St.-Wolfgangs-Kapelle (Ochsenfurt)

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St.-Wolfgangs-Kapelle oberhalb von Ochsenfurt
Blick auf die Altäre in der St.-Wolfgangs-Kapelle

Die katholische St.-Wolfgangs-Kapelle in Ochsenfurt ist eine gotische Wallfahrtskirche mit barockisierter Innenausstattung auf einer Anhöhe südlich von Ochsenfurt oberhalb der Bundesstraße 13.

Patrozinium

Die Kirche ist dem Hl. Wolfgang von Regensburg (* 924 (?) in Pfullingen (?); † 31. Oktober 994 in Pupping bei Eferding), der einen Teil seiner Ausbildung an der Würzburger Domschule absolvierte, geweiht. Er war ein Glaubensbote in Noricum und Bischof von Regensburg. Patrozinium ist am 31. Oktober.

Geschichte

St.-Wolfgangs-Kapelle um 1905

Im Spätmittelalter (um 1500) wurde Wolfgang zu einer der bedeutendsten und beliebtesten europäischen Heiligengestalten. Zum Zentrum der Verehrung wurde jedoch nicht sein Sterbeort Pupping oder seine Begräbnisstätte in Regensburg, sondern ein kleines Kirchlein am Abersee, der ab 1887 auch offiziell als Wolfgangssee bezeichnet wurde. Um andächtigen Pilgern auf ihrer Reise die Möglichkeit zur Rast und Heimkehrern eine Stätte der Erinnerung an den Gnadenort zu geben, begann man in ganz Europa Wolfgangskapellen zu errichten. Meist entstanden diese Kapellen an wichtigen Pilger- und Fernstraßen, außerhalb der befestigten Orte, auf Anhöhen sowie in der Nähe von Quellen.

Auch die Stadt Ochsenfurt lag an historischen Pilgerwegen: So kamen hier zum einen die Pilger aus den Niederlanden vorbei, die über Utrecht, Nimwegen, Zwolle, Essen, Gießen, Gelnhausen, Bad Orb und Würzburg zum Wolfgangsee unterwegs waren. Zum anderen machten in Ochsenfurt auch die Gläubigen Station, die auf den Spuren des Abtes Albert von Stade auf der Via Romea nach Rom pilgerten. Darüber hinaus wird Ochsenfurt auch vom fränkisch-schwäbischen Jakobsweg berührt, der von Würzburg kommend über Ulm und Konstanz durch die Schweiz und durch Frankreich nach Galicien führt.

Mit dem Bau der St.-Wolfgang-Kapelle wurde 1466 begonnen. Hiervor zeugt eine Inschrift am Turm. Der Turm trug ursprünglich einen Spitzhelm, erhielt aber 1737/1738 durch die Ochsenfurter Zimmermeister Michel und Mathes Collenberger seinen heutigen Abschluss mit Kuppel und einer Laterne. Von 1987 bis 1989 wurde eine umfangreiche Außen- und Innenrenovierung durchgeführt. [1]

Baubeschreibung

Über dem Nordeingang der Kapelle ist die Statue des Hl. Wolfgang, eine Arbeit des Bildhauers Johann Michael Joseph van der Auwera aus dem Jahre 1751, zu sehen. Beidseits des Eingangsportals sind Holztafeln mit Hufeisen (als Erinnerung an die Pferdesegnungen) angebracht. Die eisernen Ringe an den Außenwänden des Gebäudes sind zum Anbinden der Pferde bei den Pfingstritten vorgesehen.

Die Kapelle ist nach Osten ausgerichtet. Der eingezogene Chor besteht aus fünf Seiten eines Achtecks. Die spätgotischen Fenster sind im Chor dreiteilig, im Langhaus zweiteilig und weisen ein Fischblasenmaßwerk auf. Der zweijochige Chor besitzt ein Rippengewölbe, das Langhaus mit drei Fensterachsen wird von einer Flachdecke mit einfachen Stuckleisten aus der Zeit um 1700 überspannt. In der Mitte befindet sich ein Vollrelief des Hl. Wolfgang. Ins Innere führen drei Portal. Der Turm erhebt sich an der Nordseite des Chors.

Außenansichten

Innenausstattung

Die Innenausstattung besteht aus drei Barockaltären aus dem 17. Jahrhundert, sowie einer Kanzel aus Sandstein, eine Renaissancearbeit von 1551 vom Würzburger Bildhauer Peter Dell, dem Älteren und eine spätgotische Holzfigur des Kirchenpatrons St. Wolfgang aus dem Jahr 1480.

Der barocke Hochaltar aus dem Jahre 1699 aus einer Würzburger Werkstatt trägt das Wappen des Domkapitels. Das Altarblatt von 1697 mit der Darstellung des Kirchenpatrons stammt aus der Onghers Werkstatt. Es zeigt den Hl. Wolfgang mit zwei Kirchenmodellen. In der Hand hält er ein Modell nach der alten Stilrichtung (mit Spitzhelm), nebenan ist der Turm mit einem barocken Schweifhelm zu sehen. Am Fuß des Altarbildes ist die Darstellung eines kranken sterbenden Bittstellers zu erkennen.

