Karl Marbe

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Prof. Dr. Karl Marbe

Prof. Dr. Karl Marbe (* 31. August 1869 in Paris; † 2. Januar 1953 in Würzburg) war Psychologe und Professor an der Universität Würzburg von 1896 bis 1905 und von 1909 bis 1935.

Familiäre Zusammenhänge

Prof. Marbe war verheiratet mit Milly Marbe-Fries, einer stadtbekannten Würzburger Malerin.

Leben und Wirken

Nach dem Schulbesuch in Freiburg studierte Marbe Psychologie in Freiburg, Bonn, Berlin, Leipzig und wieder in Bonn unter anderem bei Professor Oswald Külpe. 1893 wurde er in Bonn mit einer Dissertation zum Thema „Zur Lehre von den Gesichtsempfindungen, welche aus sukzessiven Reizen resultieren“ (1894) promoviert. 1896 habilitierte er sich an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 1905 wurde er ordentlicher Professor an der Frankfurter Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und gründete dort das Institut für Psychologie.

Professor in Würzburg und Frankfurt

In seiner Zeit als Privatdozent gehörte Marbe zu den bedeutendsten Vertretern der von Oswald Külpe 1894 begründeten Würzburger Schule der Denkpsychologie, in der die Methode der Introspektion erstmals auf denkpsychologische Probleme angewendet wurde. Er fand ab 1896 heraus, dass die Versuchspersonen beim Vergleichen von Gewichten nicht wußten, wie das Urteil „schwerer“ oder „leichter“ zustande gekommen war. Marbe führte daraufhin eine neue Kategorie von elementaren Bewußtseinsinhalten ein, die er „Bewußtseinslagen“ nannte. Zu ihnen zählte er u. a. Zweifel, Erwartung, Bekanntheit, Spannung und Ungewißheit. 1909 übernahm er die Leitung des Psychologischen Instituts der Universität Würzburg bis zu seiner Emeritierung 1935. Hier ist er auf verschiedenen Gebieten der angewandten Psychologie hervorgetreten. Er war ein Pionier der Werbepsychologie und gehörte zu den ersten psychologischen Gerichtsgutachtern.

Weitere Ämter

Von 1927 bis 1928 war Marbe Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Ehrungen und Auszeichnungen

1956 tauchte diese Stadtplakette in einem Würzburger Antiquitätengeschäft auf. Um einem möglichen Missbrauch durch Andenkenjäger oder Hochstapler vorzubeugen, erwarb die Stadt Würzburg die Plakette. [1]

Karl-Marbe-Preis

Das Institut für Psychologie vergibt jährlich den mit 1000 Euro dotierten Karl-Marbe-Preis. [2]

Publikationen (Auswahl)

  • Karl Marbe, Albert Thumb: Experimentelle Untersuchungen über die psychologischen Grundlagen der sprachlichen Analogiebildung. Engelmann, Leipzig (1901). (Neudruck mit einer Einleitung von David D. Murray, John Benjamins, Amsterdam (1978) ISBN 90-272-0971-5)
  • Karl Marbe: Über den Rhythmus der Prosa. J. Ricker'sche Verlagsbuchhandlung, Giessen (1904) (UB Ph.o. 3962)
  • Karl Marbe: Theorie der kinematographischen Projektionen. J.A. Barth, Leipzig (1910)
  • Karl Marbe: Die Aktion gegen die Psychologie; eine Abwehr. B. G. Teubner, Leipzig/Berlin (1913) (UB 850/CM 2000 M312)
  • Karl Marbe: Grundzüge der forensischen Psychologie. München (1913) (UB 07/NRM 3165)
  • Karl Marbe: Die Bedeutung der Psychologie für die übrigen Wissenschaften und die Praxis. In: Fortschritte der Psychologie und ihrer Anwendungen. Teubner, Leipzig und Berlin (1913)
  • Karl Marbe (Hrsg.): Thumb, A: Satzrhythmus und Satzmelodie in der altgriechischen Prosa. In: Fortschritte der Psychologie und ihrer Anwendungen S. 139-168. Teubner, Leipzig und Berlin (1913)
  • Karl Marbe: Die Rechenkunst der Schimpansin Basso im Frankfurter Zoologischen Garten. Leipzig, Berlin: B. G. Teubner (1916)
  • Karl Marbe: Die Gleichförmigkeit in der Welt. Untersuchungen zur Philosophie und positiven Wissenschaft. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck, München 1916 (Bd. 1) und 1919 (Bd. 2) (UB 07/NRM 3045-1 und 07/NRM 3046)
  • Karl Marbe: Mathematische Bemerkungen zu meinem Buche "Die Gleichförmigkeit in der Welt". C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck, München (1916) (UB Ph.o. 4863a)
  • Karl Marbe: Praktische Psychologie der Unfälle und Betriebsschäden. München und Berlin (1926) (UB 69.8939)
  • Karl Marbe: Der Psycholog als Gerichtsgutachter im Straf- und Zivilprozeß. Stuttgart (1926) (UB 69.9473)
  • Karl Marbe: Psychologie der Werbung. Poeschel, Stuttgart (1927) (UB 00/C 20.770)
  • Karl Marbe: Eignungsprüfung für Rutengänger. München und Berlin (1927)
  • Karl Marbe: Psychologie der Wertreklame. Stuttgart (1930) (UB 69.9539)
  • Karl Marbe: Der Strafprozeß gegen Philipp Halsmann. Aktenmäßige Darstellung und kriminalpsychologische Würdigung. Leipzig (1932) (UB Z 49.191-21/25)
  • Karl Marbe: Die gerichtspsychologische Begutachtung von Autounfällen und die Eignung zum Chauffeur: ein Führer für Gerichtsgutachter, Juristen und die Polizei. C. L. Hirschfeld, Leipzig (1932) (UB 53.1436)
  • Karl Marbe: Grundfragen der angewandten Wahrscheinlichkeitsrechnung und theoretischen Statistik. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München und Berlin (1934) (UB 69.9846)
  • Karl Marbe: Neue Untersuchungen zur Psychologie, Statistik und Biologie. Akademische Verlags-Gesellschaft, Becker & Erler, Leipzig (1940) (UB 69.10185) Darin u.a. Merkwürd[ige] Befunde in d. Geburtenstatistik und Warum werden in Kriegszeiten verhältnismässig viel Knaben geboren?
  • Karl Marbe: Über die Lebensdauer der Deutschen in Stadt und Land. Verlag Theodor Steinkopff, Dresden, Leipzig (1944)
  • Karl Marbe: Selbstbiographie des Psychologen Geheimrat Prof. Dr. Karl Marbe in Würzburg. Herausgegeben im Namen der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinisch-Deutschen Akademie der Naturforscher von Emil Abderhalden. Halle (Saale) (1945) (UB Z 48.80-1/4)

Karl Marbe, Albert Thumb, David J. Murray: Experimentelle Untersuchungen über die psychologischen Grundlagen der sprachlichen Analogiebildung (Neudruck). John Benjamins, Amsterdam (1978) ISBN 90-272-0971-5

Posthume Publikation

  • Armin Stock (Hrsg.): Zeitgemäße populäre Betrachtungen für die kultivierte Welt. Aus dem Nachlass eines deutschen Gelehrten. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u. a. (2016) ISBN 978-3-653-95509-5. Abdruck von Marbes Otiginalmanuskript aus den Jahren 1939-1945, ergänzt durch Biographie und Anmerkungen) ([[UB)) 20/NZ 99172 Z48.2016)

Siehe auch

Pressespiegel

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise