Jussuf Ibrahim

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Prof. Dr. Jussuf Ibrahim

Prof. Dr. Jussuf Ibrahim (* 27. Mai 1877 in Kairo; † 3. Februar 1953 in Jena) war Kinderheilkundler und Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Leben und Wirken

Ibrahim hatte einen ägyptischen Vater und eine deutsche Mutter, wurde aus der Heimat vertrieben und wuchs in Neapel und München auf. Er studierte dort und in Kairo Medizin, habilitierte sich als erster in Heidelberg für das Fach Pädiatrie, übernahm später die Leitung des Gisela-Hospitals in München-Schwabing und wurde dort 1912 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Professor in Würzburg

Jussuf Ibrahim war 1915 der erstberufene Extraordinarius für Kinderheilkunde in Würzburg. Nach seiner Ankunft in Würzburg überließen ihm der Internist Dietrich Gerhardt für seine klinische Arbeit die bereits 1840 bereitgestellte kleine juliusspitälische Kinderabteilung und der damals gleichzeitig amtierende Polikliniker Robert Müller die bisher in die Medizinische Poliklinik integrierte ambulante Kinderklinik. Da für diese nun keine Räume mehr zur Verfügung standen, nahm Ibrahim mit einer angemieteten Privatwohnung in der Textorstraße 26 vorlieb. Für die Behandlung kranker Säuglinge fehlten ebenfalls noch Aufnahmemöglichkeiten. Die Medizinische Fakultät gestattete Ibrahim zwar, seine Tätigkeit auf Kinder bis 14 Jahre auszudehnen, eine Infektionsabteilung zu eröffnen und sich noch einen Assistenten einzustellen, aber sie konnte sich nicht durchringen, ihm eine Prüfungslizenz zu gewähren.

Unter diesen Voraussetzungen wechselte er am 1. April 1917 als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Kinderheilkunde in Jena bis zu seinem Tod.

Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus

Erst nach seinem Ableben wurde bekannt, dass er während der Zeit des Nationalsozialismus an der Tötung schwerstgeschädigter Kinder beteiligt gewesen war und im Einzelfall schwerstbehinderte Kinder persönlich zur „Euthanasie“ eingewiesen hatte. [1]

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Reinhard Jeschke: Meilensteine in der Geschichte der Universitäts-Kinderklinik Würzburg. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 20 (2001), S. 96-107; S. 99 f.
  • Johannes Oehme: Die Vaterfigur Jussuf Ibrahim (1877-1953). Pädiatrie hautnah 6 (1998), S. 398-400

Weblinks

Einzelnachweise

  1. vgl. den Bericht der Kommission der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Untersuchung der Beteiligung Prof. Dr. Jussuf Ibrahims an der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ während der NS-Zeit.