Hauptsynagoge

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Die 1841 errichtete Hauptsynagoge war bis 1940 Sitz des Rabbinat Würzburg.

Geschichte der mittelalterlichen Synagoge[Bearbeiten]

Während des 12. Jahrhunderts entstand ein jüdische Wohngebiet im Bereich des heutigen Marktplatzes und der Schustergasse. Eine 1170 erstmals erwähnte, vermutlich bereits seit 1147 bestehende Synagoge stand auf dem Platz der heutigen Marienkapelle. Im 13. Jahrhunderts gab es wahrscheinlich mehrere Synagogen oder Beträume, da zur Gemeinde gegen Ende dieses Jahrhunderts über 800 Personen gehörten. Bei der Verfolgung durch den „Ritter Rintfleisch“ wurden am 23. Juli 1298 über 900 jüdische Menschen grausam ermordet. In Zusammenhang mit der Judenverfolgung in der Pestzeit wurde die Synagoge am 21. April 1349 bei einem Brand zerstört.

Geschichte der Hauptsynagoge[Bearbeiten]

Nachdem es im Königreich Bayern seit 1803 beziehungsweise nach 1808 jüdischen Personen beziehungsweise Familien unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich war, sich in Würzburg niederzulassen, bemühten sich diese darum, in der Stadt religiös-jüdisches Leben möglich zu machen. Bis zur Errichtung einer Gemeindesynagoge bestanden sieben private Beträume in den Häusern reicher und angesehener Familien. Die Regierung von Unterfranken verordnete am 29. November 1828 den in der Stadt lebenden Juden, ihre Privatsynagogen aufzugeben und in Zusammenhang mit der Bildung einer Kultusgemeinde eine gemeinsame Synagoge zu errichten. Per Inserat im März 1831 wurden durch Löw Frank und Faust Hirsch für die „Israelitische Kultus-Gemeinde“ dementsprechende Räumlichkeiten gesucht [1] und im selben Jahr wurde ein Saal über den Stallungen des Bauers Joseph Endres in der Ursulinergasse 8 angemietet, die sog. alte Synagoge. 1834 konnten elf wohlhabende Juden aus Würzburg einen Teil des „Hof Zum großen Fresser in der Domerschulstraße Ecke Kettengasse für 9.050 Gulden erwerben. Die Käufer überließen das Grundstück der jüdischen Gemeinde der Stadt zum Bau einer Synagoge. 1837 wurde der Neubau nach den Plänen des Münchner Architekten Friedrich von Gärtner in „ägyptischem Baustil“ errichtet und am 10. September 1841 feierlich eingeweiht. 1929 wurde die Synagoge durch den Architekten Kleinsteuber ausgebaut.

Zerstörung der Hauptsynagoge[Bearbeiten]

Gedenkstein am ehemaligen Standort

Beim Novemberpogrom am 9. November 1938 wurde die Hauptsynagoge durch SS- und SA-Männer überfallen und Fenster und die Inneneinrichtung zerschlagen, Leuchter und Ritualien zerstört. Nach dem Pogrom wurde im Synagogengebäude ein Parteibüro der NSDAP eingerichtet. Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 sind die ehemaligen Gebäude der jüdischen Gemeinde, darunter das Synagogengebäude und das frühere Gemeindehaus vernichtet worden.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

1956 wurde das Gelände zur Anlage eines Sportplatzes des Priesterseminars genutzt. An der umgebenden Mauer wurde 1964 eine Gedenktafel für die ehemalige Hauptsynagoge angebracht. 1998 kam nach schwierigen Verhandlungen das Grundstück der früheren Hauptsynagoge wieder in Besitz der Jüdischen Gemeinde, mit dem Ziel, langfristig dort wieder eine Synagoge zu errichten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Remembrance and Encounter. Biographical Traces of Würzburg Jewry on the Occasion of the Visit of Former Jewish Citizens in Würzburg, 16 to 23 April 2012, ed. by the Johanna Stahl Center for Jewish History and Culture in Lower Franconia and the Stolperstein Initiative Würzburg, Würzburg 2012, S. 15-20, dt. Originalfassung.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Intelligenzblatt für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern (14. März 1831), Würzburg: C. A. Bonitas'sche Buchdruckerei, Nr. 31 (Anhang), Sp. 704, und Nr. 33 (Anhang), Sp. 775 f.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Ehemaliger Standort
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