Faribault

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Stadtzentrum von Faribault

Faribault im US-Bundesstaat Minnesota übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg eine Patenschaft für Würzburg und unterstützte die Menschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit notwendigen Gütern. Es entstand die erste offizielle internationale Städteverbindung Würzburgs.

Lage und Bedeutung[Bearbeiten]

Die 1852 gegründete Stadt Faribault ist Verwaltungssitz des Rice County und zählte im Jahr 2010 23.352 Einwohner. [1] Faribault liegt im südlichen Teil des US-Bundesstaates Minnesota im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, rund 74 Kilometer südlich der Zwillingsstädte Minneapolis und St. Paul.

Entstehung der Patenschaft[Bearbeiten]

Bürgermeister Georg Sittig nimmt am 28. April 1949 die Partnerschaftsurkunde der Stadt Faribault von Dorothy Beebe entgegen.
Adoptions-Urkunde, 1949
Dank-Urkunde, 1949

Dorothy Beebe, Ehefrau des Befehlshabers (1948-50) des Würzburger US-Militärstützpunkts und Präsidentin des Amerikanischen Frauenclubs in Würzburg, war von den schlimmen Lebensumständen in der so stark zerstörten Stadt tief erschüttert. Sie verfasste im Spätsommer 1948 einen ersten Brief mit Bitte um Hilfsgüter an eine Freundin in Faribault, wo sie einige Jahre mit ihrem Mann gelebt hatte. Darin hieß es u.a.: „Es ist keine Übertreibung, wenn euch erzählt wird, daß die Kinder an bitterkalten Wintertagen durch die schneebedeckten Straßen gehen ohne Strümpfe und mit Holzsandalen. Ich habe es gesehen! Die Kinder leben mit ihren Eltern in feuchten, kalten Kellern, manchmal zehn Personen in einem Zimmer.“ Weitere Frauen des Clubs folgten dem Beispiel von Mrs. Beebe.

Hilfsgüter trafen schon bald aus vielen US-Städten und Bundesstaaten in Würzburg ein, die Hälfte davon aus Faribault. Die Kleidungsstücke, Schuhe, Lebensmittel, Spielsachen, Bücher etc. wurden am amerikanischen Hospital sortiert, teils ausgebessert und entsprechend der konkreten Hilfsanforderungen verpackt und abgegeben. Bis Ende Januar waren bereits über 500 Pakete mit Spenden aus den USA in Würzburg eingetroffen. Rund 800 Würzburger (Bewohner der Stadt und der Flüchtlingslager sowie Außenbürger) waren dadurch u.a. schon mit Winterkleidung versorgt worden.

In Faribault erschien ein offener Brief in der Lokalzeitung Daily News, durch den viele Einwohner auf die dramatische Situation der Würzburger aufmerksam wurden. So entwickelte sich durch das engagierte Zusammenwirken vieler lokaler Institutionen, Schulen, Vereine und Einzelpersonen in der Stadt eine gut organisierte Hilfsstruktur. Der Verein für ein besseres Faribault (Better Faribault Association) hatte besonderen Anteil an den Aktionen: Er erklärte sich bereit, alle Portokosten für die Hilfslieferungen nach Würzburg zu tragen. Schließlich entschloss sich Faribault, Würzburg zu adoptieren, also eine offizielle Verbindung zwischen den beiden Städten herzustellen. Diese sollte einerseits der materiellen Unterstützung der notleidenden Würzburger dienen, gleichermaßen aber auch den Aufbau von freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern, auch über die beiden Städte hinaus, fördern. Die Städtepatenschaft war die erste ihrer Art und regte viele weitere Städte an, ähnliche freundschaftliche Verbindungen einzugehen.

