Buchnersches Palais

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Buchnersches Palais (1939)
C&A-Filiale (2023)

Das Buchnersche Palais war ein repräsentativer Bau der Würzburger Ringstraßenarchitektur mit Neorenaissance-Fassade. Es befand sich an der Stelle des heutigen C&A zwischen Kaiser- und Bahnhofstraße, neben dem Kaisergärtchen.

Entstehung

Das Buchnersche Palais wurde 1877/1878 von Carl Buchner, Mitinhaber der seit 1866 bestehenden Baufirma Friedrich Buchner [1], mit eigenem Kapital und auf eigenes Risiko als Familienpalais errichtet.

1876 herrschte Rezession, und das Stammpersonal der Firma musste über den Winter 1876 gebracht werden. Am 20. Dezember ging folgender Antrag an den Würzburger Magistrat: „Der Andrang vieler arbeitsloser Arbeiter veranlassen ergebenst unterzeichneten zum Gesuch um Genehmigung der Erdarbeiten an den von ihm an der Kaiserstraße erworbenen Bauplätzen. Auf baldige Genehmigung hoffend, verbleibt in Hochachtung ergebenst. Fr. Buchner“. Dass auch der Stadt der Ernst der Lage bewusst war, zeigt die Tatsache, dass bereits zwei Tage später die Genehmigung vorlag. Die Erdaushubarbeiten auf dem Areal zwischen Kaiser- und Bahnhofstraße begannen. Am 4. April 1877 wurden die Pläne zum Bau des Palais – neun Blätter in einer Mappe – zur Genehmigung eingereicht. Binnen eines Jahres stand der Rohbau.

Das Gebäude blieb bis zu Carl Buchners Tod 1893 in dessen Besitz und ging dann an seine Witwe Therese, die mit ihren Kindern wieder in ihre Geburtsstadt München zog. 1921 eröffnete die Deutsche Bank im Buchnerschen Palais ihre erste Würzburger Filiale. 1922 verkaufte Therese Buchner das Palais an die Deutsche Bank, den Erlös fraß freilich die Inflation zum großen Teil auf.

Baubeschreibung

Das Gebäude diente als repräsentativer Geschäfts- und Wohnsitz. Das Gebäude zwischen der Kaiser- und Bahnhofstraße wurde aus der Linie der Ringstraßenarchitektur etwas nach hinten versetzt und schuf damit Raum für das Kaisergärtchen. Beidseitig dieser Grünfläche wurden die Kopfbauten der angrenzenden Bauzeilen am Hauger- und Röntgenring symmetrisch gestaltet. So entstand im Gesamtbild ein repräsentativer Stadteingang und ein baulicher Gegenpart zum neuen Hauptbahnhof.

Das Palais war in drei Teile gegliedert, mit drei eigenen Eingängen und Treppenhäusern zur Hofseite. Zum Hauptbahnhof hin zeigte das Haus seine repräsentative Seite. Aufwändige Bauplastik mit Säulen, prächtigen Kapitellen und Statuen. Ein Flügel öffnete sich nach Osten zur Bahnhofstraße, im Flügel nach Westen hin zur Kaiserstraße waren im Erdgeschoss Ladengeschäfte untergebracht. Ein Geschoss hatte sechs Wohnungen mit 77 bis 161 Quadratmetern, pro Etage ergab sich eine Gesamtwohnfläche von 712, im ganzen Gebäude von gut 3.500 Quadratmetern. Das ganze Palais mit Keller und Dachausbildung brachte es auf etwa 25.000 Kubikmeter umbauten Raums.

Wiederaufbau nach 1945

Im Zweiten Weltkrieg brannte das Gebäude aus, die Bausubstanz blieb jedoch großteils erhalten. Banken hatten mit dem Wohnbau Priorität beim Wiederaufbau, so erfolgte der Aufbau des Palais bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Fassadenaufriss wurde beibehalten, bei der Neugestaltung wurde jedoch das Mezzaningeschoss mit seinen Rundbogenfenstern wurde bis auf die drei Mittelfenster abgetragen. Das ehemals relativ flache Metalldach wurde nun steiler angelegt und mit Gauben versehen. Ansonsten war der mehrgeschossige Bau auf seinem zwei Stockwerke umfassenden Sockel und mit seinen drei Risaliten erhalten geblieben.

Abriss

Ende der 1960er Jahre zog die Deutsche Bank in ein neues Gebäude an der Juliuspromenade und gab damit den Sitz am Kaiserplatz auf. Mit dem Auszug der Deutschen Bank wurde dieses bedeutende Beispiel gründerzeitlicher Architektur in Würzburg aufgegeben. Der Bau wurde reinem Wirtschaftlichkeitsdenken geopfert. Mit dem bereits 1966 genehmigten Abbruch war die Auflage verbunden gewesen, den Neubau jedenfalls als Schlussbau zu errichten, d.h. mit Seitenrisaliten und zurückgesetztem Mittelteil, was - so die städtischen Behörden - „letzter Rest einer Ehrenhofgliederung„ [2] darstellen sollte. Daraufhin erfolgte in kurzer Zeit die Entscheidung zum Abbruch und funktionellen Neubau auf dem Grundstück. Die Entscheidung des Stadtrats löste aber auch Proteste in der Bevölkerung und den Medien aus. 1971 fand der Abbruch statt. Die heutige Fassade des Gebäudes, das 1972 so vom Baukunstbeirat genehmigt worden war und 1973 fertiggestellt wurde, erinnert nur noch vage an das ursprüngliche Konzept. Hier ist die horizontale Gliederung bestimmend; die Aufteilung der Wandflächen, die mit Rotsandsteinplatten verkleidet wurden, und die Fensterpartien unterlagen keinem symmetrischen Grundgedanken.

Historische Abbildungen

Heutige Nutzung

Heute steht auf dem Grundstück der Neubau des Bekleidungshauses C&A.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Annelies Buchner, Walter Buchner und Mathias Wiedemann: Architekten, Ingenieure, Baumeister, Kaufleute - 120 Jahre Bauunternehmung Friedrich Buchner, Würzburg 1866 - 1986, Verlag Karl Hart, Volkach (1986 und) 2001
  2. Fränkisches Volksblatt 18. Januar 1968

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