Habima-Skandal

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Habima-Flugblatt

Der Habima-Skandal bezeichnet die gewalttätigen Proteste während einer Theateraufführung und den darauf folgenden Prozessen.

Geschichte[Bearbeiten]

„Habima“ ist eine jüdische Theatertruppe, die am 19. November 1930 mit dem Stück „Der Dibbuk“ im Würzburger Theater auftraten. Nach Aufruf des Gauleiters Otto Hellmuth und dem Verteilen von Flugblättern („Deutsche Volksgenossen! Mittwoch, den 19. November, abends 8 Uhr soll im Würzburger Stadttheater das Moskauer jüdische Theater Habima auftreten. Protestiert mit uns gegen diese Kulturschande!“) kamen am Aufführungstag mehrere hundert Protestler vor dem Theater zusammen, um gegen die Aufführung zu protestieren. Die überwiegend jüdischen Theaterbesucher wurden unter Polizeischutz gestellt und über den Hintereingang in das Theater gebracht. Auch das Stürmen des Theaters wurde versucht. Nach der Aufführung wurden mehrere Besucher auf dem Heimweg gewalttätig angegangen und verletzt.

Nachdem heftige Vorwürfe gegen das Verhalten der Sicherheitskräfte bei den Ausschreitungen laut geworden waren, debattierte der Polizei- und Verwaltungssenat des Würzburger Stadtrats in seiner Sitzung vom 20. November 1930 ausführlich über die Vorfälle. [1] Oberbürgermeister Hans Löffler und der für das Theater zuständige Rechtsrat Wirth verurteilten die Ausschreitungen und betonten den künstlerischen Wert der Veranstaltung. Dem gegenüber bezeichnete der NSDAP-Stadtrat Wolz die Aufführung als eine Provokation und Vertiefung der Spaltung im deutschen Volk. Einig war man sich wieder in der Forderung nach einem stärkeren Auftreten des Staates zur Wahrung der gestörten öffentlichen Ordnung. [2]

Konsequenzen[Bearbeiten]

Es wurden elf Personen wegen Landfriedensbruchs und anderer Vergehen angeklagt. Im März 1931 wurden acht der Randalierer verurteilt, aber nur vier davon zu einer Haftstrafe. Viele Beobachter waren der Meinung, dass das Gericht zu milde Strafen verhängte und nicht in der Lage war die Tathergänge korrekt zu rekonstruieren.

Aufgrund antisemitischer Gewalttätigkeiten wie beim Habima-Skandal und antijüdischer Polemik und Agitation, wie sie auch in Unterfranken seit 1925 vermehrt zu verzeichnen waren, begann die Zahl der Auswanderung jüdischer Bürger bereits vor der Machtergreifung Hitlers 1933 deutlich anzusteigen. [3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Würzburg, Ratsprotokolle des Würzburger Stadtrats 393, Sitzung des Polizei- und Verwaltungssenats vom 20. November 1930
  2. Würzburger General-Anzeiger Nr. 269, 21. November 1930, S. 3
  3. Leonhard Scherg: Die Jüdischen Gemeinden. In: Unterfränkische Geschichte. Hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günther Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 149-158 und 173-188; S. 173

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]