Engelbert Eberhard

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P. Engelbert Eberhard OSA

P. Dr. Engelbert Eberhard OSA (* 23. März 1893 in Rhumspringe/Eichsfeld; † 20. Oktober 1958 in Würzburg) war Augustinerpater und für die Entwicklung der Kongregation der Ritaschwestern von großer Bedeutung.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

P. Engelbert wurde am 23. März 1893 im Dorf Rhumspringe im Untereichsfeld (Landkreis Göttingen) als Sohn des Ehepaars Gustav und Amalie Eberhard geboren und auf den Namen (Franz) Gustav getauft. Die Familie hatte eine kleine Landwirtschaft, der Vater zog als Handelsmann, als Hausierer von Haus zu Haus, um seine Kurzwaren zu verkaufen.

Der sehr begabte Junge ging in die katholische Volksschule in Rhumspringe und anschließend auf das humanistische Gymnasium in Münnerstadt (Unterfranken). Über die gymnasiale Ausbildung kam Gustav mit den Augustinern in Kontakt. Noch vor dem Abitur entschied sich Gustav für den Augustinerorden, indem er sich als Oblate mit dem Ordenskleid der Augustiner einkleiden ließ und den Namen Fr. Engelbert erhielt. Sein Abitur legte er am 14. Juli 1914 ab. Sein einjähriges Noviziat im Kloster Münnerstadt schloss er mit der einfachen Profess am 5. Oktober 1915 ab.

Umzug nach Würzburg[Bearbeiten]

Nach dem Noviziat zog Fr. Engelbert von Münnerstadt in das Augustinerkloster nach Würzburg, um Philosophie und Theologie an der Julius-Maximilians-Universität zu studieren. Die Priesterweihe empfing er am 1. September 1918 in der Kirche zum guten Hirten, heute St. Michael, durch Bischof Ferdinand von Schlör.

Entgegen seinem Wunsch, in der der praktischen Seelsorge eingesetzt zu werden, hatten seine Vorgesetzten P. Engelbert für eine gymnasiale Laufbahn vorgesehen, da sie Lehrer für das Gymnasium in Münnerstadt brauchten. P. Engelbert kam ihrem Wunsche nach und schrieb sich im Wintersemester 1918/19 für das Studium der Philologie an der Universität Würzburg ein. Die Fächer waren Griechisch, Latein, Deutsch und Geschichte.

Im Kontakt mit den studentischen Bundesbrüdern nahm er ihre Not war und suchte sie zu beheben. 1921 stellte er den in der Residenz untergebrachten Ritaschwestern seinen Hilfsplan vor und arbeitete dann erstmalig im Südflügel der Residenz mit ihnen zusammen. Hier bot er für etwa 30 bedürftige Studenten eine Speisung an. Das notwendige Geld für die Bezahlung der Nahrungsmittel hatte er zusammengebettelt und ließ das Essen von den Ritaschwestern zubereiten.

P Engelbert beendete sein Studium der Philologie am 26. Februar 1923 mit der Promotion zum Dr. phil. und im gleichen Jahr 1923 mit dem philologischen Staatsexamen. Danach hätte für ihn eigentlich das Referendariat folgen müssen, jedoch hatte der Provinzial [1] P. Clemens Fuhl wegen der angespannten Finanzlage der deutschen Provinz andere Pläne mit P. Engelbert vor.

Zur Linderung der finanziellen Notlage der deutschen Augustinerprovinz hatte P. Clemens mit dem Provinzial der amerikanische Provinz eine Vereinbarung getroffen, dass entsprechend ausgebildete deutsche Augustiner am Villanova College in der Nähe von Philadelphia, PA, USA, lehren sollten. Das verdiente Geld würde nach Deutschland überwiesen. Der Ausfall einer Lehrkraft in Villanova veranlasste P. Clemens als Ersatz für diese Aufgabe P. Engelbert auszuwählen.

Allerdings wollte P. Clemens für P. Engelbert die schulische Laufbahn in Deutschland offen halten. Er wandte sich deshalb an das Ministerium in München und holte die Erlaubnis ein, dass das praktische Jahr für P. Engelbert verschoben und das Referendariat zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden konnte.

