Kunigundenkapelle (Burgerroth)

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Kunigundenkapelle in Burgerroth
Lage über dem Gollachtal
Altar in der Kunigundenkapelle

Die Kunigundenkapelle ist ein spätromanisches Bauwerk im südlichen Landkreis Würzburg.

Lage[Bearbeiten]

Die Kapelle ist von einer Friedhofsmauer umgeben und liegt etwa einen Kilometer südlich des Auber Ortsteils Burgerroth über dem Gollachtal nahe dem Gaubahn-Radweg und der Landesgrenze zu Baden-Württemberg auf dem Alten Berg.

Patrozinium[Bearbeiten]

Die Heilige Kunigunde von Luxemburg war mit Kaiser Heinrich II. vermählt. Sie nahm an der Regierung ihres Gemahls weitgehend Anteil, wirkte entscheidend mit bei der Gründung und Ausstaltung des Bistums Bamberg und bei der Errichtung vieler Kirchen und Klöster. Zusammen mit ihrem Gemahl gründete sie das Erzbistum Bamberg. Im Jahre 1200 wurde sie heilig gesprochen. Das Kaiserehepaar ist im Dom zu Bamberg beigesetzt. Regelmäßige Gottesdienste finden nur noch am Kunigundentag, dem 3. März statt.

Kunigundensage[Bearbeiten]

Kunigunde ließ in Bamberg drei Schleier fliegen, um an der Stelle, wo sie gefunden würden, Kapellen zu bauen. An der Kirchenmauer wächst die 1.000-jährige Kunigundenlinde, in deren Krone einer der Schleier hängen geblieben sein soll.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kunigundenkapelle ist ein Gebäude der Spätromanik und dürfte Anfang des 13. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Heiligsprechung der Kaiserin Kunigunde im Jahre 1200 und dem damit verbunden Kunigundenkult auf Geheiß des Deutschordensmeisters Heinrich von Hohenlohe errichtet worden sein. Die Kunigundenkapelle war früher Wallfahrtskirche und Gotteshaus für die benachbarten Dörfer Buch, Burgerroth, Niedersteinach und die Burg Brauneck; der um die Kirche herum angelegte Friedhof war Grablege für die Toten der genannten Gemeinden bis 1945. Die ehemalige Friedhofsmauer ist noch in großen Teilen erhalten. Heute ist für den Erhalt der Freundeskreis der Kunigundenkapelle aus Buch verantwortlich.

Im Zuge der Gegenreformation sah sich Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn veranlasst, die teilweise sehr heruntergekommenen Kirchen seines Bistums neu- bzw. umzubauen und damit Schritte in die Wege zu leiten, die zur Festigung der Gegenreformation beitragen sollten. Der Umbau der Kunigundenkapelle begann im Jahre 1608 und war 1609 abgeschlossen. Die vorhandene Unterkapelle wurde zerstört, der Chorraum erhöht, die Presbyteriumstür [1] an der südöstlichen Apsiswand zugemauert, die beiden Spitzbogenfenster im Kirchenschiff eingezogen und die spätromanische Wandmalerei übertüncht. Der erhöhte Chorraum bot Platz für einen neuen Altar; zusätzlich kamen ein neuer Fußboden, neue Betstühle und eine Sakramentsnische hinzu.

Der Aufschwung des kirchlichen Lebens in der Barockzeit und die damit verbundene Bautätigkeit ging auch an der Kundigundenkapelle nicht vorüber. Bei der Renovierung wurden Decke und Wände stuckiert und ein neuer Hochaltar errichtet. Der in blaugrau und rot marmorierten Tönen gehaltene dreiteilige Altar war und ist das Herzstück der Kapelle.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die Kunigundenkapelle ist eine einschiffige romanische Anlage mit einem eingezogenen quadratischen Chor mit einer halbrunden Erkerapsis. Eine Inschrift über dem Südeingang von 1614 weist auf die Reparaturen und Änderungen von Fürstbischof Julius Echter hin. Abgesehen von den beiden Spitzbogenfenstern mit nachgotischem Maßwerk, der Renaissance-Inschriftentafel aus dem Jahre 1614 über dem südlichen Portal und dem Dachreiter hat das Gotteshaus seinen spätromanischen Charakter erhalten.

Die Presbyteriumstür an der südöstlichen Apsiswand führte hinaus auf eine überdachte Außenkanzel, mehr noch vielleicht eine Tribüne, von der aus besondere Heiligtümer der Kapelle vorgezeigt wurden, wie es im Mittelalter besonderer Brauch gewesen ist.

Innenraum[Bearbeiten]

Bei der Echter-Renovierung wurden die Bilder aus der Entstehungszeit übermalt und zwei zusätzliche Fenster eingebaut. Um 1750 erhielten die Decke und die Wände Stuckapplikationen. Das Altarbild mit einer Darstellung der Heiligen Familie stammt aus dem Jahr 1762. Seitlich steht das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde. Der Altar ist ein Werk vom Auber Bildhauer Matthias Haslinger. Neu eingebaut wurden eine Predigtkanzel und Orgelempore. Anfang der 1960er Jahre fanden archäologische Grabungen an der Kirche statt. Die daran anschließende Renovierung stellte den aktuellen Zustand her.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Pilgerweg[Bearbeiten]

An der Kunigundenkapelle beginnt bzw. endet der Kunigundenweg aus/nach Bamberg.

Regelmäßige Wallfahrten[Bearbeiten]

Die umliegenden Pfarrgemeinden wallfahren jeweils am Pfingstmontag zur Kunigundenkapelle.

Kunigundenstein[Bearbeiten]

Links am Fußpfad, ca. 150 Meter von der Kunigundenkapelle entfernt, liegt oberhalb des südöstlichen Weges, der ins Gollachtal hinabführt, der Kunigundenstein. Nach einer alten Legende stellen die Vertiefungen im Stein Hand-, Knie- und Fußabdrücke der heiligen Kunigunde dar. Allerdings dürften die Berührungen der Wallfahrer im Laufe der Zeit dazu geführt haben, dass sich die heutigen Formen ausgebildet haben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Högler: Die Kunigundenkapelle. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte (1977). 3. Auflage, Schnelldruck Wingenfeld, Ochsenfurt 1991

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. In der sakralen Architektur bezeichnet der Chor, auch Chorraum, Presbyterium oder Altarraum genannt, jenen Platz in Kirchen, der den Hauptaltar umgibt und der früher dem Klerus oder den Ordensgemeinschaften zur Feier des Stundengebets vorbehalten war.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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