Kurie Vituli

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Hofportal der Kurie Vituli
Lage der Würzburger Domherrnhöfe (Stand 1823)

Die Kurie Vituli (auch: Zum Kalb [1], Kleintannenberg [2], Handwerkerhof [3]) war ein Domherrnhof in der Würzburger Altstadt.

Lage[Bearbeiten]

Die Kurie Vituli lag an der Südseite der Ebracher Gasse zwischen der Kurie Tannenberg und dem Ebracher Hof. In der Gasse gegenüber lag die Kurie Rödelsee, nach Süden grenzte der Garten der Kurie Heideck an den schmalen Gartenteil.

Die alte Bezeichnung war Distrikt III, Nr. 75 [4], heute umfasst das Grundstück die Ebracher Gasse 2.

Namensgeber[Bearbeiten]

Die Bezeichnung der Kurie Vituli mit einem Tiernamen erscheint zunächst ungewöhnlich, jedoch waren Tiernamen als Hofbezeichnungen in Würzburg durchaus üblich [5], nicht aber für Domherrnkurien gebräuchlich, welche fast ausschließlich die Namen von Adelsfamilien trugen. Bei der Hofbezeichnung Vituli könnte auch die Latinisierung des Wortes „Calw“ vorliegen. Mögliche Namensgeber könnten Eberhard und Benno Calvus (1182).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Hof gehörte einst dem Adelsgeschlecht der Voit von Rieneck und wird im Jahre 1251 erstmals urkundlich erwähnt. Domherr Franz Georg Faust von Stromberg erbaute im Jahre 1695 den Hof, wie er heute noch zu sehen ist. Sein Wappen befindet sich über dem Einfahrtstor und im Hof.

Der berühmteste unter den Bewohnern dieses Hofes war der Domherr und spätere Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal. Er war noch nicht einmal Priester, sondern erst Diakon, als die Wahl auf ihn fiel, und in diesem Haus bereitete er sich auf die Priesterweihe vor. Am 19. September 1779 wurde er zum Bischof geweiht und hielt dann seinen Einzug von der Kurie Vituli in die bischöfliche Residenz.

Nach der Säkularisation[Bearbeiten]

Nach der Säkularisation erwarb der ehemalige Besitzer, der Domherr Emmerich Karl Schütz von Holzhausen den Hof selbst und starb darin 1833. Danach wurde der Hof durch verschiedene Handwerksbetriebe genutzt, so vom Sattlermeister Stümmer, von dem er käuflich an den Wagenfabrikanten Adam Hofmann überging. Dessen Erben kaufte ihn der Schieferdeckermeister Loster und von dessen Witwe erwarb denselben der Metzgermeister August Eckstein, dessen Witwe ihn weiterhin bewohnte.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das Rundbogenportal mit Rustikagliederung und Akanthusbekrönung aus Sandstein wurde im Stil des Hochbarock gestaltet.

► Eine detaillierte Baubeschreibung der Kurie Vituli ist dem Buch von Jörg Lusin (siehe Abschnitt „Quellen und Literatur“) zu entnehmen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Der beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 zerstörte Komplex wurde nach dem Erwerb durch die Kongregation der Schwestern des Erlösers (1949) auf verändertem Grundriss wieder aufgebaut. Aus der Zeit um 1690 stammt nur noch das restaurierte und ergänzte Portal.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Hinweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Als deutsche Bedeutung des lateinischen Hofnamens.
  2. Monumenta Boica 44 Nr. 162 [1] „closterhoff tzum Kalbe den man nennet Cleynentanberg“ (16. Januar 1394)
  3. Wegen seiner weiteren Nutzung als Werkstatt verschiedener Handwerksbetriebe nach dem Tod des letzten Domherrn 1833.
  4. Uraufnahme im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  5. Siehe hierzu Hof- und Hausnamen.

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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