Johanna Stahl

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Dr. Johanna Stahl

Dr. Johanna Stahl (gen. Henny) (* 16. März 1895 in Würzburg; † Juni 1943 in Auschwitz) war Journalistin, Frauenrechtlerin und engagierte Helferin für die verfolgten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in der NS-Zeit.

Leben und Wirken

Johanna Stahl wuchs in einer jüdischen Familie auf und besuchte die Sophienschule. 1914 legte sie ihr Externen-Abitur ab und studierte anschließend Germanistik in Würzburg und Volkswirtschaftslehre in Frankfurt a.M. Nach der Promotion 1925 kehrte sie in ihre Heimatstadt Würzburg zurück. Hier schrieb sie für die angesehene Frankfurter Zeitung und redigierte einige Jahre lang die Bayerische Frauenzeitung. Sie engagierte sich für Frauenrechte und hielt Vorträge zum Thema. In der Jüdischen Kultusgemeinde hatten Frauen zwar das aktive Wahlrecht, konnten selbst aber nicht gewählt werden. Johanna Stahl plädierte nachdrücklich für eine Änderung und es gelang ihr und ihren Mitstreiterinnen, wenigstens einen Kompromiss durchzusetzen, der den Frauen Mitsprachemöglichkeiten gab.

Politisches und soziales Engagement

Politisch engagierte sie sich in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), für die sie 1929 auf der Stadtratsliste kandidierte. Da sie ihren Beruf als Journalistin auf Druck der Nationalsozialisten nicht mehr ausüben durfte, arbeitete Johanna Stahl ab 1934 bei der „Arbeitsgemeinschaft für Beratung und Wirtschaftshilfe“, der Koordinationsstelle für die Selbsthilfeaktivitäten der Jüdischen Gemeinde in Würzburg. Sie beriet von Boykottaktionen und Berufsverboten Betroffene und gab Hilfestellung bei der beruflichen Neuorientierung. Zudem unterstützte sie Auswanderungswillige mit Rat und Tat. 1938 wurde ihr eigener Ausreiseantrag zwar genehmigt, sie entschloss sich aber, in Deutschland zu bleiben.

Verhaftung und Deportation

Ihre Kontakte zu Dr. Gertrud Luckner, die im Auftrag der Caritas Verfolgten half, nutzte die Gestapo, um Johanna Stahl und ihren Kollegen Iwan Schwab, den Geschäftsführer, zu verhaften. Nach einem Besuch in der Geschäftsstelle der „Arbeitsgemeinschaft“ in Würzburg im März wurde Luckner noch auf der Rückreise im Zug verhaftet. Kurz darauf durchsuchte die Gestapo das Büro nach Beweisen für eine enge Zusammenarbeit. Man fand zwar nichts, doch Stahl und Schwab kamen aus dem Gefängnis nicht mehr frei. Mit einem Zug, der am 17. Juni 1943 Würzburg über Nürnberg Richtung Auschwitz verließ, wurde Johanna Stahl zusammen mit der letzten größeren Gruppe unterfränkischer Jüdinnen und Juden deportiert. Auch ihr Bruder Eugen und ihre Schwester Jenny gehörten dazu. Sie wurden in Auschwitz nicht einmal mehr registriert, sondern vermutlich kurz nach der Ankunft ermordet. Niemand überlebte.

Posthume Würdigung

Stolperstein in Würzburg

Vor ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz, der gemeinsamen Wohnung mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern in der Konradstraße 9, wurde für sie 2007 ein Stolperstein verlegt.

Siehe auch

Weblinks