Johanniskirche (Erlach)

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Evangelisch-lutherische Johanniskirche in Erlach, Ostansicht
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Die Johanniskirche ist eine Evangelisch-Lutherische Pfarrei in Erlach im Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk Würzburg im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. Seit 1701 ist das Kirchengebäude ein Simultaneum und darf im Sinne der Ökumene von beiden Konfessionen genutzt werden. Die Johanniskirche ist ein seltenes Beispiel neugotischer Kirchenmalerei in Mainfranken.

Geschichte[Bearbeiten]

Neben dem Wasserschloss Erlach befindet sich die ursprünglich katholische Pfarrkirche Sankt Johannis. Sie wurde um 1300 in gotischem Stil erbaut. Im Chorraum lässt sich der ursprüngliche Baustil heute noch erahnen. Ein Zeugnis ist beispielsweise die Spitzbogen-Tür zur Sakristei. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche erfolgte 1379. Um die Geschichte der Kirche verstehen zu können, muss man sich auch mit den in Erlach regierenden fränkischen Herrschaftsgeschlechtern und deren Religion auseinandersetzen: Fränkische Adels- und Kirchengeschichte sind hier sehr eng verknüpft. Christoph von Seinsheim führte Mitte des 15. Jahrhunderts die Reformation ein. 1593 wurde aus der katholischen Johanniskirche die evangelisch-lutherische Dorfkirche.

Ab 1663 herrschte in Erlach die katholischen Fürsten von Schwarzenberg. Im 18. Jahrhundert erfolgten in und an dem Gotteshaus bauliche Veränderungen: So wurde 1751 die Anordnung der Kirchenbänke verändert und auf dem Boden liegende Grabplatten entfernt. Die Stellung der Kirchenbänke war immer wieder ein Streitpunkt zwischen den Konfessionen - letztlich entschied man sich für die tendenziell katholische Variante und verschob die Bänke an die Außenseiten, um einen Mittelgang für Prozessionen zu erhalten. 1793 wurde das Langhaus um den Bereich verlängert, in dem sich heute die Empore befindet. Dabei wurden beidseits der Empore zwei neue Fenster geschaffen um dem Langhaus ein einheitliches Aussehen zu verschaffen.

In den nachfolgenden Jahrhunderten ereilte das Gotteshaus ein Schicksaal, das viele andere mainfränkische Kirchen ebenso prägte: Während die Kirche 1869 ihr heutiges Erscheinungsbild im neugotischen Stil erhielt, griff man 1957 zum Farbeimer und übermalte die bis dato farbenfrohe Gestaltung mit tristem Grau. Die Neugotik entsprach nicht dem Zeitgeist, ein eigener Wert wurde diesem Stil abgesprochen und so musste sie zumindest an Wänden und Decken weichen. Liedtafeln und Deckenmedaillon wurden - zumindest temporär - entfernt. Diesen Fehler machten die Erlacher 30 Jahre später wieder farbenfroh rückgängig: Trotz anfänglicher Bedenken wurde 1987 die ursprüngliche neugotische Gestaltung wieder hergestellt. Außerdem wurde die ausgetretene Holztreppe zur Empore an ihrem jetzigen Standort angebracht.

Derzeit ist geplant, die Johanniskirche zu sanieren. Baulastträger des Vorhabens ist die Stadt Ochsenfurt als Eigentümerin des Bauwerks.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die Kirche ist ein Saalbau mit eingezogenem quadratischem Chor und Chorturm mit Glockendach (drei Kirchenglocken), stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert und wurde mehrfach im 16. und 18. Jahrhundert verändert. 1869 hat die Erlacher Kirche ihr heutiges Erscheinungsbild erhalten. Die damalige Ausstattung erfolgte im neugotischen Stil. Altar, Kanzel und Orgel und auch das Rundfenster im Altarraum stammen aus dieser Zeit und ergeben mit dem Deckenmedaillon farblich ein homogenes Gesamtbild:

  • Beim Altar handelt es sich um einen streng symmetrischen Schnitzaltar, der von einem Altarkreuz bekrönt wird. Flankiert wird das Kruzifix von Maria und Josef. Die Wände im Chorraum zieren farbenfrohe neugotische Schablonenmalereien mit Blumenornamenten. Im Kreuzrippengewölbe des Chorraums fällt der Blick auf ein goldenes Sternennetz.
  • In der Nordostecke des Langhauses befindet sich die neugotische Kanzel mit Schalldeckel. Baumaterial der Kanzel ist Holz. Die Felder sind mit goldenem Maßwerkfenstern versehen.
  • Das Deckengemälde zeigt im Mittelpunkt einen segnenden Jesus.

An den Wänden des Langhauses und beidseitig des Altars im Chorraum sind sechs Renaissance-Epitaphe (Grabdenkmale) aus hellem Sandstein angebracht:

  • Im Chor nördlich/rechts: Fabian und Margarethe von Seinsheim mit sechs Kindern (drei Knaben und drei Mädchen).
  • Im Chor nördlich/links: Philipp und Anna von Bieberern (Bieberehren). Zu den Füßen der beiden zeigt das Epitaph deren große Anzahl an Kindern: Fünf Söhne und neun Töchter zählten zur Familie. An den flankierenden Säulen sind Adelswappen zu sehen.
  • Im Chor südlich: Brüder Philipp und Albrecht von Bieberern (Bieberehren) betend in Rüstung vor dem Gekreuzigten.
  • Im Langhaus etwa mittig an der Südwand: Barbara und Ursula von Seinsheim, zwei Mädchen die sich die Hände reichen und wohl sehr jung verstorben sind.
  • Im Langhaus an der nördlichen Westwand: Philipp und Erkinger von Seinsheim betend in Rüstung vor dem Gekreuzigten.
  • Im Langhaus an der südlichen Westwand: Christoph und Magdalena von Seinsheim. Zu Füßen drei Söhne und eine Tochter.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Kirchensprengel[Bearbeiten]

Die Johanniskirche ist für die evangelischen Christen aus Erlach und Zeubelried zuständig. Die östlich der Bundesstraße 13 gelegenen Stadtteile von Ochsenfurt mit dem Bärental sowie die Marktgemeinde Frickenhausen werden ebenfalls von hier seelsorgerlich betreut. Seit 1983 gehört das ehemalige Vikariat zur Kirchengemeinde Ochsenfurt-Erlach.

Simultankirche[Bearbeiten]

Es handelt sich bei der Johanniskirche um eine von etwa 60 Simultankirchen in Deutschland. Das Gotteshaus ist dadurch bedingt vollständiges Eigentum der Stadt Ochsenfurt, die zugleich für den kompletten Gebäudeunterhalt verantwortlich ist. In anderen Gemeinden ist häufig nur der Turm Eigentum der Kommune. Fürst Ferdinand von Schwarzenberg nahm zunehmende Konflikte zwischen der evangelischen und der katholischen Bevölkerung im Erlach und dem benachbarten Kaltensondheim wahr und entschied aufgrund der dauernden Streitigkeiten, die Kirche in eine Simultankirche umzuwandeln. Ein Simultaneum dürfen beide Konfessionen im Sinne der Ökumene gleichermaßen nutzen. Dies geschah im Jahr 1701.

Heute wird die Simultankirche trotz katholischer Mehrheit in Erlach primär von der evangelischen Pfarrgemeinde genutzt. Die katholische Pfarrei Maria Immaculata (Erlach) nimmt ihr Recht in Form eines Gottesdienstes am Palmsonntag (Palmweihe) jedoch nur noch einmal im Jahr wahr - dann wird auch der sonst leer stehende Tabernakel genutzt. Weihwasser, Ewiges Licht und andere Merkmale der katholischen Liturgie findet man in der Johanniskirche nur temporär.

Gottesdienste[Bearbeiten]

  • Sonntags 8.30 Uhr

Pfarrbüro[Bearbeiten]

Pfarrbüro der evangelisch-lutherischen Pfarrei Ochsenfurt-Erlach
Schwarzenbergstraße 27
97199 Ochsenfurt-Erlach
Bürozeiten nach Vereinbarung

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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