Heidingsfelder Sühnebildstock

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Heidingsfelder Sühnebildstock in der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius
Kopie des Sühnebildstocks in der Wenzelstraße
Sühnebildstock-Detail.jpg

Der Heidingsfelder Sühnebildstock aus dem Jahre 1432 zählt zu den zehn bedeutendsten Rechtsdenkmälern Deutschlands und befindet sich in der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius im Stadtbezirk Heidingsfeld.

Geschichte[Bearbeiten]

Zunächst stand der Sühnebildstock am Wiesenweg in Höhe der Jahnwiese gegenüber der AOK, danach vor dem Nikolaustor. Bedingt durch Veränderungen in der Umgebung des Nikolaustors wurde er später mehrfach umgesetzt und fand schließlich seinen Standort in der Wenzelstraße. Um 1980 wurde das Original durch eine Kopie ersetzt. Nach einer langen Odyssee wurde der ursprüngliche Bildstock dank des Engagements der Bauhütte Alt Heidingsfeld e.V. am Josefstag, 19. März 2005 feierlich unter den Schutz der Pfarrgemeinde St. Laurentius gestellt.

Beschreibung[Bearbeiten]

„Bildstock, sog. Heidingsfelder Sühnebildstock, bedeutendes Zeugnis der mittelalterlichen deutschen Rechtsgeschichte, schmaler Inschriftschaft mit Flachrelief des hl. Laurentius und Stifterfigur (Kopie, 2. H. 20. Jh.), Reliefaufsatz mit krabbenbesetztem Giebel und Kreuzigungsgruppe (Kopie von 1935), Sandstein, gotisch, bez. 1432.“

Ikonografie[Bearbeiten]

  • Aufsatz: Kreuzigungsszene mit vier Assistenzfiguren
  • Pfeilerschaft: Bildnis des heiligen Laurentius

Inschrift[Bearbeiten]

Die Inschrift auf der Säule bezeugt die Tat:

Cuncz . rudiger . hot . hannsen . virenkronen
derstochen . und . das geschehen .
Do . man . zalt . von . Krist . gepurt .
M . CCCC und XXVIII
jor uff unsers herrn auffertag . dornhoch . ist die
besserung . geschehen . in . dem . firden . jor .
am . nechsten . suntag . noch . obersten .
(Cuncz Rudiger erstach am Ostertag 1428 Hanssen Vierkronen.
Nach vier Jahren, am ersten Sonntag nach Ostern 1432,
hatte er die ihm auferlegte Buße abgeleistet.)

Errichtungsgrund[Bearbeiten]

Der Sühnebildstock erinnert an ein Kapitalverbrechen, in dem der Heidingsfelder Bürger Rudiger Cuntz seinen Nachbarn Hans Virnkorn erschlug.

Sühnevertrag[Bearbeiten]

Der Sühnevertrag vom 26. Januar 1432, niedergelegt im Heidingsfelder Gerichtsbuch, nennt vier Wiedergutmachungsleistungen, zu denen sich der Täter verpflichtete. Der Übeltäter muss ein steinernes Sühnekreuz errichten, das in aller masse und ways den Bildstöcken vor dem Ober- und Klingentor gleicht, 20 Pfund Wachs zu gottesdienstlichen Zwecken für die Seelenruhe des Getöteten liefern und eine Geldentschädigung in Höhe von 15 Gulden für die unmündigen Kinder des Getöteten zahlen. Außerdem muss er drei Sühnewallfahrten zu den großen Heiligtümern des Mittelalters (Aachen, Maria Einsiedeln, Santiago de Compostela) unternehmen. Mit der Sühne soll der Streit ein für allemal beendet sein, kein Grund zur Blutrache mehr bestehen und eine Freundschaft ohne hinterhältige Gedanken möglich werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

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