Weinhaus zum Stachel

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Hof zum Stachel/Weinhaus zum Stachel
Hof zum Stachel/Weinhaus zum Stachel, Innenhof

Das Weinhaus zum Stachel ist ein Traditionslokal in der Würzburger Altstadt, unweit des Unteren Marktes. Es befindet sich im Hof zum Stachel und gilt als der älteste Gasthof der Stadt. Während der warmen Jahreszeit wird auch der sehenswerte historische Innenhof bewirtschaftet.

Geschichte[Bearbeiten]

Erläuterung am „hinteren Gressenhof“

Ältester erhaltener Teil des Gebäudes ist ein romanisches Doppelportal aus der Zeit der Staufer um 1200. Die bauliche Ausgestaltung des Innenhofs mit der Balustraden-Terrasse ließ 1675 die Patrizierfamilie Hahn errichten.

Gressenhof[Bearbeiten]

Das Anwesen wird als hinterer Gressenhof um 1310 erstmals im Würzburger Lehenbuch schriftlich erwähnt. Der Hof hat seinen Namen von der bedeutenden Würzburger Ministerialenfamilie Cresse, welcher sowohl der hinteren Gressenhof als auch der vorderen Gressenhof (heute: Fürstlich Castell'sche Bank) gehörte. Diese Familie hatte sich im Laufe der Zeit in diesem Stadtteil soviel Einfluss geschaffen, dass man ihn bei der Einteilung des Stadtgebietes in Viertel zum Gressenviertel erhob [1] und das Verwaltungsgebäude 1410 in den hinteren Gressenhof verlegte. Hier hatten die Bewohner des Viertels ihre Steuern und Abgaben zu entrichten. Zu diesen Abgaben gehörte in dieser Zeit auch der Wein, weshalb es naheliegend war, dass der eingelieferte Wein zum Ausschank gebracht wurde. Am 7. April 1413 kauften der Metzger Hanns Rehlein und dessen Ehefrau und Wirtin den hinteren Gressenhof von dem Würzburger Bürger Fritz Hauwenhart und eröffneten dort eine Schenke. Der Ausschank im hinteren Gressenhof entwickelte sich zum Treffpunkt der Viertelbewohner.

Stachel[Bearbeiten]

Seinen Namen „Stachel” erhielt das Gasthaus Anfang des 16. Jahrhunderts im Bauernkrieg. Es war 1525 Treffpunkt der gegen Adel und Klerus rebellierenden Bürger und berühmter Anführer des Aufstandes. Dazu gehörten die Reichsritter Götz von Berlichingen und Florian Geyer. Auch Tilman Riemenschneider, der auf der Seite der aufständischen Bauern stand, gesellte sich zu ihnen. Bei besonderen Zusammenkünften wurde ein Morgenstern, der „Stachel”, zum Fenster des Gressenhof-Erkers hinausgehängt. Nachdem der Aufstand niedergeschlagen war, wurden Versammlungen im „Stachel” verboten und die Beteiligten mit schweren Strafen belegt. Das Haus verarmte und erst im 17. Jahrhundert wurde es bis von der Patrizierfamilie von Hahn im Stil der Spätrenaissance umgebaut. Es erhielt 1675 den idyllischen Innenhof mit seinen Balustraden und im 1. Stock stattliche Gemächer mit Stuckdecken.

