Horst Ludwig Wullstein

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Prof. Dr. Horst Ludwig Wullstein

Prof. Dr. Horst Ludwig Wullstein (* 24. Juni 1906 in Halle an der Saale; † 24. Januar 1987 in Würzburg) [1] war ein deutscher Arzt für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen, Hochschullehrer und Direktor der Hals-Nasen-Ohrenklinik in Würzburg [2] sowie Begründer des Würzburger Universitäts-Kopfklinikums.

Leben und Wirken

Horst Ludwig Wullstein wurde als Sohn des Chirurgieprofessors Ludwig „Louis“ Wullstein geboren, war zunächst am Hochofen im Bergbau tätig und begann sein Studium 1925.

Bis 1930 studierte er Medizin in München, Freiburg, Wien, Düsseldorf und Hamburg. [3]

Wullstein arbeitete ab 1933 in Jena, wo er sich zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde ausbildete und sich bei Johannes Zange (1880–1969) im Jahre 1937 habilitierte. Es folgte eine weitere Tätigkeit in München unter Max Nadoleczny (1874-1940). Während des Zweiten Weltkrieges war er in den Jahren 1941 bis 1943 als Sanitätsoffizier (Abteilungsarzt im Rußlandfeldzug) tätig. Er praktizierte in dieser Zeit als HNO-Arzt der Universität Straßburg. 1944 lehrte er als außerplanmäßiger Professor an der Universität Jena.

Nach seiner Entlassung aus der französischen Kriegsgefangenschaft im Jahre 1947 begann er zunächst in Siegen am dortigen evangelischen Jung-Stilling-Krankenhaus eine HNO-Abteilung aufzubauen. Er beschäftigte sich dort mit der operativen Behandlung der Otosklerose. 1949 heiratete Wullstein in Olpe/Westfalen die verwitwete Ärztin Antonie Sommer (geb. Wüst) (1903–1963), die drei Söhne mit in die Ehe brachte.

Er brachte in Siegen seine Straßburger Erfahrungen ein, welche er in oberärztlicher Tätigkeit bei Theodor Nühsmann sammeln konnte. [4] Ab dem Jahre 1949 setzte er die mikrochirurgische Technik in der Mittelohr-Chirurgie ein. 1953 wurde Wullstein in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.

Professor in Würzburg

Im Jahre 1955 erhielt er einen Ruf auf das Ordinariat für die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Universität Würzburg. Dort beschäftigte er sich als Klinikdirektor weiter mit der chirurgischen Otosklerosetherapie und der Tympanoplastik. In der Zeit von 1962 bis 1963 war Wullstein Dekan der Würzburger Medizinischen Fakultät. Er war Mitbegründer der Zeitschrift für Audiologie, die erstmals 1962 erschien. [5]

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau (im Mai 1963) lernte er in Würzburg seine spätere Ehefrau Sabina Wullstein kennen, die als Assistentin bei ihm tätig war. Beide entwickelten sie neue operative Verfahren in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Sie habilitierte sich 1975 und wurde ab dem Jahre 1984 Professorin im Würzburger Kopfklinikum. Für dieses neue Klinikkonzept setzen sich beide intensiv ein und wirkten auch an der konzeptionellen Entwicklung des Kopfklinikums maßgeblich mit. In diesem Konzept sollten die medizinischen Fachgebiete aus HNO- und Augenheilkunde, Neurochirurgie, Neuroradiologie und Neurologie nicht nur wissenschaftlich, sondern auch in der Versorgung der Patienten durch eine interdisziplinare Kooperation zusammenarbeiten. Man begann mit den ersten Bauarbeiten im Jahre 1964, die HNO- und Augenklinik kam im Jahre 1970 hinzu, gefolgt von der Neurochirurgie und der Neurologischen Klinik im Jahre 1973. Ferner warben sie für den Erwerb des Hubland-Areals für den Ausbau der Würzburger Universität.

Wissenschaftliches Erbe

Bezüglich der von ihm erstmals 1951 angewandten und 1952 erstmalig so genannten Tympanoplastik (Verschluss eines Trommelfelldefekts mit einem freien Hauttransplantat) schuf Wullstein, anhand der pathologischen Gegebenheiten, eine Kategorisierung mit insgesamt fünf Grundtechniken zur Wiederherstellung der Gehörknöchelchenkette bzw. des Trommelfeldefektes. [6] Ein zuvor in der Frauenheilkunde benutztes Kolposkop modifizierte Wullstein für den Einsatz bei operativen Eingriffen am Ohr. [7]

Nachlass

Horst Wullstein wurde im Jahre 1975 emeritiert. In der Folge errichteten er und seine Frau in Würzburg eine Privatklinik am Oberen Neubergweg 10 a im Stadtbezirk Frauenland, deren Räumlichkeiten er dem Würzburger Institut für Geschichte der Medizin vermachte.

Letzte Ruhestätte

Seine letzte Ruhestätte fand Prof. Wullstein auf dem Würzburger Waldfriedhof.

Publikationen (Auswahl)

  • Grundlagen und Methoden der Operationen zur Verbesserung des Gehöres. Thieme, Stuttgart 1988.
  • Anzeige und Ausführung der Eingriffe an Ohr, Nase und Hals, Thieme, Stuttgart 1952.
  • Tagebuch. 15.7.1941-8.1.1943, Stürtz, Würzburg 1990.
  • Tympanoplastik. Osteoplastische Epitympanotomie, zusammen mit Sabina Regina, Georg Thieme Verlag, Stuttgart und New York 1997, ISBN 3-13-667201-1.
  • Der Bewegungsvorgang an den Stimmlippen während der Stimmgebung. In: Archiv für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfheilkunde. 1937, Volume 142, Issue 2, S. 119–138.
  • Die Klinik der Labyrinthitis und Paralabyrinthitis auf Grund des Röntgenbefundes. Thieme, 1948.
  • Theory and practice of tympanoplasty. In: Laryngoscope. (1956) 66, S. 1076–1093.

Siehe auch

Quellen und Literatur

Einzelnachweise

  1. W. Hartkopf: Der Berliner Akademie Der Wissenschaften: Ihre Mitglieder Und Preistraeger 1700-1990. Wiley-VCH Verlag, 1992, ISBN 3-05-002153-5, S. 400.
  2. BERLIN-BRANDENBURGISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MITGLIEDERJUBILÄEN 2006. Juli
  3. Sergio de Paula Santos: Centenário de Horst Wullstein, um dos mais brilhantes otorrinos do século XX. Biographie in portugiesischer Sprache, online
  4. Tilman Brusis: Geschichte der deutschen Hals-Nasen-Ohren-Kliniken im 20. Jahrhundert. Springer, Berlin/ Heidelberg 2002, ISBN 3-540-41704-4, S. 340–341.
  5. Zum 50-jährigen Jubiläum der Zeitschrift für Audiologie. In: Zeitschrift für Audiologie. 2012; 51 (2), S. 51–59. (PDF; 808 kB)
  6. Wikipedia
  7. Christian von Deuster: Ohrenkrankheiten, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 1066 f., S. 1067

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