Burkarder Kirche

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Burkarder Kirche
Historische Abbildung der „Burkhardtskirche zu Würzburg”

St. Burkard (auch Burkarder Kirche) ist eine katholische Pfarrkirche im Mainviertel. Sie zählt zu den ältesten Kirchen Würzburgs.

Patronat[Bearbeiten]

Der Heilige Burkard war erster Bischof von Würzburg (* um 684 in England, † 2. Februar (?) 754 in Hohenburg, heute Homburg am Main). Patrozinium ist am 2. Februar.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche geht zurück auf das Andreaskloster, das Bischof Burkard im Jahr 748 gründete. 986 wurde es durch Bischof Hugo in Benediktinerkloster St. Burkard umbenannt und die Gebeine des Hl. Burkard dorthin gebracht. Nach einem großen Brand wurde die Kirche am heutigen Standort wieder errichtet. Die älteste, romanische Bereich des Gotteshauses wurde durch Abt Willemund ab 1033 errichtet und am Pfingstmontag 1042 im Beisein von König Heinrich III. durch Bischof Bruno geweiht. 1168-80 wurde die Portalvorhalle ("Paradies") angefügt. Abt Konrad ließ um 1250 die polygonalen Obergeschosse der beiden östlichen Türme mit den steinernen Turmhelmen erstellen.

Die Kirche war Teil des Benediktinerklosters, welches 1464 in das geistliche Ritterstift St. Burkard umgewandelt wurde. Unter Propst Johann von Allendorf begann in den 1490er Jahren der Bau des polygonalen Ostchores mit dem Querhaus. Dessen Innenausstattung erfolgte erst Mitte des 17. Jahrhunderts. Der ehemalige Westchor wurde unter Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn in den 1660er Jahren abgebrochen. Der Platz wurde für neue Befestigungsmauern und einen Umlaufkanal benötigt.

Mit der Säkularisation und der damit verbundenen Auflösung des Stifts 1803 gelangte die Kirche in den Besitz der Ortspfarrei.

Kunstwerke[Bearbeiten]

In der Kirche befinden sich unter anderem folgende bedeutende Kunstwerke:

Romanisches Langhaus[Bearbeiten]

  • Zwei Ölgemälde im ehemaligen Chor: Pietà (17.Jhd) sowie eine Grablegung, diese von Oswald Onghers (1676)
  • Barocke Darstellung der 14 Nothelfer, frei im Raum hängend (18. Jahrhundert, ursprünglich für die Katharinenkapelle geschaffen)
  • Steinfiguren Christus als Schmerzensmann und St. Burkard von Arthur Schleglmünig (1896) in den östlichen Apsiden der Seitenschiffe.
  • Stationsbilder von Josef Wolf und Willi Jakob (1933-35), Teile verbrannten 1945 und wurden von Willi Jakob später neu erstellt bzw. restauriert.
  • Zwei Holzreliefs von Arthur Schleglmünig als Erinnerung an Zerstörung und Wiederaufbau Würzburgs (geschaffen 1945 und 1948)
  • Zahlreiche Grabsteine
  • Gedenkstein der Würzburger Fischerzunft

Gotisches Querhaus mit Altarinsel[Bearbeiten]

