Wilzi

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Wilzi in Greußenheim
Wilzi Weitblick
Herbstimpression auf der Wilzi in Greußenheim

Die Wilzi ist ein kartiertes Biotop in Greußenheim.

Lage[Bearbeiten]

Die ehemalige Weinberglage und heutige Wacholderheide sowie Hutefläche befindet sich am westlichen Berghang des Herchenberges im Süden des Gemeindegebietes von Greußenheim im Naturraum Marktheidenfelder Platte. Am Bergfuß fließt der Mühlbach, der ab der Roßbrunner Gemarkung auch Ziegelbach heißt, entlang Richtung Aalbachtal[1]

Namensdeutung[Bearbeiten]

Woher kommt der Name „Wilzi“ oder „Wiltzi“?

Offiziell taucht der Name „Wilzi“ erstmals in einer Greußenheimer Flurnamenbeschreibung im Jahre 1940 unter der laufenden Nr. 141 auf, bei der alle örtlichen Feldgeschworenenobmänner in Bayern von staatlicher Seite aufgefordert wurden, die Flurnamen in den einzelnen Gemarkungen aufzulisten und die Flurnamen sogar im Dialekt zu notieren.

Im Buch „Flurnamenkunde“ des Verbandes für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern e.V. von Joseph Schnetz aus dem Jahre 1997 taucht der Begriff „Wilzi“ nicht auf.

Ansonsten ist der Flurname „Wilzi“ offiziell nirgendwo benannt. In Greußenheim jedoch weiß jeder, wo die „Wilzi“ liegt bzw. was die „Wilzi“ ist.

Versuch einer Deutung[Bearbeiten]

  1. Der Name „Wilzi“ bzw. „Vilczach“ taucht erstmals in einer Urkunde des Klosters Himmelspforten in Würzburg auf (1231 bis 1400) im Regest 298: 1352 verkaufen Ecke Ratolt und seine Frau Irmgard an das Kloster Himmelspforten ungefähr 2 Morgen Weinberg (= ca. 0,7 ha): „2 Morgen Weingarten an einem Stück in der Gemarkung Gruzzen (= Greußenheim) an der Vilczach, zwischen Weingärten des Frauenclosters Unter-Celle und des Heinrich, Dietrich Winschroters Sohn, gelegen, und einem Weg von 4 Gerten Breite, um von Rein zum Rode uber die egern zu dem Weingarten zu fahren“.
  2. Oder kommt der Name „Wilzi“ von der Stadt Wiltz? Wiltz ist eine Stadt in Luxemburg. Die Stadt Wiltz (lux.: Wolz) liegt an dem gleichnamigen Nebenfluss der Sauer im Nordwesten des Großherzogtums Luxemburg im Distrikt Diekirch. Sie ist Hauptort des Kantons Wiltz. Wie der Ursprung vieler Ortschaften, liegt auch die Frühgeschichte von Wiltz im Dunkeln. Der Ort war von Kelten, Römern und Franken bewohnt, lag an der Römerstraße von Tongern nach Trier und am Wasserlauf der Wiltz. Hat nun aber die Siedlung dem Fluss den Namen gegeben, oder umgekehrt, diese Frage ist heute nicht mehr zu beantworten. Der Name Wiltz ist keltischen Ursprungs und bedeutet: „am Bach“. Wiltz wird erstmals 764 urkundlich erwähnt. Die „Wilzi“ liegt tatsächlich an einem Bach, dem Mühlbach.
  3. Oder stammt das Wort von den Wilzen (auch Wilsen, Wilciken, Welataben), einem westslawischer Stammesverband, der im 8. und 9. Jahrhundert zur Zeit Karls des Großen im östlichen Mecklenburg, Vorpommern und im Norden Brandenburgs siedelte. Der Stammesverband setzte sich aus namentlich unbekannten Stämmen zusammen, an dessen Spitze ein Stammherrscher oder Großfürst stand. Bis Mitte des 10. Jahrhunderts zerfiel der Stammesverband und es bildete sich eine Reihe von neuen Stämmen, die Ende des 10. Jahrhunderts in den sächsischen Quellen unter der Bezeichnung Lutizen bzw. Liutizen zusammengefasst wurden. In der fränkischen Sprache wurden sie Wiltzi genannt. Kaiser Karl der Große war bekannt dafür, dass er einzelne Gruppen besiegter Völker in andere Gebiete seines Reiches zwangsumsiedelte. Vielleicht auch nach Greußenheim? [2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die „Wilzi“ ist begrenzt von Kiefernwald im Norden und Osten und zieht sich vom Talgrund bis auf den Kamm des Herchenbergs. Am Ostende stehen die Biotopflächen in Kontakt mit alten Triebwegen oder Weidebrachen. Am Hangfuß im Westen grenzen Rinderweiden an und kleinflächig Feuchtgrünland. Am Südende des Hangs liegen Ackerbrachen.