Aufenthalt in Amerika[Bearbeiten]

Am 14. November 1923 reiste P. Engelbert nach Nordamerika ab. Seine Aufgabe war es in Amerika einen Stützpunkt aufzubauen, durch den der deutschen Provinz nachhaltig geholfen werden konnte. P. Engelbert sah und erlebte den Unterschied zwischen der Gestaltung des klösterlichen Lebens in der deutschen Provinz und in der amerikanischen. Er hielt es für angemessen, dass die nach Amerika kommenden Augustiner ihr Klosterleben nach ihrer gewohnten Weise fortsetzen sollten. Deshalb drängte er P. Clemens zu einem Besuch in Amerika. Dabei erkannte P. Clemens, dass P. Engelbert mit seiner Forderung nach einem eigenen Kloster Recht hatte. Auf Dauer konnten die deutschen Augustiner nicht als Gäste bei den Amerikanern leben, da sich zu viele Reibungspunkte einstellten. Sie konnten auch nicht die ihnen gewohnte klösterliche Lebensweise aufrecht erhalten. Im Staate Wisconsin [2] in der Erzdiözese Milwaukee erwarben sie ein Grundstück und erlangten die Erlaubnis für die Gründung eines Klosters mit einer Pfarrei. Die Einweihung ihres Hauses fand am 29. August 1925 statt.

P. Clemens honorierte P. Engelbert’s Leistungen dadurch, dass er ihn 1925 zum Provinzvikar für die deutschen Augustiner in Amerika ernannte. Da sich die Anzahl der in Amerika weilenden Augustiner erhöht hatte, war es angebracht, ihnen auch eine organisatorische Form eines Konvents [3] zu geben. Zum Prior dieses Konvents wurde ebenfalls P. Engelbert bestimmt.

Eine weitere Veränderung brachte das Jahr 1927. Im Juli dieses Jahres feierte die deutsche Ordensprovinz ihr Provinzkapitel im Konvent St. Augustin in Würzburg, an dem auch P. Engelbert als Prior des Konvents in Amerika teilnehmen musste. P. Clemens wurde als Provinzial wiedergewählt und P. Engelbert zum vierten Definitor [4] bestimmt. Er war damit offizieller Berater des Provinzials, blieb aber in Amerika; allerdings nicht mehr als Prior.

Aus Gesprächen mit P. Clemens wusste P. Engelbert, dass er sich mit dem Gedanken trug, auf sein Provinzialsamt in Deutschland zu verzichten und als Provinzkommissar in Amerika tätig zu werden. Er riet ihm aber dringend davon ab, da P. Engelbert keine Möglichkeit sah, dass P. Clemens in Amerika arbeiten könnte. Jedoch fand P. Clemens einen Weg, seine Pläne zu verwirklichen. Er hatte nicht vergessen, dass P. Engelbert sein praktisches Jahr noch durchführen musste und rief P. Engelbert deshalb aus Amerika zurück.

Rückkehr nach Würzburg[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1929 begann am Alten Gymnasium sein Seminar. Noch im gleichen Jahr dankte P. Clemens als Provinzial ab. Dies war ein noch nie dagewesenes Ereignis in der deutschen Provinz. Es war aber auch heutiger Sicht ein guter Schritt, da P. Engelbert die finanziellen Problem leichter tragen und lösen konnte als P. Clemens, dem sie ungeheuer zusetzten. Als weiteren Grund für seinen Schritt hatte P. Clemens auch angegeben, dass er auf dem nächsten Provinzkapitel nicht wieder gewählt werden könne. Es sei deshalb angebracht, dass sich ein jüngerer Pater in die Problematik der Leitung der Provinz einarbeite, um dann nach seiner Wahl mit der Arbeit gleich beginnen zu können.

Ernennung zum Rector Provincialis[Bearbeiten]

Nach dem Rücktritt ernannte P. General Eustasius Esteban (1860-1945) den P. Engelbert am 1. Dezember 1929 zum Rector Provinzialis. Mit der Übernahme der Verantwortung für die deutsche Provinz durch P. Engelbert gehörten auch die Ritaschwestern zu seinem Verantwortungsbereich. P. Clemens hatte ihm diese Aufgabe dringend empfohlen. P. Engelbert zitiert ihn mit diesen Worten: „Nehmen Sie sich der Ritaschwestern tatkräftig an. Es ist unsere Pflicht, denn wir haben viel an ihnen gesündigt.“ Er bezog sich mit diesen Worten nicht auf irgendwelche moralischen Verfehlungen, sondern auf die Ungeschicklichkeiten und Nachlässigkeiten von Augustinern, welche die Schwesternschaft an den Rand des Untergangs gebracht hatten.