  • Spätromanisches Würfelkapitell aus Sandstein (um 1250), dient heute als Pult für die Bibel oder das Lektionar.
  • Madonna von Tilman Riemenschneider (Frühwerk um 1490), im 19. Jahrhundert durch Heinz Schiestl farbig gefasst, in frühklassizistischem Schrein (1789)
  • Detailreicher Marienaltar (Pfarrflügelaltar) aus der Renaissance, gemalt von Alexander Müller, geschnitzt von Georg Meuer (1589). Geöffnet sind Szenen aus Mariens Leben dargestellt, geschlossen wird die Leidensgeschichte Christi und die Auferstehung gezeigt. An der Rückwand des ehemals frei stehenden Altars sind die Namen der Spender aus dem Adel und Würzburger Bürgertum zu lesen.
  • Barocke Seitenaltäre aus der Werkstatt Jakob van der Auweras (1727-30)
  • Linker Seitenaltar (1727), gestiftet vom Burkarder Kapitular Friedrich Gottfried Ignaz von Pfirt. In der Mitte zwischen zwei Engeln steht die Figur des auferstandenen Christus. Der Auferstandene wird flankiert von den heiligen Bischöfen Friedrich von Utrecht und Gottfried von Amiens, zwei Namenspatronen des Stifters. Im oberen Teil befindet sich über dem Wappen des Stifters die Figur Gottes und die Taube des Heiligen Geistes.
Die Inschrift über der Mensa des Altars lautet: „IN HONOREM ET VENERATIONEM RESURECTIONIS D(OM)INI HANC ARAM FIERI CURAVIT PLURIMUM REVERENDUS PERILL(USTRIS) PERQUAM GRATIOSUS DOMINUS FRIDERICUS GODEFRIDUS IGNATIUS L(IBER) B(ARO) A(B) PFUERT HUIUS EQUESTRIS ECCLESIAE CANONICUS TITUL. CUSTOS ET IUBILARIUS“ („Zu Ehren und in Verehrung der Auferstehung des Herrn hat diesen Altar gestiftet der verehrte und hochangesehene und überaus großzügige Herr Friedrich Gottfried Ignaz Freiherr von Pfirt, Kanoniker dieser Ritterstiftskirche in der Stellung eines Custos und Jubilarius“)
  • Rechter Seitenaltar (1730), gestiftet vom Burkarder Kapitular Franz Rudolph von Hettersdorf. Eine figürliche Kreuzigungsgruppe beherrscht das Mittelfeld. Diese wird flankiert vom heiligen Franz von Assisi (links) und König Rudolf II. von Habsburg [1] (der nie als Heiliger verehrt wurde), zwei Namenspatronen des Stifters. Darüber verschiedene Wappen, unter anderem auch das des Stifters, und auf den Säulen zwei Engel mit den Leidenswerkzeugen Essigschwamm und Lanze. Der Tabernakel stammt von Lukas van der Auwera aus dem Jahre 1760.
Die Inschrift über der Kreuzigungsgruppe lautet: „DEO IMMORTALI IN CARNE MORTALI CRUCIFIXO HANC ARAM EXSTRUI MORIENS DEMANDAVID PLURIMUM REDUS PERILL(USTRIS) E(T) PERQUAM GRATIOSUS DOMINUS FRANCISCUS RUDOLPHUS AB HEDERSDORFF ECCLESI(ARUM) WORMAT(IAE) ET AD S(ANCTUM) BURKARTUM CANON(ICUS) CAPITUL(ARIS) ANNO 1730“ („Dem unsterblichen, mit dem sterblichen Fleische gekreuzigten Gott wurde dieser Altar im Jahre 1730 durch letztwillige Verfügung errichtet durch den hochangesehenen und überaus großzügigen Herrn Franz Rudolph von Hettersdorf, an den Kirchen zu Worms und des Stifts St. Burkard Kanoniker des Kapitels“)
  • Gemälde Martyrium des Hl. Vitus von Johannes Zick (um 1760)
  • Leprosenstein, gotischer Votivstein, um 1360/65 für das Spital für Aussätzige vor dem Zeller Tor geschaffen. Seit 1881 im nördlichen Querhaus, links vom Eingang zur Sakristei. Dargestellt sind in der Mitte Christus am Kreuz (gestaltet als Lebensbaum) und unter ihm die trauernde Maria mit zwei weiteren Figuren sowie der weinende Evangelist Johannes. Über der Gruppe zwei anbetende Engel. Die Apostel Petrus und Paulus unter Baldachinen und zwei Propheten mit Schriftbändern neben dem Kielbogen stellen die Verbindung von Neuem und Altem Testament dar. Unter ihnen kniet auf Konsolen das Stifterpaar (aus der Würzburger Patrizierfamilie Brunlin).
  • Reliquienbüste des Hl. Burkard (um 1770) auf einem Nebenaltar (1938 in Rokokoformen errichtet)
  • Hölzerne Madonna mit Kind im Strahlenkranz an der Westwand des nördlichen Querhauses: farbig gefasst, nach 1450 von einem unbekannten Meister. Gestiftet vom Burkarder Chorherrn Johann Carl von Frankenstein, dessen Wappen sich auf der Konsole befindet.
  • Chorgestühl mit Darstellungen fränkischer Heiliger
  • Kronleuchter aus Messing (1670 in einer Würzburger Werkstatt gefertigt), Leihgabe der Fischerzunft.

Hochchor[Bearbeiten]

Hochchor der Burkarder Kirche nach 1897
  • Reliquienschrein mit den Gebeinen des Hl. Burkard, gestaltet 1988/89 von Goldschmiedemeister Theo Sebald.
  • Chorbogenkruzifix aus der Riemenschneider-Werkstatt (ca 1520-25), gestiftet von der Würzburger Fischerzunft, deren Wappen sich zu Füßen der Christusfigur befindet. Die Assistenzfiguren Maria und Johannes befinden sich seitlich am Chorbogen.
  • Seitlich an den Stufen zum Hochchor Figuren aus der Auwera-Werkstatt (1753): Heiliger Josef mit Jesuskind (links) und Maria Immaculata (rechts).
  • Wappenschilde an den Schlusssteinen des Gewölbes.
  • Historisches Chorgestühl
  • Wandbilder Der Hl. Burkard gründet das Andreaskloster und Der Hl. Bonifatius weiht den Hl. Burkard zum Bischof von Matthäus Schiestl aus dem Jahre 1897.

