Erste Würzburger Weizenbierbrauerei

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Die Barockhäuser in der Neubaustraße beherbergten 1912 die Weizenbierbrauerei von Josef Loeffler.

Die Erste Würzburger Weizenbierbrauerei (auch Brauerei Loeffler) wurde 1908 von Braumeister Josef Loeffler (ursprünglich aus Bayreuth) in der Neubaustraße 12 (Greisinghäuser, heute Stadtarchiv Würzburg) eröffnet. Es war eine sehr kleine Brauerei, deren Bier nur in Fässer abgefüllt wurde. Loeffler betrieb auch einen kleinen Ausschank in der Augustinerstraße 13. 1922 ging die Brauerei zunächst aus wirtschaftlichen Gründen ein. Von 1928 bis 1937 nahm sich die Familie Loeffler nochmals dem Brauereihandwerk an. Johann Michael Koehler übernahm die Brauerei 1937, bis diese 1938 letztlich endgültig aufgegeben wurde.

Name[Bearbeiten]

Wie der Name schon sagt, handelte es sich um die erste Brauerei in Würzburg, die Weizenbier braute. Zuvor wurde das Weizenbier lediglich „importiert“.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Phase von 1908 bis 1922[Bearbeiten]

Grundriss (Parterre) der Brauerei in der Neubaustraße 12 (1908)

Am 30. Dezember 1907 zog Josef Loeffler mit seiner Frau Maria Loeffler von Bayreuth nach Würzburg. Die vielköpfige Familie lebte zuvor unter anderem auch in Kallmünz und Nürnberg und wollte sich in Würzburg eine neue Existenz aufbauen. Nachdem es in Würzburg bis dahin noch keine Weizenbierbrauerei gab, sah Josef Loeffler in der Verwirklichung einer solchen Brauerei seine Aufgabe. Anderenorts war das Weißbier zu dieser Zeit ein Trendgetränk. Im Januar 1908 begann Loeffler in der Neubaustraße 12 (man spricht auch von den Greisinghäusern) eine Weißbierbrauerei einzurichten. Anfangs ohne baupolizeiliche Genehmigung, die jedoch nachträglich dann noch erteilt wurde. Bei der Brauerei handelte es sich um eine sehr kleine Einrichtung, da die Räumlichkeiten in der Neubaustraße sehr beengt waren. Loefflers Vorteil war jedoch, dass das Weizenbier ohne Kühlung, d.h. ohne aufwendige Kühlräume, herstellbar war. Das Bier wurde unter anderem aus Platz- aber auch aus Kostengründen nur in Fässer und nicht in Flaschen abgefüllt. Ein Umfüllen von Fässern in Flaschen war jedoch möglich.

Zum Ausschank kam das Bier in angemieteten Räumlichkeiten vom Ursulinenkonvent in der Augustinerstraße 13. Zuvor wollte Loeffler die Schankstube ebenfalls in der Neubaustraße 12 unterbringen, was jedoch aus Platzgründen nicht möglich war. In Sichtweite zum Odeon Varieté führte der Braumeister ein 50 Quadratmeter großes Restaurant mit bürgerlicher Küche, eine vom Fass abgefüllte Flasche Bier kostete 22 Pfennig. Finanziell gelang dem ehemaligen Bayreuther mit Brauerei und Schankstube zwar kein großer Wurf, dennoch wurde das Angebot von den Würzburgern sehr gut angenommen.

Konkurrenz erhielt Loeffler bereits Ende 1907 oder Anfang 1908 (der genaue Eröffnungszeitpunkt ist nicht bekannt) von der Weizenbierhalle, in der zunächst das Weizenbier einer Ingolstädter Brauerei verkauft wurde. Verstärkt wurde der Konkurrenzdruck ab 1909 durch die Gründung der Brauerei Weissbrauhaus am Letzten Hieb - eine Weizenbierbrauerei mit Flaschenabfüllung im größeren Stil. Deren Bier wurde letztlich dann unter anderem auch in der Weizenbierhalle veräußert.