P. Engelbert als Provinzial[Bearbeiten]

Einkleidungs- und Professfeier für 10 Ritaschwestern am 22. Mai 1936 mit Bischof Matthias Ehrenfried und P. Engelbert Eberhard OSA
Das Mutterhaus der Ritaschwestern in der Südtiroler Straße (heute Friedrich-Spee-Straße) 1936 (Ansicht Gartenseite)

Mit der Wahl P. Engelberts zum Provinzial im Juli 1930 auf dem Provinzkapitel hatten die Ritaschwestern jemand, der ihre Bedürfnisse nachempfinden konnte. Er hatte in Amerika erfahren, dass ein eigenes Haus für das klösterliche Leben notwendig ist. Zusammen mit den Ritaschwestern gelang es ihm, in der Ludwigstraße in Würzburg ein Haus zu kaufen und zu einem ersten Mutterhaus umzubauen und einzurichten. Dies hatte zur Folge, dass die Ritaschwestern die angemieteten Räume in der Residenz aufgeben konnten, in denen sie mehr schlecht als recht wohnten.

Die politischen Verhältnisse in Deutschland brachten es mit sich, dass die Mitbrüder P. Engelbert immer wieder zum Provinzial wählten. Er hatte seine Erfahrungen im Umgang mit dem Nazi-Regime gesammelt und überlegt gehandelt. Während dieser Zeit blieb er auch Direktor der Ritaschwestern. Unter seiner Leitung wurde an der Südtiroler Straße 32 (heute Friedrich-Spee-Straße) ein Grundstück erworben werden, auf dem von 1935 bis 1936 das neue Mutterhaus gebaut wurde. Es sollte das Zentrum für die Ritaschwestern sein.

Blickt man auf die Leistungen, die P. Engelbert auch für die Ritaschwestern erbrachte, könnte man meinen, dass er ganz in der Planung von Gebäuden, in der Beschaffung von Geld und der reibungslosen Organisation der Lebensabläufe aufgegangen sei. Ein solches Urteil übersieht aber sein Nachdenken über die Verwirklichung der Regel des hl. Augustinus und deren Umsetzung. Diese suchte er den Ritaschwestern zu vermitteln.

Generalprior des Augustinerordens[Bearbeiten]

Der Zusammenarbeit mit den Ritaschwestern konnte er sich bis 1953 widmen. In diesem Jahr wurde er zum Generalprior des Augustinerordens gewählt.

Während seines Generalats gab er dem Orden wichtige Impulse. Genannt seien die Wiedererrichtung des Internationalen Kollegs St. Monica in Rom mit einem Studienangebot für Studenten aus allen Provinzen des Ordens. Die Einweihung der Kollegskapelle nahm er zum Anlass, die Provinzäle aus allen Provinzen zu Beratungen zusammenzurufen, um mit ihnen über eine aktive Zusammenarbeit der einzelnen Provinzen zu sprechen. Der Besuch aller Provinzen des Ordens blieb ihm versagt.

1957 erkrankte P. Engelbert. Er starb am 20. Oktober 1958 im Würzburger Augustinerkloster.

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Während des Philologiestudiums trat er im Jahre 1920 der Studentenverbindung K.St.V. Rheno-Frankonia.

Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zum Provinzial bei Wikipedia [1]
  2. Nähere Informationen zum Staat Wisconsin bei Wikipedia [2]
  3. Nähere Informationen zum Konvent bei Wikipedia [3]
  4. Nähere Informationen zum Definitorium bei Wikipedia [4]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Prof. em. P. Dr. Karl Willigis Eckermann OSA: P. Engelbert Eberhard OSA (1893-1958) - ein Lebensbild. in: Ritaschwestern. Hrsg.: Kongregation der Ritaschwestern, Würzburg 2011, S. 59 ff. (Mit freundlicher Genehmigung von Schwester M. Scholastika Dietrich OSA)
  • Willigis Eckermann OSA: Pater Engelbert Eberhard (1893-1958). Echter Verlag, Würzburg 2012