Bonifatiuskapelle[Bearbeiten]

  • Hängekreuz und Tabernakel von Theo Sebald
  • Gotische Steinfigur Maria mit Kind (um 1330)

1945 zerstörte Kunstwerke[Bearbeiten]

Beim Bombenangriff am 16. März 1945 zerstört wurden u.a.:

  • Sebastian- und Marienaltar mit Bildwerken von Hans Deuerlein
  • Großes Tafelgemälde von Oswald Onghers: „St. Burkard weiht seine Diözese den einzelnen Standesheiligen“. Es war ursprünglich am Hochaltar, dann im Längsschiff angebracht.
  • Orgel mit Schnitzereien von Johann Caspar Brandt

Baudenkmal[Bearbeiten]

Die Burkarder Kirche findet sich in der Liste der Baudenkmäler in Würzburg (Stadt) des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (Stand 18.07.2015):

 Objekt  Beschreibung  Denkmalnummer
 Burkarderstraße 42. Kath. Pfarrkirche St. Burkard, ehem. Benediktinerklosterkirche St. Andreas, der Überlieferung nach um 750 erster Bischofssitz Würzburgs, ab 1464 Ritterstiftskirche, dreischiffige Basilika mit erhöht über einer Straßendurchfahrt liegendem 5/8-Chor und breitem Querschiff, Sattel- und Pultdächer, in den Zwickeln zwischen Langhaus und Querschiff ursprüngliche Chorflankentürme mit achteckigen Obergeschossen und steinernen Turmhelmen, Langhaus mit haubenbedecktem Giebelreiter über Konsole, auf der Nordseite offene Vorhalle mit Rundbögen und Walmdach, Putzmauerwerk mit Sandsteingliederungen diverser Epochen, Kernbau mit Langhaus und Türmen romanisch, 11.-13. Jh., Vorhalle um 1170, Chor und Querschiff spätgotisch, 15.-17. Jh., Straßendurchfahrt bez. 1491, historisierende Erneuerung 1857/58 u. 1894, Wiederherstellung nach Teilzerstörung 1948; mit Ausstattung; Ölberg, Sandstein, barock, Joh. Wolfgang von der Auwera, 18. Jh. nachqualifiziert  D-6-63-000-84 [2]

Glocken[Bearbeiten]

Die Burkarder Kirche birgt die älteste Glocke des Bistums: die St.-Katharina-Glocke aus dem Jahr 1249. Bis 1945 war sogar noch eine ältere Glocke vorhanden: die Agla-Glocke aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Zuckerhutförmige Glocke war eine Schwester der ebenfalls 1945 zerstörten Domglocke Heinle.

Pfarrei[Bearbeiten]

Die Pfarrei St. Burkard (Mainviertel) bildet eine Gemeinschaft mit der Pfarrei St. Bruno (Steinbachtal). Zur Pfarrei St. Burkard zählen auch das Käppele, die Don-Bosco-Kirche am Schottenanger und der Konvent der Oberzeller Franziskanerinnen.

Seelsorger (Auszug)[Bearbeiten]

Fotogalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Burkard Würzburg. In der Reihe kleine Kunstführer des Verlags Schnell und Steiner, Regensburg 2010 (3., neu bearbeitete Auflage). ISBN 978-3-7954-4204-0
  • Klaus Wittstadt (Hrsg.): 1000 Jahre Translatio Sancti Burkardi. Zur Bedeutung von St. Burkard in Würzburg. Echter-Verlag, Würzburg 1986 (Stadtbücherei Dkk Tau)
  • Friedrich Oswald: Würzburger Kirchenbauten des 11. und 12. Jahrhunderts. Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, Würzburg, Heft 45 1966 (Stadtbücherei Drk 1 Osw)
  • Alfred Wendehorst: Die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg. im Auftrag des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Berlin, New York, de Gruyter, 2001, S. 191

Weblinks[Bearbeiten]

Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. König Rudolf von Habsburg ist dargestellt mit einem Schild und dem habsburgischen Wahlspruch A.E.I.O.U.. Zur Deutung siehe Wikipedia [1]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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