Georg Reyser

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Georg Reyser, auch Georg Reiser (* Ensingen bei Vaihingen um 1440; † wohl 1504) ist der einzige Inkunabeldrucker [1] Würzburgs. Er zählt zu den ersten bedeutenden Notendruckern.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Am 27. August 1471 erwarb Georg Reyser das Straßburger Bürgerrecht und trat in die Zunft der Maler und Goldschmiede ein. Er betrieb zusammen mit seinem Bruder Michael von 1467 bis 1479 im Haus „Am Dumenloch“ die Offizin, der man den Notnamen „Drucker des Henricus Ariminensis“ gab, da keiner der zahlreichen Drucke firmiert ist (aber die Typen auch für die Würzburger Produktion verwendet wurden).

Drucker in Würzburg[Bearbeiten]

1479 erteilte der Würzburger Bischof Rudolf II. von Scherenberg Reyser und seinen Gesellschaftern Stephan Dold und Johann Beckenhub ein Privileg für den Druck des „Breviarium Herbipolense“ (Würzburger Brevier). Für das Bistum Würzburg sollten die vielfach in unterschiedlichen Versionen verwendeten Handschriften durch einen allgemein verbindlichen textidentischen Druck ersetzt werden. Die Dreier-Gesellschaft löste sich zwar bereits im selben Jahr auf, jedoch blieb Reyser selbst bis 1503 ununterbrochen bischöflich bestellter Hofbuchdrucker. Nach Scherenbergs Tod erneuerte sein Nachfolger Lorenz von Bibra 1496 das umfassende Druckprivileg. Im gleichen Jahr hatte Reyser das Würzburger Bürgerrecht erworben. Es entstand in den Würzburger Jahren eine lange Reihe liturgischer Drucke (Graduale, Antiphonar, Missale, Vigilien, Breviere).

Bereits im „Breviarium Herbipolense“ wandte Georg Reyser Rot-Schwarz-Druck an. Das Wappenbild unter dem Druckprivileg wurde in einem zweiten Arbeitsgang als Kupferstich eingefügt. Dieses komplizierte Verfahren (es kombiniert Hoch- und Tiefdruck) führte Reyser hier zum ersten Mal ein. 1481 entstand das „Missale Herbipolense“ (Würzburger Messbuch), ebenfalls mit großem Wappen-Kupferstich und einer bedeutenden Kupferstich-Kreuzigung des Meisters A.G.

Zu den frühesten Notendrucken gehört die 1482 gedruckte „Agenda Herbipolensis“, eine Art liturgisches Handbuch mit Gebets- und Gesangsanweisungen. [2] „Nicht nach 1489“ erschien ein „Psalterium“ (Bruno-Psalter), das sehr weit verbreitet war. Allein in der Universitätsbibliothek Würzburg existieren noch neun Exemplare, die teilweise sehr üppig illuminiert sind.

Außer den Liturgica druckte Reyser im Dienst der fürstbischöflichen Verwaltung Formulare, Ablassbriefe, Almanache, amtliche Erlasse und ähnliches Material; insgesamt sind heute 24 derartige Gelegenheitsschriften als Einblattdrucke bekannt. Gelegentlich übernahm Reysers Offizin auch Drucke für nichtkirchliche Auftraggeber, z.B. den Rat der Stadt (Einladung zum Bürgerschießen, sog. Ladschreiben). [3]

Georg Reyser ist letztmals am 22. Januar 1504 als Zeuge in Würzburg belegt. [4] Ob er danach von Würzburg wegzog, wann und wo er gestorben ist, ist nicht bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Meyer: Georg Reyser. Der Meister des Würzburger Frühdrucks. Echter Verlag, Würzburg 1981
  • Helmut Engelhart: Georg Reyser zum 500. Todestag. In: Mainfränkisches Jahrbuch 56/2004, S. 130-161
  • Helmut Engelhart: Die frühesten Druckausgaben des Missale herbipolense (1481-1503). In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 62/63 (2001), S. 69-174
  • Kurt Ohly: Reysers Wirken in Straßburg und Würzburg. In: Gutenberg-Jahrbuch 31 (1956). S. 121-140
  • Kurt Ohly: Georg Reyser als Buchhändler. In: Gutenberg-Jahrbuch 32 (1957), S. 48-60
  • Severin Corsten: Reyser, Georg. In: Lexikon des gesamten Buchwesens (LGB2) Bd. 6, S. 294
  • Ferdinand Geldner: Die deutschen Inkunabeldrucker. Bd. 1. Stuttgart, 1968, S. 63-64
  • Ilona Hubay: Incunabula der Universitätsbibliothek Würzburg. Wiesbaden 1966 (Inkunabelkataloge bayerischer Bibliotheken. [1].)
  • Heinrich Endres: Der Würzburger Buchdrucker Georg Reiser. In: Die Mainlande. 14 (1963), S. 87-88, 92

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. Als Inkunabeln (von lat. incunabula, „Windeln, Wiege, Ursprung“) oder Wiegendrucke werden die zwischen der Fertigstellung der Gutenberg-Bibel im Jahr 1454 und dem 31. Dezember 1500 mit beweglichen Lettern gedruckten Bücher und Einblattdrucke bezeichnet. Nähere Informationen bei Wikipedia [1].
  2. Bernhard Janz: Musikverlagswesen. In: Musikalisches Gewerbe, bearbeitet von Ulrich Konrad, in: „Unterfränkische Geschichte“, hrsg. von Peter Kolb und Ernst-Günter Krenig, Band 5/2, Echter Verlag, Würzburg 2002, S. 228-237, S. 228
  3. Abklatsch, Falz und Zwiebelfisch. 525 Jahre Buchdruck und Bucheinband in Würzburg. Ergon, Würzburg, 2004. S. 11-13
  4. Heinrich Endres: Der Würzburger Buchdrucker Georg Reiser. In: Die Mainlande. 14 (1963), S. 87