Hans Rietschel

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Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Philipp Johannes „Hans“ Rietschel (* 11. September 1878 in Wittenberg; † 10. Juni 1970 in Wertheim) war Arzt, Professor für Kinderheilkunde und Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Würzburg.

Leben und Ausbildung[Bearbeiten]

Johannes Rietschel wurde als Sohn des evangelischen Theologen Georg Rietschel und seiner Frau Karoline, geb. Müllensiefen, geboren. Er besuchte die Volksschule in Wittenberg und ab 1887 in Leipzig, wo sein Vater Pfarrer war. 1888 ging er ans Gymnasium in Leipzig, wo er 1897 die allgemeine Reifeprüfung absolvierte. Im selben Jahr begann er mit dem Studium der Medizin in Leipzig, wo er auch am 21. März 1902 die Ärztliche Prüfung mit der Note „sehr gut“ bestand. 1902 wurde er am Physiologischen Institut der Universität Leipzig promoviert.

Als Kinderarzt wurde „Hans“ Rietschel ab 1. Oktober 1904 an der Berliner Charité bei Professor Otto Heubner (1843-1926) [1], dem ersten Lehrstuhlinhaber für Kinderheilkunde in Deutschland, ausgebildet. 1907 wurde er zum Leitenden Arzt des renommierten Dresdner Säuglingsheims berufen, welchem er zu einem deutlichen Aufschwung verhalf. Zum Professor wurde er am 18. Dezember 1911 ernannt. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Rietschel im Gefangenenlazarett Königbrück als Beratender Arzt und ab dem 1. Mai 1915 als Stabsarzt eingesetzt.

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

Am 6. April 1917 wurde Rietschel - noch ohne habilitiert zu sein - als Nachfolger von Jussuf Ibrahim auf Würzburger Extraordinariat für Kinderheilkunde berufen und übernahm die Leitung der Universitäts-Kinderklinik. Zunächst wirkte er, da eine stationäre Aufnahme kranker Säuglinge im Juliusspital nicht möglich war, wie sein Vorgänger im Gebäude der Poliklinik in der Textorstraße 26. Dann behandelte er in einem Haus des Roten Kreuzes in der Huebergasse und später in der Friedenstraße. Am 17. Januar 1921 [2] wurde er zum ersten Ordinarius für Kinderheilkunde der Universität Würzburg ernannt. Unter seiner Leitung zog die Kinderklinik ab 1. Januar 1923 ins Luitpoldkrankenhaus um, wo die kleinen Patienten von Februar 1923 an Aufnahme fanden.

Im Januar 1946 war Rietschel von der amerikanischen Militärregierung seiner Stellung enthoben worden, hat die Klinik aber nach eigenen Angaben bis zum April 1946 weitergeführt. 1947 wurde er als „Mitläufer“ zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Ausmaß seiner Verstrickung in das nationalsozialistische Regime ist allerdings unklar. Er war Mitglied diverser nationalsozialistischer Organisationen und als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde an deren „Arisierung“ beteiligt. Ehemalige Mitarbeiter verneinten jedoch später eine aggressive nationalsozialistische oder antisemitische Einstellung Rietschels und es gibt bislang keine Belege für seine Beteiligung am nationalsozialistischen Programm der „Kindereuthanasie“. [3]

Nach kommisarischer Leitung der Klinik durch die Assistenzärztin Dorothea Lehmann und den Hamburger Privatdozenten H. Kirchmair wurde Josef Ströder 1948 Rietschels Nachfolger in Würzburg. [4]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde (ab 1948) und der Sächsisch-Thüringischen Gesellschaft für Kinderheilkunde (ab 1952)
  • 11. November 1958: Ehrendoktorwürde der Medizinischen Akademie zu Dresden
  • Dezember 1965: Rinecker-Medaille in Gold
  • Benennung einer Säuglingsstation im Luitpoldkrankenhaus als „Station Rietschel“. [5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Jeschke: Meilensteine in der Geschichte der Universitäts-Kinderklinik Würzburg. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 20 (2001), S. 96-107; S. 100-103
  • Wikipedia: Hans Rietschel
  • Martin Hofer: Hans Rietschel (1878-1970) - Direktor der Universitäts-Kinderklinik Würzburg von 1917 -1946. Medizinische Dissertation, Würzburg 2006
  • Johannes Oehme: Der nicht habilitierte Ordinarius. Pädiatrie hautnah 1 (1990), S. 50 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Oehme: Otto Heubner (1843-1926) - sein Leben und sein Werk. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 13 (1995), S. 423-430
  2. Martin Hofer, a.a.O., S. 18
  3. zitiert aus: Internetseite der Universitäts-Kinderklinik
  4. Josef Ströder, unter Mitarbeit von J. Sauerbier und A. Derks: Zur Geschichte der Kinderheilkunde und der Kinderklinikder Universität Würzburg. In: Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Hrsg. von Peter Baumgart, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1982, S. 897-908; S. 899 f.
  5. Josef Ströder, a.a.O., S. 900