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Gasthaus von einer Familie Ziegler übernommen, die den Grund für den Bekanntheitsgrad legte. Vor allem die Mutter Ziegler ging mit ihrer Originalität und ihren Kochkünsten als die alte Stachelwirtin in die Lokalgeschichte Würzburgs ein. In dieser Zeit suchte und fand Theodor Storm seinen trinkfreudigen Sohn im Stachel. Die alte Stachelwirtin verheiratete im Mai 1890 den Sohn Georg Josef mit der 21-jährigen Nichte Josephine Fischer, der Tochter des Onkels Kommerzienrat V.A. Fischer aus Königshofen im Grabfeld. Bereits im ersten Ehejahr verstarb der junge Ehemann an einer Blutvergiftung. Die junge Ehefrau Josephine hatte sich trotz der Kürze der Zeit in die Rolle der jungen Stachelwirtin so sehr eingelebt, dass sie sich nicht lange nach dem Tod des Ehemannes nach einem Nachfolger für den Stachelwirt umschaute. Sie fand diesen in Kaspar Burger, der als gelernter Metzger aus der „Ochsenmetzgerei” Burger in der Wolfhartsgasse stammte. Beide taten sich zusammen und kauften am 10. September 1894 für 100.000 Goldmark den „Stachel” von der alten Stachelwirtin. 1895 wurde Josephine Fischer die Frau des neuen Stachelwirts Kaspar Burger.

Unter der Leitung der jungen Stachelwirtin wurde die alte Bausubstanz nach und nach erneuert und entsprechend genutzt. Der Stachelwirt bemühte sich darum, autodidaktisch sein Wissen um Wein und Weinausbau zu erweitern. Die vorzügliche Zusammenarbeit zwischen Stachelwirt und Stachelwirtin trug entsprechende Früchte. Wein und Küche gewannen an Ruhm und der Besucherzahlen des Stachel nahmen stetig zu.

Zum 500-jährigen Jubiläum im Jahre 1913 gestaltete der bekannte Bildschnitzer Heinz Schiestl, der mit dem Stachelwirt befreundet war, die beiden Gasträume mit neugotischen Schnitzereien und Holzfiguren. Als sich Kaspar Burger zu Ruhe setzte, verpachtete er das Lokal an seine Tochter Gertrud, die den aus dem bekannten Wein- und Fischhaus „Drei Kronen” im Mainviertel stammenden Kilian Hochrein heiratete. Durch die Einberufung von Kilian, der die Weinstube „Zum Stachel“ 1920 von seinem Schwiegervater übernommen hatte, zum Militär zu Beginn des Zweiten Weltkrieges musste die Familie den „Stachel“ einige Jahre schließen.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Mit dem Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 kam auch das Ende des „Stachels”. Die Pracht des Gasthauses wurde ein Raub der Flammen, allerdings war von der Bausubstanz soviel erhalten geblieben, dass die Familie Hochrein 1948 mit dem Wiederaufbau begann. Nachdem das Haus von den Schuttmassen befreit war, wurde als Erstes eine massive Holztüre mit einem extra starken Eisenriegel am Zugang zu den Weinkellergewölben angebracht. Aus dem Keller, der schon während der Kriegs- und Nachkriegswirren geplündert worden war, gab es zwar nichts mehr zu stehlen, dennoch wollte die Familie Hochrein damit wieder einen eigenen privaten Raum auf dem Grundstück in der Stadt besitzen. Durch den Verkauf eines gerodeten Weinbergs im Steinbachtal, der in sechs Baugrundstücke aufgeteilt werden konnte, wurde der Beginn des Wiederaufbaus des Hauses finanziert. Um den Stachelhof für die Gaststätte freizuhalten, wurde der Hauseingang für Mieter und Eigentümer im Gegensatz zu früher in die Marktgasse verlegt. Im Sommer 1949 konnte die Familie die neue Wohnung im „Stachel” beziehen und den Fortschritt der Bauarbeiten überwachen. Die Wiedereröffnung fand am 6. Dezember 1949 statt. In den Folgejahren ließen die Hochreins das Bild des alten „Stachels” Zug um Zug wieder erstehen und auch der Innenhof erhielt wieder seinen ursprünglichen Charme zurück. Von Ende März bis Ende Mai 1957 ließ Kilian Hochrein das Wein- und Speisehaus nochmals gründlich renovieren. [2]

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Baudenkmal[Bearbeiten]

Der Stachel findet sich in der Liste der Baudenkmäler in Würzburg (Stadt) des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (Stand 18.07.2015):

