Fürstbischöfliches Jagdzeughaus

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Ehemaliges Fürstbischöfliches Jagdzeughaus (Seitenansicht)

Das ehemalige Fürstbischöfliche Jagdzeughaus im Stadtteil Mainviertel in der Zeller Straße 40 ist ein nach den Plänen von Balthasar Neumann 1724 errichteter dreigeschossiger Mansarddachbau mit Halbwalmgiebeln.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1615 hatte Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Bereich der später vorverlegten Befestigungsmauer eine Hofscheune errichten lassen.

Die Baupläne für das zur Regierungszeit von Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn (1719 - 1724) in Auftrag gegebene fürstbischöfliche Jagdzeughaus stammen von Balthasar Neumann. [1] Am 21. Juni 1724 übersandte er drei Grundrisse an den Fürstbischof, der zur Kur in Bad Schlangenbad war, und meldete, dass der Bau des Jagdzeughauses noch in diesem Jahr „unter das Dach“ kommen soll. [2]

Bei der Säkularisation im Jahre 1803 ging das Gebäude an den Staat über und blieb zunächst ohne Nutzung. 1821 wurde das Gebäude dem Militär unentgeltlich zur Benutzung überlassen. Das 2. Feldartillerie- und später das Trainbataillon nutzten das Gebäude als Stallung.

Nach dem völligen Umbau des Gebäudes von 1922 wurden die drei oberen Geschosse dem als Behörde in Würzburg neu eingerichteten Flurbereinigungsamt überlassen. Im Erdgeschoss waren das Kultur- und Messungsamt untergebracht. Dass das Gebäude beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 nicht vollständig niederbrannte, ist dem Luftschutzwart Josef Fassnacht zu verdanken. Es gelang ihm und seiner kleinen Feuerwache, die Brandbomben, die das Dach durchschlagen hatten, zu löschen. Die Gebäude der Umgebung brannten fast alle nieder. Ab 1945 waren im ehemaligen Jagdzeughaus für einige Jahre Dienststellen der Stadtverwaltung beheimatet, die nach der Herstellung ihrer Räume im Hochhaus Augustinerstraße das gesamte Gebäude für die Flurbereinigung frei gab.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das aus massivem Bruchsteinmauerwerk errichtete Gebäude hat die Außenmaße 52,30 x 14,62 Meter. Die Fundamente stehen auf dichtgelagerten Kalksteinschichten des anstehenden Wellenkalks. Die Zugänge waren große Portale an den Schmalseiten. Das Erdgeschoss wurde mit Kopfsteinen gepflastert und als Stallung für Pferde und Stellplätze für Wagen eingerichtet. Die Geschosshöhe betrug 3,82 Meter. Die Wasserversorgung erfolgte mit Fließwasser von einem westlich des Gebäudes liegenden städtischen Brunnen. Die Treppe im südöstlichen Eck des Gebäudes führte zu dem darüber liegenden Zwischengeschoss, das eine Geschosshöhe von 2,70 Metern hatte und als Magazin diente.

Darüber befand sich die „1. Etage“ mit einer Geschosshöhe von 5,50 Metern. Dieses Geschoss hatte fünf große Lagerräume für Waffen und Gerät, die von einem an der südlichen Gebäudeseite verlaufenden 4,60 Meter breiten Gang zugänglich waren. Die südliche Fassade hatte acht Fensterachsen mit profilierter Umrahmung. [3]

Über dieser „1. Etage“ war ein Dachraum mit einer Höhe von 3,65 Metern für Geräte und darüber ein weiterer Dachraum mit 2,50 Metern Höhe für Trockenfutter. Das Futter wurde über eine nach Osten vorragende Dachgaube über ein heute noch erhaltenes Aufzugrad von ca. 3,50 Metern Durchmesser hinauf gezogen.

Im Jahre 1922 wurde das Gebäude völlig umgebaut. Der Baubeginn war am 22. September 1922. Das Gebäude wurde - unter Beibehaltung der Außenmauern - 4-geschossig mit nunmehr 17 Fensterachsen gestaltet. An der Südseite zur Zeller Straße hin wurde ein neuer Zugang mit doppelläufiger Treppe angebracht. Über ein neu angelegtes Treppenhaus in der Mitte des Gebäudes wurden alle Stockwerke erschlossen. Das untere Dachgeschoss wurde in ein Mansardengeschoss umgebaut.

Westportal mit Diana-Gruppe (1726)
Bei der Planung des Westportals zieht Jakob van der Auwera den Entwurf von Clemens Anton Lünenschloß heran, der drei Jahre älter ist als ein ebenfalls existierender Entwurf von Claude Curé, vielleicht geschieht dies auch auf Geheiß des Fürstbischofs Johann Philipp Franz von Schönborn, und bringt wohl auch durch seinen Sohn Johann Georg Wolfgang van der Auwera Gedanken des Curés mit ein. [4]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten, Gebrüder Memminger Verlagsbuchhandlung, Würzburg 1921, S. 398
  • Werner Stahr: Unser Arbeitsplatz am Schottenanger - Vom Staufischen Königshof über die Deutschherren-Komturei und das Fürstbischöfliche Jagdzeughaus zum technischen Dienstleistungszentrum (1970) in 75 Jahre Verwaltung für Ländliche Entwicklung in Unterfranken, Hrsg.: Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken Würzburg, Würzburg 1998
  • Die historischen Gebäude der Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken Würzburg, Hrsg.: Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken Würzburg
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Baudenkmäler in Würzburg, Nr.D-6-63-000-637

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felix Mader: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern von Unterfranken & Aschaffenburg XII: Stadt Würzburg, R. Oldenburg Verlag, München 1911
  2. Staatsarchiv Würzburg, Bausachen Nr. 355/I, S. 105 und 107
  3. Stadtarchiv Würzburg, Bauakt Zeller Straße 40
  4. Eckhard Mainka: Die künstlerische Beziehung des Hofmalers Clemens Anton Lünenschloß zum Hofbildhauer Jacob van der Auwera während der Regentschaft des Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst Band 32, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. 1980, S. 147 f.

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