Elisabeth Dauthendey

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Elisabeth Dauthendey (* 19. Januar 1854 in St. Petersburg; † 18. April 1943 in Würzburg) war Schriftstellerin und Dichterin. Die Halbschwester von Max Dauthendey lebte und wirkte viele Jahre in Würzburg.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Elisabeth Dauthendey kam 1854 in St. Petersburg als Tochter von Carl Albert Dauthendey und seiner Frau Anna (geborene Olschwang) zur Welt. Der Vater führte dort zwei Fotoateliers. Nachdem sich Anna 1855 unerwartet das Leben genommen hatte, heiratete er Caroline Charlotte, geborene Friedrich, die einer Kolonistenfamilie aus Süddeutschland entstammte. Aus dieser zweiten Ehe ging zunächst Sohn Kaspar hervor. 1864 entschloss sich Carl Dauthendey zum Umzug in die alte Heimat Deutschland. Er ließ sich mit der Familie in Würzburg nieder. Dort kam 1867 Max zur Welt.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Elisabeth zeigte früh großes Interesse an literarischen Werken. Während ihre älteren Schwestern früh heirateten, durchlief sie eine Ausbildung zur Lehrerin. Nach dem Examen nahm sie eine Stelle in Königsberg an, dann war sie einige Jahre in England als Erzieherin und Hauslehrerin tätig; zunächst bei Verwandten der Mutter, dann im vornehmen Haushalt eines Lord Mayor. Nach dem Tod der Stiefmutter sowie auch aus gesundheitlichen Gründen kehrte sie nach Würzburg zurück und widmete sich dem Geschäft und Haushalt des Vaters sowie der Erziehung von Bruder Max. Eine eigene Wohnung bezog sie schließlich in der Semmelstraße, wo sie bis zu ihrem Lebensende wohnte. Zu Max hielt sie weiter Kontakt durch Besuche und Briefe. Auch finanziell half sie ihm aus obwohl sie selbst oft nur ein knappes Auskommen hatte.

Emanzipation[Bearbeiten]

Schon als Mädchen hatte Elisabeth eigene Gedichte verfasst. Zur ersten Veröffentlichung kam es aber erst 1898, zwei Jahre nach dem Tod des strengen Vaters. Schmerzlich vermisste sie die Möglichkeit, ein Universitätsstudium zu absolvieren. Auch aus diesem Grund schloss sie sich 1898 mit weiteren Lehrerinnen zusammen um den Frauenbildungsvereins Frauenheil zu gründen. Der Verein engagierte sich gesellschaftspolitisch für emanzipatorische Entwicklungen sowie für bessere Bildungsmöglichkeiten der Mädchen und Frauen. Unter anderem war ein Ziel, Hochschulvorlesungen auch für Frauen zu öffnen.

Publikationen[Bearbeiten]

Zwischen 1898 und 1934 wurden 20 Bücher Elisabeth Dauthendeys veröffentlicht. Dabei reichte die Spanne von Gedichten, Märchen und Novellen bis zu Erzählungen und Romanen. Häufig wiederkehrende Themen sind zum einen unvergängliche Lebenswerte, zum anderen die Betonung der Mündigkeit der Frau in Beruf, Liebe und Ehe. Zu ihren Lebzeiten fanden die veröffentlichten Märchen besonders positive Resonanz.

Elisabeth erhielt große Anerkennung für ihr literarisches Werk. Neben den eigenen Schöpfungen nahm sie Auftragsarbeiten (u.a. Literaturübersetzungen) an, um finanziell abgesichert zu sein. Gerne begab sie sich auf Reisen in Deutschland und Europa. Sie hatte einen großen Freundeskreis, mit dem sie intensiven Austausch pflegte.

Zur Zeit des Nationalsozialismus musste sie sich als Halbjüdin aus dem öffentlichen Wirken zurückziehen. Mit ihrer Freundin Auguste Heider lebte sie zurückgezogen und verarmt bis zu ihrem Tod 1943 im Alter von 89 Jahren. Ihr Vertrauter Dr. Michael Gebhard sollte sodann ihren Nachlass übernehmen. Jedoch verbrannte alles in der Bombennacht 1945. Nur ein Märchenbuch, das sie in den letzten Lebensjahren verfasst hatte konnte gerettet werden, da Elisabeth das Manuskript einer Tochter Gebhards zum Geschenk gemacht hatte. Gebhard ließ es 1976 veröffentlichen.

Werke[Bearbeiten]

Einige der veröffentlichten Arbeiten Elisabeth Dauthendeys:

  • Akeleis Reise in den goldenen Schuhen und andere Märchen.
  • Die goldne Stunde des Siegs. Roman. Verlag Schuster & Loeffler, Berlin 1876
  • Erla und die sieben Herrenhöfe.
  • Erotische Novellen. Verlag Schuster & Loeffler, Berlin
  • Ein Abend und andere Novellen.
  • Heilige Haine.
  • Hunger. (Novelle) Verlag „Der Bund“, Nürnberg 1923.
  • Im Lebensdrange. (Roman) Verlag Brund, Minden
  • Im Schatten. (Novelle) Verlag Schuster & Loeffler, Berlin 1903
  • Märchen. (Sammlung) Hohenloher Druck- und Verlagshaus, Crailsheim 1976
  • Schlösser und Gärten am Main. Mit Aufnahmen von Paul Wolff. Velhagen&Klasing, Bielefeld und Leipzig 1932. (Stadtbücherei Würzburg Drl Dau)
  • Vivos voco. Verlag Thomas, Leipzig 1908
  • Vom neuen Weibe und seiner Liebe. Ein Buch für reife Geister. Verlag Schuster u. Loeffler, Berlin 1903
  • Von den Gärten der Erde. Verlag Schuster & Loeffler, Berlin 1917.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Walter Roßdeutscher: Elisabeth Dauthendey. 1854-1943. Lebensbild – Werkproben. Dauthendey-Gesellschaft, Heft 3. Würzburg 1998


Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Zürrlein: Literatur im provinziellen Umfeld, in: Unterfränkische Geschichte, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 377-466, S. 399 f.