Franz Ludwig von Erthal

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Franz Ludwig Karl Philipp Anton Freiherr von und zu Erthal-Elfershausen, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg
Franz Ludwig von Erthal. Nikolaus Treu, 1759
Grabmal für Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal im Würzburger Kiliansdom
20 Kreuzer-Münze von 1785

Franz Ludwig Freiherr von Erthal (* 16. September 1730 in Lohr am Main; † 14. Februar 1795 in Würzburg) war Fürstbischof von Würzburg und Bamberg. Er entstammte dem Geschlecht derer von und zu Erthal. Sein älterer Bruder Friedrich Karl Joseph von Erthal war vorletzter Kurfürst-Erzbischof des Erzstifts Mainz.

Studium und Karriere[Bearbeiten]

Erthal studierte Jura und Theologie in Mainz, Würzburg, Wien und Rom und trat danach in die Domkapitel von Würzburg und Bamberg ein. Er wurde 1763 von seinem Amtsvorgänger, dem damaligen Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, zum Präsidenten der weltlichen Regierung des Hochstifts Würzburg ernannt. Kaiser Joseph II. ernannte ihn 1768 zum Geheimen Reichsrat und zum Visitator des Reichskammergerichts in Wetzlar. 1776 wurde er kaiserlicher Kommissar auf dem Reichstag zu Regensburg.

Erthal als Bischof[Bearbeiten]

Von 1779 bis zu seinem Tode regierte er in Personalunion die Hochstifte Würzburg (ab 18. März 1779) und Bamberg (ab 12. April desselben Jahres) [1] Fürstbischof sehr umsichtig. Erthal regierte nach dem Grundsatz Alles für die Untertanen, aber alles durch den Fürsten. Er war von den Ideen der Aufklärung durchdrungen und förderte die Erziehung des Klerus. Die von Würzburger Kaufleuten als Bürgergarde bei offiziellen Anlässen paradieren Handlungs-Compagnie zu Pferde bezeichnete der Bischof als seine „Leibgarde“[2]. In Bamberg errichtete er das erste moderne Krankenhaus und führte eine erste öffentliche Sozialversicherung (eine Art Krankenkasse für Handwerker) ein. Die Universität in Bamberg bekam unter seiner Regierung einen Lehrstuhl für Veterinärmedizin. Er führte mehrere gesundheitspolitische Reformen zur Bekämpfung des Kurpfuschertums und zur Regulierung des Ärzte- und Hebammenwesens durch. [3] In Würzburg gab er im Rahmen seiner Reformbemühungen beispielsweise für das von ihm 1786 bis 1791 [4] modernisierte Juliusspital 1794 „Instruktionen für die Aufseher der Wahnsinnigen“ heraus, welche einen menschlicheren Umgang mit den Patienten der einige Jahre zuvor dort eingerichteten „Abteilung für heilbare und unheilbare Irre“ bewirken sollten. [5] Politisch war er loyal zum Haus Habsburg und hielt zu Kaiser Joseph II..

Mit Erthal und seiner allen Prunk verschmähenden Art waren die Tage einer glanzvollen Hofhaltung in der unter seinem Vorgänger endlich fertiggestellten und prächtigst ausgestatteten Residenz zu Ende und die unter seiner Regierung aufkommende frühklassizistische Architektur zeigte zunehmend ihre vergleichsweise nüchterne Gestaltungsweise. [6] Anders als Adam Friedrich von Seinsheim war Erthal kein Freund von weltlichen Vergnügungen, und bei Hofe gab es keine Jagden und Opernaufführungen mehr. Die Lotterie schaffte er ab, weil sie den Charakter verderbe, aus der Residenz ließ er Bilder entfernen und schloss das Hoftheater. Den Theaterfundus ließ er zugunsten eines Waisenhauses verkaufen. Diese Abwendung von höfischen Lustbarkeiten der Adelsgesellschaft ist laut Stahmer jedoch ein Zeichen für das zunehmend selbstbewusste Mitwirken des aufgeklärten Bürgertums am vordem vom Feudalismus geprägten Würzburger Musikleben, was sich auch an den (in Würzburg etwas verspätet aufkommenden), von Bürgern geschaffenen Einrichtungen zur Musikpflege zeigt, die im 18. Jahrhundert entstanden [7] Erthal wurde im Würzburger Kiliansdom bestattet.

Rektor der Universität[Bearbeiten]

1779 und 1782 bekleidete er das Amt des Rektors der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Stifter[Bearbeiten]

Gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger stiftete er die Landessanitätskasse Würzburg.

Wappen[Bearbeiten]

In der Vierung die Symbole für das Bistum Bamberg und das Bistum Würzburg, als Herzschild das Familienwappen der von Erthal.

Posthume Würdigung[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Leo Bambergicvs : Symbolicis Principum virorum Leonibus adumbratus, et ... Francisco S. R. I. Principi Bambergensi Et Herbipolensi Episcopo, Franciae Orientalis Dvci, &c. a Collegio Societatis Iesv Coloniensi, In faustae gratulationis, debitiq[ue] significationem obsequij, Dicatvs, Consecratvs. - Coloniae : Kempens, 1633. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hildegunde Flurschütz: Die Verwaltung des Hochstifts Würzburg unter Franz Ludwig von Erthal (1779-1795). Kommissionsverlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 1965
  • Renate Baumgärtel-Fleischmann (Hrsg.): Franz Ludwig von Erthal, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, 1779-1795. Diözesanmuseum Bamberg, 1995, ISBN 3931432009
  • Franz Xaver von Wegele: Franz Ludwig (Bischof von Würzburg und Bamberg). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 310–314
  • Johannes Kist: Erthal, Franz Ludwig von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, S. 371 f.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: ERTHAL, Franz Ludwig Freiherr von. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1. Bautz, Hamm 1975, Sp. 1540–1541
  • Dietrich Kerler: Erthal, Franz Ludwig von. In: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE). 3. Auflage. Band 5, Hinrichs, Leipzig 1898, S. 484–486

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Kist: Franz Ludwig Freiherr von Erthal, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 371 f. (Onlinefassung)
  2. Dieter Schäfer: Ein wirtschaftliches Zentrum seit tausend Jahren, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. von Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 382-395, S. 386
  3. Karlheinz Bartels: Die Würzburger Pharmakopöen, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 25 (2006), S. 75-112, S. 86 f.
  4. Karlheinz Bartels, a.a.O., S. 87
  5. Otto Schrappe †: Psychiatrie in Würzburg und Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg in den letzten 5 Jahrzehnten, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 1 (1983), S. 91-106, S. 92
  6. Heinrich Ragaller: Zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts in Würzburg, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. v. Heinz Otremba, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 353-373, S. 353
  7. Klaus Hinrich Stahmer: Musik in der Residenz. Würzburger Hofmusik, Stürtz-Verlag, Würzburg 1983, S. 105 f.


Vorgänger Amt Nachfolger
Adam Friedrich von Seinsheim Bischof
1779 - 1795
Georg Karl von Fechenbach


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