Hans Herolt

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Hans Herolt (* in Hopferstadt; † 14. Dezember 1609 in Würzburg) [1] war Buchbinder in Würzburg zur Zeit Fürstbischof Julius Echters.

Leben und Wirken

Seit etwa 1560 in Würzburg als Buchbinder nachgewiesen, wurde Herolt 1569 Bürger. [2] In seinen Anfangsjahren hatte er offenbar wirtschaftlich sehr zu kämpfen; noch 1575 wird er als „unvermöglich und arm“ bezeichnet. Anfang der 1580er Jahre konsolidierte sich seine Lage. 1585 nennt er sich im Begleitschreiben zur Buchbinderordnung „Meister des Buchbinderhandwerks“ und steht damit gleichberechtigt neben den Hofbuchbindern Gregor Schenk, Georg Freyberger und Jakob Preisger.

Von seinem Lehrmeister Hans Rietzsch erhielt er zwei kleine Buchplatten mit der Darstellung von St. Kilian und St. Burkard (nicht zu verwechseln mit der Großen Kiliansplatte der Hofbuchbinderei), die er häufig auf seinen Einbänden verwendete. Seine Stempelsignatur ist H H.

Hans Herolt fertigte auch repräsentative Kalblederbände mit goldgeprägten Platten in Bandwerkornamentik. In ihm hat man auch den lange Zeit unidentifizierten „Fides-Meister“ zu sehen.

Herolt taucht nirgends als Hofbuchbinder Julius Echters auf, hat allerdings zeitweise für ihn gearbeitet. [3] Er hatte seine zahlreiche Kundschaft vor allem unter den Klöstern in der Stadt selbst (z.B. Jesuiten und St. Stephan) und im Umland. Abt Martin Knödler (1586-1615) von der Benediktinerabtei Neustadt am Main erteilte ihm besonders viele Aufträge und ließ ihn später sogar in das Necrologium des Klosters eintragen.

Nach Hans Herolts Tod wurde die Werkstatt von seinem gleichnamigen Sohn bis 1616 weitergeführt.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Abklatsch, Falz und Zwiebelfisch: 525 Buchdruck und Bucheinband in Würzburg. Ergon, Würzburg, 2004. ISBN-10: 3899133668
  • Heinrich Endres: Die erste Würzburger Buchbinderordnung vom 13.Juni 1585. In: Archiv für Buchbinderei 40 (1940) S. 33-35
  • Heinrich Endres: Hans Herolt aus Würzburg, der Meister der Bischofsplatten „Kilian“ und „Burkard“. In: Archiv für Buchbinderei 32 (1932) S. 49-51
  • Heinrich Endres: Sankt Kilian und Sankt Burkard auf fränkischen Buchplatten der Juliuszeit. In: Altfränkische Bilder 1929
  • Alfons Schott: Julius Echter und das Buch. Phil. Diss. Würzburg 1953
  • Andreas Wittenberg: Hans Herolt, Würzburg (Haebler I 180 ff.). In: Einband-Forschung 3 (1998) S. 25
  • Angelika Pabel: Der Würzburger "Fides-Meister". In: Habent sua signa libelli. Berlin 2015, S. 127-139
  • Armin Schlechter: Einbände der Würzburger Werkstatt von Hans Herolt für Martin Knödler, Abt des Benediktinerklosters Neustadt am Main, in der Bibliothek des Benediktinerklosters Maria Laach. In: Habent sua signa libelli. Berlin, 2015, S. 141-162
  • Helmut Engelhart: Der Renaissanceeinband des Brüsseler Missale Herbipolense von 1484 aus der Offizin des Würzburger Inkunabeldruckers Georg Reyser: zu einem goldgeprägten Dedikationseinband aus der Bindewerkstatt des Hans Herolt und verwandten Einbänden in „orientalischer Manier“. In: Habent sua signa libelli. Berlin 2015, S. 109-125
  • Hopferstadt: ein Dorf im Ochsenfurter Gau. Kath. Kirchenstiftung, Hopferstadt, 2006. - darin unter "Prominente Kunsthandwerker": Hans Herolt [mit Abb. des Einbandes UB Würzburg I.t.f.378], S. 296-297

Einzelnachweise

  1. Im Nekrolog der Benediktiner-Abtei Neustadt/M. (Beiband im Frühdruck 356 der Abteibibliothek Maria Laach) s. Paulus Volk: Das Necrologium der Benediktiner-Abtei Neustadt am Main. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 6 (1938), S. 38
  2. Eintrag in die Bürgermatrikel (Stadtarchiv Würzburg Ratsbuch 215, Bl. 26v = Nr. 8921)
  3. Angelika Pabel: Der Würzburger „Fides-Meister“. In: Habent sua signa libelli. Berlin, 2015, S. 127 - 139