Nathan Eppstein

Aus WürzburgWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Nathan Eppstein (* 26. Oktober 1865 in Mönchsroth bei Dinkelsbühl; † 1942 in Würzburg) war Kolonialwarenhändler, Religionslehrer und Toraschreiber in Greußenheim.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Nathan wurde als Sohn des Toraschreibers Simon Eppstein und dessen Frau Sophie, geb. Regensburger in Mittelfranken geboren und seit 1891 mit Jette Eppstein, geb. Hirnheimer verheiratet.

Leben und Wirken in Greußenheim[Bearbeiten]

Ehemaliges Kolonialwarengeschäft Eppstein in Greußenheim

Nathan Eppstein besuchte die Volks- und Fortbildungsschule in Mönchsroth und machte ein Jahr eine Schneiderlehre. Um 1884 zog er als Kaufmann (Reisender) zum Bruder nach Unterdeufstetten/Württemberg. Am 1. Mai 1891 übernahm er das Kolonialwarengeschäft an der Würzburger Straße in Greußenheim (Anwesen Würzburger Straße 6, früher Hs.Nr. 137). 1927/1928 zog er nach Heidingsfeld in die Zindelgasse 14. Nathan Eppstein war neben seinen Tätigkeiten als Sofer [1] auch als Kaufmann und Hausierer bzw. Reisender unterwegs.

Der ehemalige Greußenheimer Bürgermeister Otto Gehr erinnerte sich noch, dass Nathan Eppstein oft zweimal am Tag nach Würzburg lief, um Sachen für seinen Laden zu kaufen. Das Laubhüttenfest wurde jährlich im Garten seines Hauses gefeiert. Nicht selten schrieb Nathan Eppstein auch in seinem Laden seine Predigten und Gebete auf Rollen und zwar von rechts nach links. Der Sofer Nathan Eppstein schrieb von Hand Torarollen, Mesusot, Tefillin und Dokumente wie etwa Heiratsverträge. Dieser Beruf erfordert eine fundierte Ausbildung und ist innerhalb des Judentums sehr angesehen. Die biblischen Texte wurden und werden mit einer Vogelfeder (Gänsekiel oder Truthahnfeder) und einer Tinte ohne Metallzusätze, die der Sofer meist selber herstellt, geschrieben. Die Texte müssen absolut fehlerfrei und präzise geschrieben werden. Der Sofer darf nicht aus dem Gedächtnis schreiben, sondern muss jeden Buchstaben einzeln aus der Vorlage kopieren. Jeder einzelne Buchstabe hat eine genau vorgeschriebene Schreibweise. Der Text darf nicht durch Ornamente geschmückt werden, da Ornamente den Originaltext verändern oder die Lesbarkeit beeinträchtigen könnten. Falls in einem Text ein Fehler entdeckt wird, ist dieser damit rituell unrein, das heißt nicht für Tora, Tefillin oder Mesusa geeignet und muss weggeworfen werden. In der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland musste er wegen seines langen Bartes viel Spott ertragen. Er wurde als tief religiös geschildert.

Jüdischer Religionslehrer[Bearbeiten]

Am 22. April 1916 erteilte die Bezirksregierung dem Geschäftsmann Nathan Eppstein in Greußenheim die Erlaubnis, den jüdischen Schulpflichtigen in Karbach, Homburg und Marktheidenfeld außerhalb der gesetzlichen Schulzeit in der Zeit des Ersten Weltkrieges Religionsunterricht zu erteilen.

Umzug nach Heidingsfeld[Bearbeiten]

Im Laufe des Jahres 1928 zog Nathan Eppstein mit Familie nach Heidingsfeld um. Am 27. September 1928 inserierte er in der Zeitschrift „Der Israelit“: „Meinen verehrten Kunden teile ich hierdurch mit, dass ich von Greußenheim nach Heidingsfeld verzogen bin. Ich halte mich weiterhin für Lieferung von Tefillin, Mesusos usw. und Sofer-Arbeiten jeder Art in bekannter gewissenhafter Ausführung bestens empfohlen. (Referenzen orthodoxer Rabbiner stehen zu Diensten). Nathan Eppstein, Sofer, Heidingsfeld, Johannitergasse 14.“ Nathan Eppstein verrichtete Soferarbeiten und handelte mit Tefilin und Mesusos. In der israelitischen Gemeinde Heidingsfeld war er als Friedhofspfleger tätig. Bis zum Novemberpogrom 1938 betrieb er gleichzeitig auch einen Hausierhandel mit Wäscherei und kaufte sich im März 1939 in das israelitische Alters- und Pfründnerheim Dürerstraße 20 ein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Karteikarte Eppstein Nathan, Gemeindearchiv Greußenheim
  • Reinhold F. Seidl: Der 1. und 2. Weltkrieg, Versuch einer Kriegschronik über Personen und ihre Erlebnisse aus Greußenheim. 1986
  • Synagogengedenkband Bayern, Band III/1, Mehr als Steine, Hrsg. Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid und Gury Schneider-Ludorff i.V.m. Meier Schwarz, Teilband III, S. 199, 214,273;
  • Siehe auch: StAWÜ, LRA Marktheidenfeld 2338: Regierungsentschließung vom 22.4.1916; siehe auch Ziff. 2.4.
  • „Der Israelit“ vom 27. September 1928, Anzeige

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen und Hinweise[Bearbeiten]

  1. Sofer ist ein Begriff aus dem Judentum und bezeichnet einen Schreiber hebräischer Texte. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].