Geschichte der jüdischen Gemeinde Goßmannsdorf

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Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Goßmannsdorf geht in das 16./17. Jahrhundert zurück.

Zuordnung

Die jüdische Gemeinde gehörte zum Distriktrabbinat Kitzingen. Die Verstorbenen wurden auf dem Jüdischen Friedhof Allersheim beigesetzt.

Geschichte

Von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert

Die älteste bekannte Erwähnung Goßmannsdorfer Juden geht zurück auf das Jahr 1510, als das Würzburger Domkapitel den Bürgern von Ochsenfurt untersagte mit Goßmannsdorfer Juden Geschäfte zu tätigen und Handel zu treiben. 1655 gab es sechs jüdische Familien am Ort, dazu ein Schulmeister mit seiner Frau. Mehrere der Familien waren aus Eibelstadt zugezogen, denen das Würzburger Domkapitel 1653 das dortige Aufenthaltsrecht gekündigt hatte. Zwischen 1694 und 1715 wurden von der fürstbischöflichen Behörde insgesamt 12 Schutzbriefe [1] für jüdische Personen und Familien ausgestellt. 1714 sollte die Zahl der damals ortsansässigen zwölf jüdischen Haushalte künftig auf neun reduziert werden. Die jüdischen Familien lebten vom Vieh- und Pferdehandel sowie vom Handel mit Waren und Landesprodukten.

Für die Anzahl der am Ort lebenden jüdischen Familien galt im 18. Jahrhundert zunächst die Bestimmung von 1715, dass die Zahl der Familien auf neun begrenzt bleiben sollte. Nach 1737 wurden jedoch weitere Familien aufgenommen, sodass 1756 fünfzehn jüdische Haushaltungen gezählt wurden. Eine neue Dorfordnung von 1762 legte die Zahl der Familien auf höchstens fünfzehn fest, wobei es bis Anfang des 19. Jahrhunderts geblieben ist. Zuständig für die religiösen Belange in Streitfällen und besonderen Angelegenheiten waren nach einer Abmachung von 1766 drei im Turnus wechselnde Rabbiner aus den verschiedenen Herrschaften, vor allem die Rabbiner aus Heidingsfeld und Mainbernheim.

1764 erteilten die Ortsherrschaften der Zobel von Giebelstadt und Darstadt, Geyer von Giebelstadt und das Domkapitel die Genehmigung zum Bau einer Synagoge. Die feierliche Einweihung der Synagoge mit Umzug der Torarollen vom bisherigen Betsaal in die neue Synagoge war am 17. August 1765.

Gleichstellung der Juden im 19. Jahrhundert

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde immer deutlicher, dass die Lebensumstände für die Juden verbessert werden mussten. Die Regierung ging davon aus, dass die Juden „zu nützlichen Staatsbürgern herangebildet“ werden müssen und verabschiedete am 10. Juni 1813 ein Gesetz („Judenedikt“ [2]), das die Juden davon befreite, einen Schutzbrief haben zu müssen. Gleichzeitig aber schrieb es die Zahl der Juden an einem Ort auf dem Iststand fest, der in einem sogenannten „Judenmatrikel“ festgehalten wurde. Nur wer einen „Matrikelplatz“ hatte, durfte eine Familie gründen. Dies zwang viele Söhne und Töchter, auch Goßmannsdorfer Juden, die Heimat zu verlassen, um sich entweder an anderen Orten oder im Ausland (v.a. Amerika) niederzulassen. Bei gleichbleibender Einwohnerzahl (ca. 700) verringerte sich so die Zahl der jüdischen Bürger Goßmannsdorfs von 75 (9,7% der Dorfbevölkerung) im Jahr 1867 auf 62 (8,6%) im Jahr 1880.

Jüdisches Leben und Ende im 20. Jahrhundert

1925 wurden noch zwölf jüdische Einwohner im Ort gezählt wurden (1,5% von insgesamt 771). 1933 lebten nur noch sieben jüdische Einwohner in Goßmannsdorf (0,9 % von 781). Zwei von ihnen zogen in den folgenden Jahren weg (1939 nur noch fünf jüdische Einwohner), weitere drei bis zum Beginn der Deportationen.

Beim Novemberpogrom 1938 kamen SA- und SS-Leute aus Ochsenfurt, brachen die Häuser der jüdischen Familien sowie die Synagoge auf und verwüsteten die Inneneinrichtungen völlig. Seligmann Lind und Max Mayer (Sohn des Jakob Mayer) wurden verhaftet, nach Ochsenfurt mitgenommen und inhaftiert. Der letzte Gemeindevorsteher Jakob Mayer, der einen Schnittwarenladen innehatte, musste im Oktober 1939 sein Haus in Goßmannsdorf verkaufen und verzog im März 1940 mit seiner Frau Klara geb. Saalheimer in das Altersheim nach Würzburg und wurden von hier im September 1942 deportiert. Die letzten beiden - Seligmann Lind und Gisela Lind geb. Adler - wurden am 21. März 1942 aus Goßmannsdorf deportiert und am 24. März nach Izbica bei Lublin verschleppt. Vom Durchgangslager Izbica kamen sie sofort in das Vernichtungslager Majdanek, wo sie ermordet wurden.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Erich Weiß: Goßmannsdorf - Geschichte und Geschichten eines mainfränkischen Ortes. Goßmannsdorf 2019, S. 217 ff.

Weblinks

Erläuterungen und Hinweise

  1. Mit dem Schutzbrief erhielten die Juden die Erlaubnis zum Handel, während ihnen Handwerk und Landwirtschaft verboten waren. Daher konnten sie sich nur durch Hausieren zu ernähren versuchen oder den Viehhandel und Kreditgeschäfte betreiben (den Christen war das Zinsnehmen durch die Kirche verboten).
  2. haGalil.com: „Die Bayerische Judengesetzgebung von 1813“