Bernhard Heine

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Prof. Dr. Bernhard Heine

Prof. Dr. h.c. Bernhard Heine (* 20. August 1800 in Schramberg; † 31. Juli 1846 in Glockenthal/Thun) war Instrumentenmacher und erster Professor für Orthopädie.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Bernhard Heine ist Neffe des Orthopäden Johann Georg Heine und Cousin von Joseph Heine.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Bernhard erlernte in der Werkstatt seines Onkels Johann Georg den Beruf des Instrumentenmachers bzw. Orthopädiemechanikers [1] und arbeitete ab 1824 dort als Werkmeister.

Institutsleiter in Würzburg[Bearbeiten]

Ab 1829 übernahm er nach Abreise seine Onkels Johann Georg Heine nach Holland zusammen mit seinem Cousin Joseph Heine kommissarisch die Leitung des Karolinen-Instituts, einer von Johann Georg Heine ins Leben gerufenen orthopädischen Heilanstalt. Nach Aufnahme des Medizinstudiums an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg wurde Bernhard Heine ab 1835 alleiniger Institutsleiter und ging durch Entwicklung operativer Behandlungsmethoden über die von seinem Onkel angewendete konservative Orthopädie hinaus. [2] Bernhards bedeutendste Entwicklung war das Osteotom, eine von ihm zwischen 1824 und 1830 entwickelte Kettensäge zur Knochenbearbeitung ohne Hammer und Meißel, das er, nachdem der Arzt Joseph Anton (von) Mayer [3] in Würzburg erstmals eine Osteotomie damit durchgeführt hatte, 1836 auf der Akademie der Wissenschaften in Paris präsentierte und dafür zahlreiche Forschungspreise und internationale Anerkennung erhielt. Es folgten zahlreiche Tierexperimente zur Knochenregeneration, die 1838 wiederum prämiert wurden. Danach beendete Heine seine klinische Tätigkeit am Karolinum und widmete sich ganz der Forschung. Bernhard Heine war mit seinen orthopädischen Untersuchungen einer der ersten Wissenschaftler, die das systematische Experiment „als Mittel zur Forschung in den Naturwissenschaften“ (August Rütt) einsetzten. Bernhard Heines Pioniertätigkeit fand im auch im Ausland reges Interesse und gab den Anstoß zur Gründung zahlreicher Orthopädischer Institute in Europa, so auch zur Errichtung eines Lehrstuhls für Orthopädie an der Pariser Sorbonne. [4]

Professor an der Medizinischen Fakultät[Bearbeiten]

Nachdem Heine bereits 1838 zum „Professor honorarius“ (Ehrenprofessor) für Orthopädie ernannt worden war [5], wurde er 1844 zum außerordentlichen Professor für Experimentalphysiologie an die Universität Würzburg berufen (Nach seinem Tod wurde der Lehrstuhl für dieses Fach mit der Zootomie, d.h. der vergleichenden Anatomie, zusammengelegt, die 1847 dann von Albert Koelliker übernommen wurde). [6]. Im Juli 1846 erlag Heine einem Lungenleiden (vermutlich Tuberkulose) und starb an einem Blutsturz. Begraben wurde er (laut Rütt und Küsswetter) in einem Ehrengrab der Stadt Würzburg auf dem alten Hauptfriedhof.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Doris Schwarzmann-Schafhauer: Heine, Bernhard, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter-Verlag, Berlin 2005 und 2007 (ISBN 978-3-11-019703-7), S. 561
  • August Rütt: Heine, ein Name deutscher Pioniere der Orthopädie des frühen 19. Jahrhunderts in Würzburg und ihre Wirkung für die „Alte Welt“, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 4 (1986), S. 93-103; S. 97-99.
  • August Rütt und Wolfgang Küsswetter: Der Ursprung der deutschen Orthopädie in Würzburg und ihre Entwicklung zur selbständigen medizinischen Disziplin, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 1 (1983), S. 107-124; S. 112-114

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Doris Schwarzmann-Schafhauser: Johann Georg Heine - Beobachtungen zum Forschungsstand und Paradigmen zur Akademisierung eines handwerklichen Berufes. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 10 (1992), S. 303-313; S. 309
  2. August Rütt und Wolfgang Küsswetter: Der Ursprung der deutschen Orthopädie in Würzburg und ihre Entwicklung zur selbständigen medizinischen Disziplin, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 1 (1983), S. 107-124; S. 112 f.
  3. Deutsche Biographie
  4. Doris Schwarzmann-Schafhauser, a.a.O.
  5. Doris Schwarzmann-Schafhauser, a.a.O.
  6. Theodor Heinrich Schiebler: Anatomie in Würzburg (von 1593 bis zur Gegenwart), in: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift, hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 985-1004; S. 992