Am 28. April 1949 überreichten die Städte Faribault und Würzburg im Hofgarten feierlich und unter reger Anteilnahme der Würzburger die Patenschafts-Urkunden. Mr. Herman Frankel von der Militärregierung für Unterfranken erklärte den „goldenen Frieden“ als Ziel dieser Städteverbindung; die „Kluft, die der Krieg zwischen den Völkern aufgerissen hat“, solle fortan „durch ein festes Band des Verstehens überbrückt“ werden. [2]

Der Wortlaut der amerikanischen Urkunde lautet in der deutschen Übersetzung wie folgt:

„In Anbetracht dessen, daß die freundlichen Bürger von Fatibault, Minnesota, ihre Bereitwilligkeit erklärt haben, den leidgetroffenen und unglücklichen Einwohnern von Würzburg, Deutschland, zu helfen, ... und da die Better Faribault Assiciation, Fauribaults größte Bürgervereinigung, alle Hilfslieferungen möglich gemacht hat, indem sie die Geldmittel für ihre Übersendung bereitstellte ... deshalb erklären wir, Emil Peterson, Bürgermeister von Faribault, und Arnold V. Stockey, Sekretär der Better Faribault Association, gemeinsam die Adoption von Würzburg, Deutschland, durch die Bürger von Faribault, Minnesota, USA. Unterzeichnet am 28. April 1949. gez. Emil Peterson A.V. Stockey.“

Würzburg antwortete mit dieser Dankesurkunde:

„Mit dem heutigen Tag übernimmt die Stadt Faribault die Patenschaft über die am 16. März 1945 so hart getroffene Stadt Würzburg. Durch diese edle, menschenfreundliche Tat und durch alle Hilfe, welche Würzburg von seiner Patenstadt bereits erfahren hat und in Zukunft noch erhalten mag, wird Not gemindert und der Lebensmut in den Herzen der Bewohner der einst so herrlichen Stadt gemehrt werden. Die heute feierlich besiegelte Verbindung zwischen Faribault und Würzburg wird dazu beitragen, die Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland enger zu knüpfen. Würzburg, 28. April 1949. Stadtrat: Sittig, Bürgermeister.“ [3]

Wiederaufleben der Beziehungen[Bearbeiten]

Mit dem Fortgang des Wiederaufbaus und mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Würzburg ging das Interesse an der Partnerschaft zurück. Aber es gab von beiden Seiten Initiativen zur Wiederbelebung, so dass bis heute gute Verbindungen bestehen.

Die Bereitschaftsarmee von Faribault hatte seinerzeit aktiv an der Hilfsaktion teilgenommen und diese in einem Album dokumentiert. Dieses wurde 1987 wieder entdeckt und die Informationen an die örtliche Deutschlehrerin Vicki Swedeen weitergereicht. Sie konnte im Zuge einer Deutschlandreise wieder Kontakte nach Würzburg knüpfen.

1999 ging ein neuer Impuls von Willi Dürrnagel aus. Zum 50jährigen Bestehen initiierte er die Einladung einer Delegation aus Faribault nach Würzburg. Die Gäste waren von Würzburg und seinen Bürgern so beeindruckt, dass sie die Freundschaft zwischen beiden Städten erneuerten. Auch bei der 1300Jahr-Feier Würzburgs 2004 nahmen Gäste aus Faribault teil, darunter auch Jack Beebe, der Sohn von Dorothy und Lewis C. Beebe. [4]

Schüleraustausch[Bearbeiten]

Seit 1988 pflegte das Schönborn-Gymnasium eine Schulpartnerschaft mit der Faribault Senior High School. 1993 startete die Jakob-Stoll-Realschule eine Kooperation mit der Faribault Heigh School. Heute wird der Schüleraustausch vom Dag-Hammarskjöld-Gymnasium und dem Gymnasium Veitshöchheim fortgeführt. Alle zwei Jahre lernen Schülerinnen und Schüler das Partnerland im persönlichen Kontakt kennen. 2018 wurde die deutsche Austauschgruppe sogar als Ehrenbürger Faribaults gewürdigt, was der besonderen Bedeutung dieses Miteinanders Ausdruck gibt. [5]

Ratsbecher[Bearbeiten]

  • Die Stadt Würzburg ehrte Dorothy Beebe 1949 durch die Überreichung eines Würzburger Ratsbechers. Sohn John überließ diesen 1999 unter starker emotionaler Anteilnahme dem Mainfränkischen Museum. [6]

Straßenbenennung[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Pressespiegel[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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