Hieronymus Ganzhorn

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Grabdenkmal für Hieronymus Ganzhorn an der Wand des nördlichen Seitenschiffs in Neumünster

Hieronymus Ganzhorn (* um 1520 in Ochsenfurt; † 18. Juni 1594 in Würzburg) war Kanoniker [1] im Stift Neumünster und Haupterblasser der Stadt Ochsenfurt.

Familiäre Zusammenhänge

Hieronymus wurde als Sohn des gleichnamigen Stadtschultheißen von Ochsenfurt geboren. Sein Vetter war Johann Wilhelm Ganzhorn, Chorherr im Stift Neumünster und Universitätsrektor in Würzburg.

Geistliche Laufbahn

Wohl durch Vermittlung von Würzburger Verwandten [2] erhielt Hieronymus am 15. Februar 1536 ein Kanonikat [3] in Neumünster und studierte ab 17. Juni 1538 an der Universität Heidelberg sowie anschließend ab 1547 in Erfurt. Am 17. März 1548 wurde er zum Subdiakon und am 22. September 1554 zum Diakon geweiht. Am 8. März 1555 erfolgte die Ernennung zum Kapitular von Neumünster und am 17. Dezember 1558 erhielt er das volle Stimmrecht im Stiftskapitel.

Im Frühjahr 1575 studierte er nochmals an der Universität Siena. Am 17. Dezember 1575 wurde er zum Scholaster [4] des Stifts Neumünster gewählt und danach zum Dienst in der römischen Kurie, ab 1581 als Prokurator freigestellt.

Stifter

In seinem Testament vom 18. Dezember 1592 bedachte er seine Vaterstadt Ochsenfurt mit einer großzügigen Stiftung in Höhe von 1.000 fl und vermachte ihr zudem seine umfangreiche Bibliothek für Studienzwecke. Aus den Zinserträgen der Stiftungskapitals sollten insgesamt fünf Stipendien finanziert werden, die jährlich mit 50 fl dotiert waren und deren Vergabe dem Ochsenfurter Stadtrat oblag. Von diesen fünf gestifteten Stipendien, die lerneifrigen Schülern den Besuch einer weiterführenden Schule ermöglichen sollten, waren vier für Knaben aus Ochsenfurt bestimmt und eines für einen Bewerber aus Hopferstadt.

Letzte Ruhestätte

Ganzhorn wurde in Neumünster beigesetzt, wo dies ein Grabdenkmal als Bronzerelief mit Wappen an der Wand des nördlichen Seitenschiffs belegt.

Nachlass

Die Ganzhorn'sche Bibliothek umfasste ursprünglich etwa 200 Titel in etwa 400 Bänden. Alle Studierenden durften diese Bücher benutzen.

Posthume Würdigung

Nach ihm wurde die Ganzhornstraße im Ochsenfurter Stadtteil Lindhard/Bärentalsiedlung benannt.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Joachim Braun: Ehrenbürger, Wohltäter und prominente Kunsthandwerker. In: Hopferstadt - Ein Dorf im Ochsenfurter Gau. Hrsg.: Katholische Kirchenstiftung Hopferstadt, Vier Türme Verlag, Münsterschwarzach 2006, S. 295 [5]
  • Alfred Wendehorst: Das Stift Neumünster in Würzburg. Germania Sacra NF 26: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg 4. de Gruyter, Berlin/New York 1989, ISBN 3-11-012057-7, S. 389 ff. (Germania Sacra Online)
  • Alfons Schott: Julius Echter und das Buch. Phil. Diss. Würzburg 1953.

Weblinks

Erläuterungen und Hinweise

  1. Kanoniker, auch Stiftsherren oder Chorherren genannt, sind Kleriker aller Weihestufen zumeist der römisch-katholischen bzw. der anglikanischen Kirche, die als Mitglieder eines Domkapitels oder eines Stiftskapitels an einer Kathedrale, Basilika oder Ordenskirche (Regularkanoniker) an der gemeinsamen Liturgie mitwirken. Unter gemeinsamer Liturgie versteht man die Feier der heiligen Messe und des Stundengebets, zu der alle Priester verpflichtet sind, ob allein oder in Gemeinschaft. Weitere Informationen bei Wikipedia [1].
  2. Die Familie Ganzhorn in Würzburg gehörte spätestens seit dem 16. Jahrhundert zum Stadtpatriziat. So war z.B. Georg Ganzhorn im Jahre 1520 Mitglied des Würzburger Stadtrats und Stadtbaumeister. Ein Neffe des Hieronymus Ganzhorn, Dr. jur. Johann Wilhelm Ganzhorn, wurde Dekan des Stifts Neumünster.
  3. Ein Kanonikat ist das Amt eines Kanonikers oder Chorherrn in einem Domkapitel oder in einem Stiftskapitel, das meist mit einer Pfründe verbunden ist.
  4. Der Scholaster von Neumünster hatte das Besetzungsrecht für die Vikarie 10.000 Märtyrer und führte die Aufsicht über das Schulwesen des Stifts.
  5. Die Chronik von Hopferstadt „Hopferstadt - Ein Dorf im Ochsenfurter Gau“ kann über das Pfarrbüro der Pfarreiengemeinschaft Tückelhausen käuflich erworben werden.