Heizkraftwerk

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Heizkraftwerk
Hafentreppe hinter dem Heizkraftwerk
Heizkraftwerk
Kulturspeicher und Heizkraftwerk bei Nacht

Das Heizkraftwerk Würzburg (HKW) erzeugt seit 1954 an der Friedensbrücke am Alten Hafen Strom und Fernwärme. Nach Angaben des Betreibers können gegenwärtig bis zu 85% des in der Region Würzburg abgesetzten Stroms und 90% der Fernwärme in der Anlage erzeugt werden (10% erzeugt das Müllheizkraftwerk). Es handelt sich somit um das drittgrößte kommunale Kraftwerk in Bayern. [1]

Geschichte[Bearbeiten]

  • 1954 wurde aus der Not der Nachkriegszeit heraus das HKW stadtnah am Alten Hafen als reines Kohlekraftwerk in Betrieb genommen: Am 11. November 1954 entzündete die Kriegswaise Gertraud Hartzke das erste Feuer im Kessel I. Aufgrund seiner Nähe eignete sich der Main besonders für die Kohle-Anlieferung mit Binnenschiffen. Zusätzlich konnte Kühlwasser entnommen werden. Die erste Ausbaustufe umfasste zwei Kessel mit zwei Schlöten und sorgte für eine Verkleinerung des Hafenbeckens.
  • 1965 wurde im Zuge der zweiten Ausbaustufe ein dritter Ofen in Betrieb genommen. Auf dem Dach des Kraftwerks befanden sich danach drei Schlote. [2] Im Volksmund wurde das Kraftwerk teilweise „Panzerkreuzer Emden“ genannt.
  • Mit einem neuen, 105 Meter hohen Schornstein statt der drei kleineren Schlote prägte das Kraftwerk seit 1967/1968 das Stadtbild.
  • 1987 wurden das Kraftwerk und sein Schornstein durch Friedrich Ernst farblich umgestaltet: Gelbliche Farben und eine neue Farbordnung sollten dem Heizkraftwerk ein frischeres, sonnigeres Aussehen geben.
  • Von 2003 bis 2009 gab es umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen:
    • Der symbolische erste Spatenstich für die Modernisierung erfolgte am 18. September 2003. Zunächst wurde an der Stelle des offenen Kohlelagerplatzes eine Gas- und Dampfturbinen-Anlage (GuD I) mit nach Norden hin anschließenden Umspannwerk errichtet und die Hafentreppe gebaut. Die letzte Kohlelieferung per Schiff erfolgte am 2. August 2003. 55 Millionen Euro kostete die GuD-Anlage der Firma Siemens, die im Juni 2004 am Werk eintraf und, mit Erdgas betrieben, 2005 den Betrieb aufnahm.
  • Im Sommer 2004 wurden die heutigen drei Kamine mit einer Höhe von 70 Metern errichtet. Im Anschluss wurde der große Schlot Stück für Stück abgetragen - eine Sprengung war nicht möglich.
  • Mit den Modernisierungsmaßnahmen wurde das HKW 2006 einer Schönheitskur unterzogen - die komplette Anlage wurde durch die Architekten Brückner & Brückner umgestaltet - dafür gab es den Architekturpreis „Best Architects 2008 in Gold“. Auch in der Bevölkerung fand das HKW mit der neuen Außengestaltung und der Hafentreppe, nicht zuletzt auch aufgrund von Veranstaltungen wie dem Hafensommer, eine größere Akzeptanz.
  • Im August 2007 begann der zweite Modernisierungsabschnitt: Der Kohleblock II wurde zur Gas- und Dampfturbinen-Anlage II (GuD II) umgebaut. 2009 wurde die GuD II in Betrieb genommen - diese wird ebenfalls mit Erdgas betrieben.
  • Von Oktober 2010 bis August 2011 wurde eine Umformstation (UFO) im nordöstlichen Gebäudetrakt (ehemals Entschwefelungs- und Entstaubungsanlagen der Kohlekesselanlagen) montiert. Dadurch wird das Würzburger Fernwärmenetz von Dampf auf Heißwasser umgestellt.
  • In der Jahresbilanz 2011 wurde bekanntgegeben, dass der Betrieb des HKW defizitär ist. Grund war vor allem das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG, nach welchem vorrangig Strom aus regenerativen Energien eingespeist werden muss. [3] Seit 2011 wird in Würzburg außerdem das Fernwärmenetz zur Effizienzsteigerung von Wasserdampf auf Heißwasser umgestellt.

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Zwei Gas- und Dampfturbinen-Anlagen (GuD-Anlagen), Kessel III mit Heizölbrenner als Kaltreserve
  • Gesamtleistung: 125 Megawatt (elektrisch) / 425 Megawatt (thermisch)
  • Brennstoffausnutzungsgrad: Laut Betreiber über 80%
  • Gewicht pro GuD-Anlage: 150 Tonnen
  • Höhe der drei Schlote: Je 70 Meter
  • Umformstation (UFO) aus vier Wärmetauscheranlagen mit je 30 Megawatt thermische Wärmeleistung
  • Für die thermische Absicherung und die Spitzenlastdeckung in den Wintermonaten gibt es drei weitere Kraftwerke im Stadtgebiet - die Überwachung erfolgt per Fernwartung über das Heizkraftwerk: Heizwerk Sanderau zwischen Sandermare und Studentenwohnheim, Heizwerk Elferweg am Elferweg 11 und Blockheizkraftwerk in der Berner Straße 12.

Würzburger Spargel[Bearbeiten]

Der von 1967 bis 2004 das Stadtbild prägende, 105 Meter hohe Einzelschornstein wurde im Volksmund als Würzburger Spargel bezeichnet. Die Spitze des Schlotes war bis dahin ungefähr auf gleicher Höhe wie die Festung Marienberg. Da dieser nicht gesprengt werden konnte, wurde er von innen Stück für Stück abgetragen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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