Der Haupthang ist deutlich geteilt in Bereiche mit Gehölzsukzession und bereits stärker verbuschte Zonen im Nord- und Südteil. Insbesondere im Norden befinden sich eine flächige Wacholdersukzession (sehr dichte Bestände), dazwischen typische Schleheninitialvegetation und ältere Schlehengebüsche durchsetzt mit alten Kirschbäumen, einzelnen Eichen und Kiefern. Vor allem im Trauf der Kirschbäume beginnender Gehölzaufwuchs aus Hartriegel, Schlehe, Rose und Liguster, der sich dann in den angrenzenden Flächen, durchweg Magerrasen, ausbreitet. Im Übergangsbereich zum Wald im Norden dringen Haselgebüsche in die Rasengesellschaften ein.

Geschützte Pflanzen[Bearbeiten]

Der Rest des Hangs ist noch kaum verbuscht. Hier finden sich nur locker verteilt Wacholderbüsche und Kirschbäume. Ansonsten dominieren flächige artenreiche Kalkmagerrasen, mit Enzian-Arten (Gentiana ciliata, G. germanica), Hügel-Meister (Asperula cynanchica), Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) u.v.a.

Entwickelt haben sich zum Großteil typische Halbtrockenrasen (Mesobromion erecti), reich an Aufrechter Trespe (Bromus erectus) mit fließenden Übergängen zu Fieder-Zwenke-reichen Magerweiden (Gentiano-Koelerietum) und in den etwas stärker beschatteten (verbuschten) Zonen zu artenärmeren Fieder-Zwenke dominierten Altgras-Beständen. Diese sind zum Teil durchsetzt mit Arten der thermophilen Saumgesellschaften (Geranion sanguinei, z.B. Bupleurum falcatum, Aquilegia vulgaris, Geranium sanguineum, Peucedanum cervaria). Auch in den offenen Hangbereichen wandern zunehmend Saumarten ein.

Am flacheren Unterhang des Nordwestteils oberhalb der genannten Rinderweiden haben sich Salbei-Glatthafer-Altgrasrasen angesiedelt; sie sind ebenfalls mit Arten der wärmeliebenden Säume (Origanetalia) vermischt sind. Außerdem stockt hier noch eine alte Kirschbaumreihe (Altkirschen großkronig mit Totholz).

Etwas artenreichere Ausbildungen von Salbei-Glatthafer-Wiesen mit Übergängen zu Fieder-Zwenke-reichen Halbtrockenrasenbrachen findet man auch im verbuschten Südteil des Hangs im Kontaktbereich zu großflächigen Ackerbrachen (Dauco-Picridetum, nicht erfasst). Der Westteil des Unterhangs südlich der Rinderweide ist vom Haupthang durch einen Gehölzriegel (= Wald) abgetrennt. Die Vegetation entspricht der des Haupthangs.

Neben den eigentlichen Hangzonen wurden noch artenreiche und strukturreiche Waldränder zusammengesetzt aus wärmeliebenden Gebüschen (Pruno-Ligustretum) mit Schlehe Liguster, Berberitze, Wacholder, Wolliger Schneeball u.a. und Resten kleinflächiger Kalkmagerrasen mit eingestreuten Saumarten erfasst (Aster amellus, A. linosyris). Hier sind meist Eichen und Kiefern eingestreut und die Waldsäume oft von Waldreben überwuchert.

Teilweise sind Gebüschreste aus Schlehe oder artenreichere mit Überhältern und Wacholder entlang der Hangkante am Südende (aus Wald abgetrennt!). Der Kalkmagerrasen ist sehr artenreich. Dort finden sich neben Enzian, Hügel-Meister, die gewöhnliche Küchenschelle und eine Vielzahl von über 100 anderen Pflanzenarten.

Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern (ABSP)[Bearbeiten]

ABSP Karte Greußenheim

Seit etwa 1997 hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Würzburg die „Wilzi“ im sog. Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern (ABSP) biotopkartiert. Die wichtigsten Grundlagen für die Darstellung des Bestandes an Arten und Lebensräumen sind dabei die Biotopkartierung und die Artenschutzkartierung. Von den etwa 120 entdeckten Pflanzenarten stehen etwa 26 auf der Roten Liste.

Historie[Bearbeiten]

Wilzi um 1670 Greußenheim
Lage in der historischen Karte

Entstanden ist die Fläche durch Rodung und anschließender weinbaulicher Nutzung im 14. Jahrhundert. Die „Wilzi“ war um etwa 1670 ein Weinberg. Mit der Klimaverschlechterung seit dem 17. Jahrhundert ging der Weinbau allgemein zurück. Zur Zeit der Uraufnahme der bayerischen Dörfer und Flure durch die Bayerische Vermessungsverwaltung Mitte der 1830er Jahre war die „Wilzi“ noch geprägt von der typischen kleinparzelligen fränkischen Realteilung („handtuchgroße Grundstücke“). Deutlich sind diese Flächen als Rebflächen gezeichnet. [3]

Der Weinbau wurde in den späteren Jahren immer weniger und schließlich Mitte des 19.Jahrhunderts wegen Unrentabilität dort aufgegeben. Das Erscheinen der Reblaus in Europa im Jahre 1864, welche die Weinlagen flächendeckend vernichtete, bedeutete dann wohl auch das endgültige Aus für viele fränkische Reben. 1866 war der Fuß der „Wilzi“ von Bayerischen Truppen als Biwak im Bruderkrieg belagert und bekämpft.

Beweidung[Bearbeiten]

Die „Wilzi“ wurde im 20.Jahrhundert jahrelang als private Schafweide vom Greußenheimer Schäfer Karl Stegerwald genutzt. Nach dessen Tod wurde die Schafbeweidung zunächst eingestellt, bis dann von 1990 bis etwa 2000 ein Hobby-Schäfer die Beweidung übernahm, dann aus gesundheitlichen Gründen jedoch beenden musste. Die Beweidung der „Wilzi“ wird seit 2000 durch einen örtlichen Burenziegenzüchter im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm gewährleistet.

Waldflurbereinigung Greußenheim[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2000 hat der Landkreis Würzburg den größten Teil der „Wilzi“ erworben und gemäß § 30 Abs. 2 Nr. 3 BNatSchG mit einer Fläche von rd. 10 ha als Biotop kartiert. Die einzelnen landkreiseigenen Grundstücke wurde im Rahmen der Waldflurbereinigung in den 2010er Jahren zu vier Grundstücken mit rd. 7 ha zusammengefasst.

Freizeit und Erholung[Bearbeiten]

Die „Wilzi“ mit ihrer exponierten Lage ist für alle Greußenheimer und Gäste eine wunderbare ortsnahe Erholungsfläche, auf der man bei einem Spaziergang oder bei einer Rast die Seele baumeln lassen und die Natur genießen kann. Die „Wilzi“ ist die Station 2 des 80.Europäischen Kulturwanderweges Waldsassengau, der im Jahre 2012 eröffnet wurde: Route 3 „Zu Tisch in Greußenheim“ [4] [5] [6] mit einem herrlichen Ausblick bis in den östlichen Spessart.

Quellen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Hinweise und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Topografische Karte im BayernAtlas
  2. Zu Kaiser Karl dem Großen hat Greußenheim auch eine Beziehung. Es gibt die Sage, dass Karl der Große auf seinem Weg von der Abtei Neustadt am Main zur Karlburg bei Karlstadt in Greußenheim Gericht über seine ihm angeblich untreue Ehefrau gehalten hat. Der Flurname „Kaiser Karls Gericht“ existiert heute noch.
  3. Uraufnahme im geoportal.bayern.de/bayernatlas
  4. „Zu Tisch in Greußenheim“ auf spessartprojekt.de
  5. „Zu Tisch in Greußenheim“ auf den Internetseiten des Landkreises Würzburg
  6. Faltblatt „Zu Tisch in Greußenheim“

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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