk und seine Sendereihe „Unbekanntes Bayern“ tätig.

In der „Neuen Zeitung“ und später in der „Süddeutschen Zeitung“ erschienen seine Berichte über die jährliche Schau der Jugend- und Kultur-Filme der Biennale in Venedig. Dort wurde er als Kunsthistoriker mit filmischen Erfahrungen und wegen seiner Kenntnisse der italienischen, französischen und englischen Sprache als Mitglied der internationalen Jury herangezogen. Bis in die späten 1960er-Jahre entstanden zahlreiche weitere Filme, Studien und Hörbilder. Seine durch den Krieg unterbrochenen Studien zur Villa d'Este in Rom konnte er in den Jahren 1957 bis 1963 im Auftrag der Max-Planck-Gesellschaft wieder aufnehmen und zum Abschluss bringen.

Lebenswerk[Bearbeiten]

Carl Lamb verstarb 1968 im Alter von 63 Jahren. Aus heutiger, insbesondere denkmalpflegerischer Sicht sind seine Arbeiten, die im Zusammenhang mit der systematischen fotografischen Erfassung gefährdeter Kunstdenkmäler in der Zeit des Zweiten Weltkrieges entstanden sind, am bedeutendsten. Carl Lamb war beauftragt, insbesondere die bayerischen Kunstdenkmäler systematisch zu fotografieren, um diejenigen Denkmäler, deren Zerstörung absehbar war, auch fotografisch zu dokumentieren. Mit Zigtausenden von Aufnahmen hat Lamb bei seinen vielen Reisen quer durch Bayern und durch Deutschland den vorhandenen Kunstbestand festgehalten. Beispielsweise ermöglichten die Lambschen Aufnahmen die weitgehende Rekonstruktion der Prunkräume der Würzburger Residenz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Erwin Emmerling: Carl Lamb und seine photographischen Aufnahmen der Wies. In: Die Wies - Geschichte und Restaurierung. Hrsg.: Nationalkomitee der Bundesrepublik Deutschland, ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees, Band 5, München 1992 (Online-Fassung)
  • Carl Lamb: Die Wies. Prestel Verlag, München 1948, 72 S.

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG war eine Großbank mit Sitz in München, bis sie 1998 mit der Bayerischen Vereinsbank AG zur Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG fusionierte.
  2. Die Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (MPG) mit Sitz in Rom, Italien. (Internetseiten der Bibliotheca Hertziana)