Agnetenkloster

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Das Agnetenkloster (Klarissenkloster bei St. Agnes) war ein Konvent der Clarissen vom Mitte des 13. bis Mitte des 16. Jahrhunderts in Würzburg.

Clarissenorden[Bearbeiten]

Der Zweite Orden des hl. Franziskus, der Orden der Klarissen (Ordenskürzel OSC), wurde von Franziskus und der heiligen Klara von Assisi (1193–1253) gegründet. Franziskus schrieb für die Gemeinschaft, deren Äbtissin Klara seit 1215 war, eine kurze Regel, die strenge Klausur und vollkommene Armut nahezu ohne Besitz und Einkünfte verlangte. [1] Die Heilige Agnes von Böhmen (1211–1282) hatte einige Klöster dieses Ordens gegründet. [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Am Standort der Michaelskirche des Priesterseminars wurde bereits 1160 eine Beginenklause gegründet. Für das frühe 13. Jahrhundert ist hier das Bestehen einer Agneskapelle belegt. Unter Bischof Hermann I. von Lobdeburg (1225-1254), welcher mehrere Klostergründungen vornahm, wurde diese Gebetsstätte 1230 (noch zu Lebzeiten des Hl. Franziskus) dem franziskanischen Orden der Klarissen zur Verfügung gestellt, die hier 1250 ihr Kloster St. Agnes errichteten.

Ab 1254 wurde das Kloster dem Damiansorden einverleibt und die Würzburger Minoriten übernahmen die Seelsorge und die Betreuung des Vermögens. 1263 wurde der Damiansorden in den Orden der hl. Klara umbenannt. Wichtig für das Kloster war, dass Papst Alexander IV. das Kloster 1257 von den Abgaben befreite und aus Interdikts- und Exkommunikationsverhängungen herausnahm. Die Klarissen kamen im weiteren Verlauf des 13. und 14. Jahrhunderts durch Schenkungen zu Wohlstand, der jedoch schnell zu schwinden begann.

Neubau des Klosters[Bearbeiten]

Diese geistliche Niederlassung wurde ab 1257, während der Regierung des Bischofs Iring von Reinstein-Homburg (1254-1265), samt Klosterkirche und Konventgebäude neu erbaut. Die Kirche hatte die Ausmaße von zwei Dritteln der heutigen Seminarkirche St. Michael. Aus dieser Zeit hat sich ein für dieses Kloster geschriebener Psalter (1250) erhalten. Die St. Agnes-Kirche wurde auch durch die Beginen genutzt, deren Bartholomäusklause seit 1151 im heutigen Hofgarten an der Balthasar-Neumann-Promenade lag. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde das Kloster mehrmals vergrößert und erweitert.

Ende des Agnetenklosters[Bearbeiten]

Verschuldung, Disziplinlosigkeit und sinkender Personalstand brachte den Niedergang des Klosters. In der Regierungszeit des Bischofs Friedrich von Wirsberg (1558-1573) wurde das Kloster der Klarissen im Jahr 1560 aufgelöst (1561 gründete Friedrich von Wirsberg am Ort des ehemaligen St.-Agnes-Klosters ein „Pädagogium“, das den Ursprung des späteren Wirsberg-Gymnasiums darstellt [3]), die Agneskapelle war bereits 1524 einem Brand zum Opfer gefallen. [4] Im Jahr 1564, mit der beginnenden Gegenreformation übergab der Bischof den Klosterkomplex den Jesuiten. 1765 bis 1798 wurde an Stelle der St. Agneskirche die Seminarkirche St. Michael errichtet.

Klostervorsteherinnen[Bearbeiten]

  • Gertrud, genannt 1285

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Erik Soder von Güldenstubbe: Historische Nachrichten über die Seminarkirche und ihre Vorgängerinnen, in: Hillenbrand, K. - Weigand, R. [Hrsg.]: Mit der Kirche auf dem Weg. 400 Jahre Priesterseminar Würzburg 1589-1989 (Würzburg 1989), 201-221
  • Württembergisches Band IX., Nr. 3436, Seite 18-19
  • Das Agneskloster in Würzburg 1151-1560. In: Georg Link: Klosterbuch der Diöcese Würzburg. Band II, Würzburg, 1876, S. 580. (Online-Fassung)
  • Ludwig K. Walter, Stifte und Orden in Würzburg, S. 13 Online-Fassung

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klarissenorden auf wikipedia.org
  2. Agnes von Böhmen auf wikipedia.org
  3. Max Buchner: Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg. Festschrift zum 350 jährigen Bestehen der Universität, Julius Springer Verlag, Berlin 1932, S. 12
  4. Ulrich Wagner: Brände im fürstbischöflichen Würzburg. Verlauf und Reaktionen. In: Stadt und Stadtverdeben. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2012. S. 131