Kapelle der heiligen Jungfrau (Würzburg)

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Kapelle

Die Kapelle der heiligen Jungfrau befand sich im heutigen Chorturm der Deutschhauskirche.

Geschichte

Als der Deutsche Orden 1219 den einstigen Königshof auf dem Girsberg in Besitz nahm, fanden sie auch einen integrierten Sakralbau vor. Dieser dürfte eine kleine, bescheidenes, romanische Saalkirche gewesen sein, von dem ein Teil seiner östlichen Langhauswand in die Westmauer der tunnelartigen Unterführung zum Schottenanger einbezogen wurde,

Diese Kirche war ein Abkömmling der Pfalzkapelle, die Karl der Große Ende des 8. Jahrhunderts in seiner Pfalz zu Aachen errichten ließ. In einer Urkunde vom Februar 1224 bezeugt Kaiser Friedrich II., dass sein Vater, Kaiser Heinrich VI. und sein Großvater Kaiser Friedrich Barbarossa, einst die curia regia auf dem Girsberg besaßen.

In einer vom Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg im Jahre 1226 ausgestellten Urkunde wird das Gotteshaus als den Würzburger Deutschherrenbrüdern gehörige „Kapelle der hl. Jungfrau“ bezeichnet. Offenbar diente die Königshofkapelle zunächst und in den folgenden Jahrzehnten, bis zum Bau der heutigen Kirche, als Gotteshaus der neu gegründeten Deutschherren-Komturei.

Um im Würzburger Stadtbild präsent zu sein, bauten die Deutschherren an ihre Kapelle einen stattlichen, hochragenden Turm an, der in einem proportionalen Missverhältnis zum wesentlich kleineren Langhaus stand. Im Erdgeschoss beherbergte er den neuen Chorraum der Kapelle. Auf die frühere Nutzung des untersten Turmgeschosses als Altarraum weist ein mit spätromanischem Blattornament versehenes steinernes Gussbecken hin, das einst als Lavabo zur liturgischen Händewaschung während des Abendmahls und nach der Kommunion diente.

Profanierung

Die 1226 erwähnte Marienkapelle der Würzburger Deutschherren wurde am Ende des 13. Jahrhunderts durch die ab etwa 1270 erbaute, noch heute bestehende hoch-gotische Deutschhauskirche ersetzt. Außer einem Langhausmauerrest hat sich von der einstigen Chorturmkirche nur der nach 1219 errichtete Turm erhalten. Nachdem das ehemalige Langhaus verschwunden und der zu diesem geöffnete Bogen des Altarhauses vermauert war, verlor der Altarraum im Turm-Erdgeschoss seine sakrale Funktion. Nach der Säkularisation gehörte die Kapelle und die Deutschhauskirche in nachnapoleonischer Zeit bis 1922 dem Königreich Bayern und wurde durch die bayerische Armee genutzt. Der Nebenraum der Kapelle diente zeitweise als Gefängniszelle für Soldaten, worauf Zeichnungen an den Wänden des kleinen Raumes hinweisen.

Heutige Nutzung

Nach gut sieben Jahrhunderten hat die Kirchengemeinde Deutschhauskirche-Erlöserkirche die ehemalige romanische Kapelle als Turmkapelle wieder eingerichtet. Sie wurde von Pfarrer Detlev Graf von der Pahlen ihrer Bestimmung übergeben.

Siehe auch

Literatur

  • Prof. Dr. Stefan Kummer, Der Chorturm der ersten Deutschhauskirche und seine „Kapelle“

Quellen

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