 Objekt  Beschreibung  Denkmalnummer
 Gressengasse 1. Gasthaus, sog. Hof zum Stachel, seit 1410 Gasthaus, zwei-/dreigeschossige Baugruppe mit Satteldächern um einen Innenhof, Putzfassade mit romanischem Doppeltor, um 1200 und Konsolerker in Ecklage, Umbauten bis 1676, Wiederaufbau 1957 unter Einbezieheung älterer Bauteile; mit Ausstattung. nachqualifiziert  D-6-63-000-173 [1]

Stachelwirte[Bearbeiten]

  • ab 1413: Hanns Rehlein
  • um 1675: Patrizierfamilie Hahn
  • um 1728: Josef Volkmann
  • um 1840: Familie Ziegler
  • ab 1894: Kaspar Burger
  • ab 1920: Kilian Hochrein
  • ab 1962: Fritz Hochrein
  • ab 1995 bis Oktober 2004: Hubert Pöthig
  • ab November 2004 bis März 2013: Richard und Petra Huth
  • seit Oktober 2013: Rolf Schulz

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

Dienstag - Samstag: 11.30 - 24.00 Uhr
Sonntag: 11.30 - 16.00 Uhr
Montag: Ruhetag

Anschrift[Bearbeiten]

Weinhaus zum Stachel
Gressengasse 1
97070 Würzburg
Telefon: 0931 - 52 770
Telefax: 0931 - 52 777
E-Mail: info@weinhaus-stachel.de

ÖPNV[Bearbeiten]

Straßenbahn.png Nächste Straßenbahnhaltestellen: Rathaus, Dom


Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Rainer Adam: 600 Jahre Zum Stachel Würzburg (1413 - 2013), illustrierte Chronik, unter Mitwirkung von Richard Huth, Christian Müller und anderen hrsg. vom Weinhaus zum Stachel, Vinzenz Druckerei GmbH, Würzburg 2012
  • Stadelmayer-Gräter-Dettelbacher: Merian Reiseführer Mainfranken. Deutscher Taschenbuchverlag, München 1984, S. 132. ISBN 3-423-03720-2

Pressespiegel[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Erläuterungen[Bearbeiten]

  1. „Im Jahre 1410 nahm Fürstbischof Johann I. von Egloffstein eine Einteilung der Stadt Würzburg in vier innere Viertel - das Bastheimer-, Dietricher-, Geinheimer und Gressenviertel - vor, denen vier Vorstädte (Haug, Pleichach, Sand und St. Burkard) sich zugesellten. Die Benennung der vier inneren Stadtviertel erfolgte nach den vorzüglichen Gebäuden dieser Viertel; so erhielt das Gressenviertel seinen Namen nach dem Gressenhofe, dem Wohnsitz der in Würzburg und Umgebung reichbegüterten Familie Gresso (Gresse, Kresse). Ein Iring Gresso erscheint urkundlich in den Jahren 1195, 1210, 1213 und 1215; die Brüder Gotebold und Iring Gresso werden 1243, 1263 und 1265 erwähnt, dann die Brüder Johannes und Iring Kressen in einer Urkunde vom 12. März 1290; ein Marquard Gresso erscheint 1303 als Kämmerer des Bischofs Manegold von Neuenburg. Die Behausung der Familie Gresso teilte sich in den vorderen und hinteren Gressenhof; ersterer wurde 1619 an Matthias Heiligenthal, Bürger zu Würzburg, um 4400 Gulden verkauft. Der hintere Gressenhof (Gressengasse Nr. 1), das jetzige Weinhaus „Zum Stachel“, wurde im Jahre 1413 vom Bürger und Metzger Hanns Rehlein für 200 rheinische Gulden gekauft.“ (Quelle: Würzburger Journal Jahrgang 1913)
  2. Fritz Hochrein: Historie, in: Rainer Adam: 600 Jahre Zum Stachel Würzburg (1413 - 2013), illustrierte Chronik, unter Mitwirkung von Richard Huth, Christian Müller und anderen hrsg. vom Weinhaus zum Stachel, Vinzenz Druckerei GmbH, Würzburg 2012, S. 40-47

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