Ludwig Weis

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Dr. Ludwig Weis

Prof. Dr. Ludwig Weis (* 19. Januar 1813 in Zweibrücken; † 15. Mai 1880 in München) war Erster Bürgermeister von Würzburg, Professor der Rechte an der Universität Würzburg, Mitglied des Bayerischen Landtags und Ministerialrat im Bayerischen Innenministerium. 1862 wurde ihm aufgrund der durch seine Regelung des Finanzhaushalts ermöglichten Sparmaßnahmen die Ehrenbürgerwürde der Stadt Würzburg verliehen.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Ludwig Weis kam als Sohn des Rentiers und ehemaligen Eisenhändlers Anton Andreas Weis sowie seiner Frau Margarethe (geb. Schweighofer) in Zweibrücken zur Welt, das damals zur bayerischen Pfalz gehörte.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er besuchte mit besten Leistungen die „Königliche Studienanstalt“ in Zweibrücken, ging dann zum Studium nach München. 1834 bestand er das juristische Examen mit Auszeichnung. In München ging er auch die Ehe mit Anna Elisabetha Freymüller ein, das Paar bekam drei Söhne.

Im Anschluss an das Studium nahm Weis eine Stelle an der renommierten Anwaltskanzlei Hudlet in Zweibrücken an. Beim Assessorenexamen 1836 schnitt er als Bester in ganz Bayern ab und wirkte bald als selbständiger Advokat am Bezirksgericht Zweibrücken. Er erwarb sich schnell einen exzellenten Ruf als Strafverteidiger und veröffentlichte das „Handbuch für die Huissiers“ (Gerichtsvollzieher). Auch war er Mitautor des Werks „Annalen der Rechtspflege in der kgl. bayerischen Pfalz“.

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

Zu der Zeit galt im linksrheinischen Bayern noch das französische Recht. Daher richtete die Universität Würzburg eine Professur für französisches Recht und bayerisches Staatsrecht ein. Auf die Stelle berief sie Ludwig Weis, der auch als Experte der Theorie und Praxis des französischen Rechtssystems galt. Am 27. August 1851 wurde Weis zum ordentlichen Professor der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ernannt.

Abgeordneter des bayerischen Landtags[Bearbeiten]

Nach der revolutionären Bewegung von 1848/49 - welcher er eher ablehnend gegenüberstand - wurde Weis 1849 für Zweibrücken in die Abgeordnetenkammer des bayerischen Landtags gewählt, wirkte dort ab 1850 als zweiter Präsident. Innerhalb der liberal-konservativen Mehrheit war er eine der Führungspersönlichkeiten. Zwischen Landtag und Regierung Pfordten wuchsen in den Folgejahren die Spannungen. Weis' aktive Tätigkeit im Gesetzgebungsausschuss führte 1858 dazu, dass er seiner Professur enthoben wurde. Auch Eingaben der Universität konnten nicht verhindern, dass er an das Appellationsgericht in Eichstätt strafversetzt wurde. Im gleichen Jahr erfolgte seine Wiederwahl als zweiter Präsident der Abgeordnetenkammer, worauf Maximilian II. Joseph von Bayern das Gremium auflösen ließ. Aber auch die neugewählten Abgeordneten beriefen Weis in das Amt. Dies trug wesentlich zum Rücktritt der Regierung Ludwig von der Pfordten im Jahr 1859 bei.

Oberbürgermeister in Würzburg[Bearbeiten]

Zu dieser Zeit versuchte die Stadt Würzburg, Weis für das Amt des Ersten Bürgermeisters zu gewinnen. Der bayerische Innenminister versuchte dies zunächst durch eine in Aussicht gestellte Beförderung zu verhindern, stieß damit jedoch bei König Maximilian II. Joseph von Bayern auf Ablehnung. Der König wollte den „politischen Kampf gegen Dr. Weis“ nicht fortführen und stellte ihm die Bürgermeisterwahl frei. So wurde Weis, unterstützt auch durch das Wirken seines Freundes Anton Ruland im Gremium der Gemeindebevollmächtigten [1], am 6. August 1859 Nachfolger des pensionierten Bürgermeisters Dr. Josef Friedrich Treppner und zog umgehend wieder nach Würzburg. Hauptfelder seines Wirkens waren in er Folge die Verwaltungsvereinfachung und die Haushaltssanierung.

Ministerialrat in München[Bearbeiten]

1862 erreichte ihn die Berufung als königlicher Ministerialrat an das Münchner Justizministerium.

Am Ministerium wirkte Weis an zahlreichen bedeutenden Gesetzesvorhaben mit. So auch an der bayerischen Zivilprozessordnung und am Gesetzentwurf zum Schutz des Urheberrechts. Politisch trat Weis für den Verbleib Österreichs im Deutschen Bund ein. Er mitbegründete 1862 den (Groß-)Deutschen Reformverein. 1870 wurde er als Kandidat der neuentstandenen „Bayerischen Patriotenpartei“ zum Präsident der Abgeordnetenkammer gewählt und warb innerhalb der Patriotenpartei für den Beitritt Bayerns zum neugegründeten Deutschen Reich. Allerdings wurde ihm darauf eine Spaltung der Partei vorgeworfen. Auch aus diesem Grund zog er sich schließlich aus der Politik zurück. Ab 1871 wirkte er als Präsident des Appellationsgerichts in Zweibrücken bis er 1879 pensioniert wurde. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in München, wo er 1880 verstarb.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Zum Abschied aus dem Bürgermeisteramt verlieh ihm der Stadtmagistrat die Ehrenbürgerwürde für seine Verdienste sowohl um die Stadt als auch „um das gesamte Vaterland“.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Seit 1959 ist die Ludwig-Weis-Straße in der Zellerau nach ihm benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Würzburgs Ehrenbürger 1862 bis 1899. Eine Ausstellung des Stadtarchivs Würzburg von Beate Kann und Ingrid Rack. Stadtarchiv, Würzburg 1997
  • Christian Fries: Dr. Ludwig Weis. Erster Bürgermeister Würzburgs von 1859 bis 1862. in: Ulrich Wagner (Hrsg.): „... ich bin mir der Verantwortung bewußt, die ich mit meinem Amt auf mich genommen habe.“ Aspekte der Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte Würzburgs im 19. und 20. Jahrhundert. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Band 10, Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2002, S. 11 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Sauer und Ralf Vollmuth: Briefe von Mitgliedern der Würzburger Medizinischen Fakultät im Nachlaß Anton Rulands. Quellen zur Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert mit Kurzbiographien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 9 (1991), S. 135-206, 166 mit Anm. 73

Weblinks[Bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Josef Friedrich Treppner Erster Bürgermeister
1859 - 1862
Jakob Hopfenstätter