Die beiden Seitenaltäre sind kurz nach dem Hochaltar von einheimischen Künstlern bzw. Handwerkern gefertigt und aufgestellt worden. Der linke Seitenaltar zeigt auf dem Altarblatt die Darstellung des Hl. Antonius von Padua. Das Signum weist einen J. Gravet, 1715, als Maler aus. Die dazugehörigen Figuren stellen links den Hl. Nepomuk und rechts den Hl. Aquilin dar. Der rechte Seitenaltar, 1711 von Georg Wolpert aus Ochsenfurt gefertigt, zeigt als Altarblatt die Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel. Die flankierenden Figuren zeigen die Eltern Maria, Joachim und Anna.

Die Kanzel wurde 1551 vom Riemenschneider-Schüler Peter Dell aus Sandstein gefertigt. Sie gelangte erst 1683 in die St.-Wolfgangs-Kapelle. Am Schaft sind die allegorischen Darstellungen von Glaube, Hoffnung und Liebe eingemeißelt. Die Figurenreliefs an der Brüstung stellen von links nach rechts die Kreuzigung und Maria mit Johannes, den Patron der Stadtpfarrkirche St. Andreas sowie den Diözesanheiligen St. Kilian dar. Auf der linken Seite neben dem Kanzelaufgang ist der Tod mit Sense und Sanduhr dargestellt. Der Schalldeckel (mit der Taube als Symbol des Hl. Geistes) stammt aus dem Jahre 1579. Die Abschlussfigur auf dem Schalldeckel ist eine Zutat um 1600 und stellt Gottvater dar.

An der Brüstung der Orgelempore befinden sich zehn Ölbilder auf Leinwand. Die Gemälde aus dem 17./18. Jahrhundert stellen Szenen aus dem Leben des Hl. Wolfgang dar. Eines der Bilder zeigt eine Ochsenfurter Stadtansicht des Jahres 1623. Weiterhin befinden sich in der Kapelle eine Lindenholzfigur des Hl. Wolfgang, die um 1520 entstanden ist, und eine Skulptur des Hl. Sebastian von Georg Brenck, dem Älteren, ein Werk aus der Zeit um 1617[2]

Am Opferstock neben dem Nordportal ist ein barockes Blechtäfelchen erhalten, das auf der einen Seite des Hl. Wolfgang zeigt, auf der anderen Seite eine Außenansicht der Kapelle mit Mesnerhaus von 1738.

Innenansichten

Orgel

Das Kircheninstrument wurde 1877 von Orgelbauer Martin Joseph Schlimbach aus Würzburg mit sechs Registern, einem Manual und selbständigem Pedal erbaut. Sie wurde 1989 generalüberholt und mit einem Windmotor ausgestattet.

Wallfahrt

Zwar hat die Verehrung des Hl. Wolfgang mittlerweile nachgelassen, für die Ochsenfurter jedoch ist die kleine Kapelle ein wahres Kleinod geblieben. Nicht nur zum Pfingstritt kommen die Gläubigen hinauf zu der reizvoll gelegenen St.-Wolfgangs-Kapelle, auch unterm Jahr finden immer wieder Wanderer und Pilger den Weg. Der Pfingstritt ist eine alle zwei Jahre stattfindende Pferdewallfahrt mit Tiersegnung.

Öffnungszeiten

Die Kapelle ist von Mai bis September jeweils am ersten Sonntag im Monat von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Außerhalb dieser Zeit kann eine Besichtigung über das katholische Pfarramt (Telefon 09331 - 8025080) vereinbart werden.

Pfarreisprengel

Die St.-Wolfgangs-Kapelle gehört zur Stadtpfarrei St. Andreas.

Pfarreiengemeinschaft

Die St.-Wolfgangs-Kapelle gehört zur Pfarreiengemeinschaft Ochsenfurt.

Siehe auch

Quellen und Literatur

Weblinks

Erläuterungen und Hinweise

  1. Seit 1983 kümmert sich der eigens gegründete „Freundeskreis St. Wolfgangskirche“ um den Erhalt und die Förderung der Wolfgangskapelle Ochsenfurt. Auslöser für die Gründung war der marode Zustand der Kirche, die völlig zu verfallen drohte. Schon in der Anfangszeit wuchs die Mitgliederzahl auf über 500 an, Spendenaufrufe wurden gestartet, Benefizaktionen auf die Beine gestellt. In Anlehnung an eine alte örtliche Tradition rief der Verein auch das Wolfgangsfest ins Leben, das seitdem jeweils am ersten Sonntag im Juli stattfindet und dessen Erlös dem Erhalt des Gotteshauses dient. Die Anstrengungen des Vereins wurden schließlich belohnt: Am 23. Juli 1989 und nach dreijähriger Bauzeit erstrahlte die Wolfgangskirche wieder in altem Glanz.
  2. Die Sebastiansfigur ist ein nachdrücklicher Beleg für die Betonung der Heiligenverehrung auf katholischer Seite, zumal Sebastian als Seuchenpatron und als Schutzheiliger der Schützenbruderschaften zu den sehr populären Heiligen gehörte. So könnte die Skulptur durchaus als Einzelfigur entstanden sein. Wahrscheinlicher aber entstammt sie einem Retabel und blieb aufgrund der Beliebtheit des Heiligen erhalten. (Quelle: Wolfgang Schneider: Aspectus populi. In: Julius Echter, Patron der Künste. Katalog zur Ausstellung im Martin von Wagner Museum, Würzburg, vom 25. Juni bis 24. September 2017. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2017, S. 158, ISBN: 978-3-422-07408-8)

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