Frauenbildungsverein Frauenheil

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Der Frauenbildungsverein Frauenheil in Würzburg hatte die „Förderung höherer Bildung des weiblichen Geschlechts und der Erwerbsfähigkeit der auf eigenen Unterhalt angewiesenen Frauen“ zum Ziel.

Geschichte[Bearbeiten]

In den Anfangsjahren machten sich die Frauen, die 1898 den Verein „Frauenheil“ gründeten, insbesondere für die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium stark. Diese Gruppe Würzburger Lehrerinnen im Verbund mit Frauen aus dem gehobenen Bürgertum und dem Adel leisteten den entscheidenden Beitrag zu Öffnung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg für Frauen. Erste Vorsitzende war bis 1904 Baronin Auguste Groß von Trockau vom Damenstift zur Hl. Anna. Ihre Stellvertreterin war Emma Heim. Elisabeth Dauthendey fungierte als außerordentliches Vorstandsmitglied.

Unterstützung fanden die Frauen bei vielen Professoren der Universität Würzburg, die damals in ihrer Mehrzahl studierwillige Frauen förderten. Einer der aktivsten Verfechter des Frauenstudiums war der Medizinprofessor Karl Bernhard Lehmann, dessen Frau Amalie Lehmann zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Frauenheil“ zählte. Im Mai 1898 stellte Prof. Lehmann den ersten Antrag, außerhalb der regulären Semesterveranstaltungen einen Kurs für den Verein „Frauenheil“ abhalten zu dürfen. Seinem Beispiel folgten andere Kollegen. Alle Kurse wurden vorbehaltlos vom Bayerischen Kultusministerium genehmigt.

Von 1898 an organisierte der Verein regelmäßig in jedem Semester mindestens eine Veranstaltung an der Würzburger Universität. Da die Veranstaltung stets außerhalb des regulären Studienbetriebs von einigen wenigen Dozenten abgehalten wurden, nahmen sie die Gegner des Frauenstudiums zunächst offensichtlich nicht als Bedrohung der bestehenden Ordnung wahr.

Nachdem im Oktober 1899 die erste Frau, Jenny Danziger, zu regulären Vorlesungen an der Universität Würzburg zugelassen worden war, unternahm der Verein einen weiteren Vorstoß: Keine drei Wochen nach der Zulassung von Jenny Danziger stellten dreizehn Mitglieder von „Frauenheil“ - alle Würzburger Lehrerinnen - einen gemeinsamen Antrag, die öffentliche Vorlesung von Professor Oswald Külpe über Immanuel Kant besuchen zu dürfen. Der Professor gab seine Zustimmung. Allerdings versuchte das Kultusministerium die Anträge abzuwimmeln. Daraufhin wandten sich weitere zwölf Lehrerinnen mit einem leidenschaftlichen Protestschreiben direkt an das Kultusministerium und forderten die Gleichstellung mit ihren männlichen Kollegen, die jederzeit Vorlesungen zum Zweck der Weiterbildung besuchen durften. Auch die Philosophische Fakultät und der Senat der Universität Würzburg unterstützten das Gesuch der Lehrerinnen mit dem Argument, dass das Kultusministerium durch die Zulassung von Jenny Danziger gezeigt hätte, „dass gegen das gemeinsame Studium von Männern und Frauen an unserer Universität keine Bedenken prinzipieller Art bestehen“. Im März 1900 genehmigte das Kultusministerium schließlich die generelle Zulassung von Lehrerinnen der Stadt Würzburg und im Sommersemester 1900 wurde dann erstmals eine größere Zahl an Gasthörerinnen an der Universität Würzburg aufgenommen.

Weitere Vereinsaktivitäten[Bearbeiten]

Weitere Aktivitäten des Vereins waren z.B. Koch- und Handarbeitskurse in der Pleicher Schule sowie der Betrieb einer Damenspeiseanstalt in der Domerschulstraße. Eine Neuerung war auch die Rechtsberatungsstelle für Frauen in der Kapuzinerstraße, wo sich seit 1911 die Geschäftsstelle des Vereins befand.

1900 wurde auf Initiative der Vereinsmitglieder sowie etlicher Bürgerfamilien die Sophienschule als erste private, konfessionell ungebundene Mädchenschule in Würzburg eröffnet. Die Sophienschule richtete bald vierjährige Gymnasialkurse zur Vorbereitung von Mädchen auf das Abitur ein.

Vereinszweck[Bearbeiten]

Ziel war die Förderung höherer Bildung für Mädchen und Frauen. Insbesondere kämpfte der Verein für die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium. Im Zuge dessen wurde auch das Angebot höherer Bildungsabschlüsse an Mädchenschulen erweitert. Zudem sollte jenen Frauen, die auf einen eigenen Unterhalt angewiesen waren, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit erleichtert werden. Etwa durch das Angebot von Abschlüssen, die als Zugangsvoraussetzung zu diversen Berufen erforderlich waren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Frauen in Würzburg. Stadtführer und Lesebuch. Hrsg.: Stadt Würzburg. Echter Verlag 1996, S. 19 ff. und 113 ff.
  • Franz Ziegler, Gereon Rempe: Klara Oppenheimer. Würzburger Kinderärztin. Kämpferin für das Frauenrecht. Opfer des Holocaust. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2017. ISBN 978-3-8260-6365-7

Weblinks[Bearbeiten]