Weinbau in Güntersleben

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Weinlage Günterslebener Sommerstuhl mit Maternushütte

Der Weinbau in Güntersleben ist ein traditionsreicher Bestandteil der fränkischen Kulturlandschaft im unterfränkischen Landkreis Würzburg und prägt seit Jahrhunderten die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Gemeinde Güntersleben.

Erste Hinweise

Der erste Hinweis auf Weinanbau in Güntersleben findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1280. Nach ihr vermachte „Metza, die Witwe Ludwigs von Ravensburg“, dem Zisterzienserkloster Ebrach sechs Morgen Weingärten „in loco Stube“ bei Güntersleben. [1] Gemeint ist damit die Weinbergslage „Stubengrund“ an der Gemarkungsgrenze zu Thüngersheim. In der Gründungsurkunde der Pfarrei St. Maternus von 1345 ist von „vier morgen Weingarten uff Gündtersleber Marckung“ die Rede, die zur Ausstattung der Pfarrkirche gehören. [2]

Weinbau im 18. und 19. Jahrhundert

1698 wohnten in Güntersleben 105 Familien, von denen 95 neben ihren Ackergrundstücken mindestens einen, meistens sogar mehrere Weinberge besaßen. In der schon damals in viele kleine Flächen zersplitterten Flur waren insgesamt 347 Grundstücke auf einer Gesamtfläche von etwa 25 Hektar mit Weinreben bestockt. In der Nachfolgezeit wurde die Weinbaufläche in Güntersleben erheblich ausgeweitet. 1763 wurde auf 652 Grundstücken Wein angebaut. Die gesamte Rebfläche dürfte etwa 54 Hektar betragen haben.

Wein war Volksgetränk und Zahlungsmittel. [3] Missjahre des Weins bedeuteten Notzeiten für die Menschen. 1815 berechnete Schultheiß Andreas Kuhn die Weinbaufläche mit 170 Morgen, umgerechnet etwa 42 Hektar. Die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus wird auch ersichtlich, wenn 1816 die Ortsarmenkommission von Güntersleben berichtet, dass der „Nahrungsstand der hiesigen Ortsbewohner nicht nur in Getreid, sondern auch durch Weinbau muß bezwecket werden.“ Gleiches bringen 1817 die Bäckermeister von Güntersleben in einem Schreiben an die Regierung zum Ausdruck: „Dieser Ort ist stark bevölkert, ernährt sich wegen öfteren Wein-Misswachses nur sehr kärglich durch seinen wenigen Feldbau.“ [4] 1858 wird die Weinbergsfläche in Güntersleben mit 192 Tagwerk angegeben, das sind über 65 Hektar. 1885 wird die Fläche der Günterslebener Weinberge unverändert mit 65 Hektar ausgewiesen.

Weinbau im 20. Jahrhundert

Um diese Zeit kündigte sich jedoch schon in ganz Franken der Rückgang des Weinbaus an. Die wechselhaften Erträge, die Ausbreitung des Obstbaus und die wachsende Vorliebe für andere Getränke, wie das Bier, schmälerten die bisher herausragende wirtschaftliche Bedeutung der Weinproduktion. 1860 wurde aus Amerika die Reblaus eingeschleppt, gegen die man außer der Rodung befallener Bestände kein Mittel fand. Für das Jahr 1898 wird für Güntersleben nur noch eine Weinbaufläche von 39 Hektar genannt. [5] Bis 1946 schmolzen die Bestände auf 9 Hektar zusammen, verteilt auf 63 Besitzer. Der Wein, den sie produzierten, war ausschließlich für ihren eigenen Verbrauch bestimmt.

An dieser Situation änderte sich in den folgenden Jahren wenig. Kaum jemand gab dem Weinbau in Güntersleben noch eine Chance für die Zukunft. Die Neuanpflanzungen blieben weiter hinter den Rodungen zurück, so dass bis 1960 die Rebfläche bis auf 8 Hektar nochmals zurückging. Allzu großes Interesse an einem Wiederaufbau konnten auch die in den 1960er Jahren durchgeführten Flurbereinigungsmaßnahmen nicht wecken. Wie überall in Franken ging es dann aber doch mit dem Weinbau – überraschend – wieder aufwärts. Die Weinberge am Altenberg mussten zwar der Wohnbebauung weichen, die nach außen drängte. Dafür wurden aber die Anbauflächen an den klimatisch begünstigten Hängen in Richtung Thüngersheim wieder ausgeweitet. Bis Ende des 20. Jahrhunderts hat sich die bestockte Fläche wieder etwa verdoppelt und liegt seitdem bei 17 bis 18 Hektar. Unter den Weißweinsorten wird weiterhin der Müller-Thurgau deutlich bevorzugt. Mit etwa 2,5 Hektar Anbaufläche hat jedoch mittlerweile der Rotwein deutlich an Bedeutung gewonnen.

Seit der Neuordnung des Weinrechts in Deutschland von 16. Juli 1971 firmieren die Weine aus Güntersleben unter einem einheitlichen Lagennamen. Der Gemeinderat schloss sich 1972 dem mehrheitlichen Vorschlag der Weinbergsbesitzer an und meldete den Namen „Günterslebener Sommerstuhl“ zu Eintragung in die Weinbergsrolle. [6] Der Vorschlag orientierte sich an der früheren Lagebezeichnung Sonnenstuhl oder Sommerstühle, die für einige wenige Weinberge unterhalb der weitaus größeren Lage Höhfeld gebraucht wurde. Wahlweise kann Wein aus Güntersleben seit dieser Zeit auch unter dem Namen der Großlage Thüngersheimer Ravensburg in den Verkehr gebracht werden. Einige der Günterslebener Winzer haben sich der Winzergenossenschaft im benachbarten Thüngersheim angeschlossen. Die meisten verkaufen ihre Erzeugnisse direkt. Durch eine fachlich fundierte Kellerwirtschaft, die es in dieser Form noch nicht lange in Güntersleben gibt, wird auch in kleineren Betrieben eine hohe Qualität erreicht, ehe das fertige Produkt in Flaschen oder Bocksbeuteln in den Handel gelangt. Zur gemeinsamen Interessenvertretung, innerhalb wie außerhalb der Gemeinde, und zur weiteren Förderung der weinfachlichen Kenntnisse wurde 1990 ein örtlicher Weinbauverein gegründet.

Siehe auch

Quellen und Literatur

Weblinks

Einzelnachweise und Hinweise

  1. Regesta sive rerum Boicarum autographa, Hrsg.: Carl Heinrich von Lang u.a., München 1822-1854, S. 127 (Online-Fassung)
  2. P. Ignatius Gropp OSB: Protocollum des Lölblichen Gotteshauses und Pfarrey Gündersleben, 1758, unveröffentlichtes Manuskript, Erster Teil, § 1
  3. 1724 wurde für die Kirche eine neue Orgel bei dem Orgelbauer Johann Philipp Seuffert in Würzburg bestellt und man „ist mit ihm um 200 Gulden nebst 3 Eimern Wein 1722er Jahrgangsgewächs eins geworden.“
  4. Schreiben an die Königliche Regierung vom 16. Mai 1817, Protokollbuch der Ortsarmenkommission, GAG, I – 5 a
  5. Wilhelm Götz: Geographisch-Historisches Handbuch von Bayern, München 1898, S. 726
  6. Gemeinderatsbeschluss vom 17. Februar 1972, Protokollbuch, GAG, 02 -41
  7. Die Ortschronik „Güntersleben“ kann beim Bürgerservice, Zimmer 17 im Rathaus von Güntersleben käuflich erworben werden.

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