Ihren wirtschaftlichen Niedergang erlebte die Brauerei mit dem Ersten Weltkrieg. Auch wenn Loeffler aufgrund seines Alters nicht mehr zum Militär einberufen wurde, hatte er mit den kriegsbedingten Schwierigkeiten und Einschränkungen zu kämpfen. 1915 verlegte er den Ausschank von der Augustinerstraßen in die Weingartenstraße 8, wo unter anderem auch das helle und dunkle Exportbier der Sanderbräu ausgeschenkt wurde. Die dortige Gaststätte zum Weingarten hielt sich jedoch nicht lange - im Herbst 1916 eröffnete Loeffler stattdessen ein Cafe in der Augustinerstraße 22 ½. Ob und wo das Weizenbier noch verkauft wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Laut Adressbüchern befand sich die Brauerei noch in der Neubaustraße. Im Frühjahr 1922 veräußerte der Braumeister jedoch seine gesamte Brauereieinrichtung an Franz Lenhardt, der damit die Lenhardtsche Brauerei am Letzten Hieb eröffnete. Josef Loeffler vollzog als Generalvertreter für einen Feuerlöschapparat einen kompletten Neuanfang in einer völlig anderen Branche.

Zweite Phase von 1928 bis 1938[Bearbeiten]

Weizenbräustübl in der Bronnbachergasse 39 (1935)

Ende 1928 braute Josef Loeffler wieder Weizenbier in Würzburg. Ob ihm sein Beruf als Vertreter keinen Spaß mehr machte oder ob andere Gründe für die Rückkehr ins Brauereigewerbe ausschlaggebend waren ist nicht übermittelt. Fakt ist, dass Loeffler bereits 63 Jahre alt war, als er wieder Bier braute. Es ist auch nicht bekannt, wo Loeffler sein Bier braute - möglicherweise hat er die Einrichtung von Franz Lenhardt wieder zurückerworben oder gar in unmittelbarer Nachbarschaft zur Konkurrenz vom Weissbrauhaus am Letzten Hieb gebraut. Im Jahr 1933 ist die Brauerei jedoch laut Adressbuch der Stadt Würzburg in der Martin-Luther-Straße 4 in einer Gewerbehalle (späteres AKW) angesiedelt. Fortan führte Josef Loeffler die Braustätte zusammen mit seinem Sohn Ludwig Loeffler und betrieb ab 1932 in der Bronnbachergasse 39 mit dem Weizenbräustübl auch ein Ausschanklokal.

Für eine fundamentale Veränderung sorgte der Tod Josef Loefflers im Jahr 1934: Die Brauerei ging in das Eigentum seiner Frau Maria über - Braumeister war seitdem Sohn Ludwig. Letzterer betrieb außerdem die Schankstube weiter. Erstmals führte die Erste Würzburger Weizenbierbrauerei auch ein eigenes Logo: Mit einem Bierkrug vor der Silhouette von Festung und Main ähnelte es durchaus dem Logo des Weissbrauhauses.

Ludwig Loeffler gab die Brauerei 1937 wiederum an Johann Michael Koehler ab, der die Weizenbierbrauerei noch etwa ein Jahr - wohl bis 1938 - fortführte. Ob die Brauerei während des Zweiten Weltkrieges noch weiter existierte, ist nicht mehr rekonstruierbar.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Julia Hecht: Die Würzburger Weizenbierbrauereien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: „Aspekte der Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte Würzburgs im 19. und 20. Jahrhundert“. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Bd. 10, Herausgeber Ulrich Wagner, Würzburg 2002, ab S. 253 (Universitätsbibliothek NZ 97955 E98)
  • Angaben und Inserate in den Würzburger Adressbüchern von 1908 bis 1922 (verfügbar im Stadtarchiv Würzburg)
  • Bauakte 2837 - Neubaustraße 12 - 1884 bis 1970 - Stadtarchiv Würzburg

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Ehemaliger Standort der Brauerei von 1908 bis 1922:

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Ehemaliger Standort der Brauerei von 1928 bis 1938:

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