Siegfried von Truhendingen

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Bischof Siegfried von Truhendingen

Siegfried von Truhendingen († 16. September 1150 in Würzburg) war von 1146 bis zu seinem Tode Bischof im Bistum Würzburg.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Siegfried stammte aus dem schwäbisch-fränkischen Geschlecht der von Truhendingen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er war zunächst Würzburger Domkanoniker und hatte sich als Propst des Stifts Neumünster ab 1128 die Sympathie von Konrad III. erworben und wurde auch in dessen Gegenwart 1146/47 zum Bischof gewählt. Siegfried war auf dem Frankfurter Reichstag am 13./23. März 1147, wo der Sohn Konrads II. Heinrich zum König gewählt wurde ebenso wie auf dem letzten Hoftag von Konrad in Nürnberg vor dessen Aufbruch zum 2. Kreuzzug am 23./24. April 1147, zu dem Papst Eugen III. aufgefordert hatte.

Judenverfolgung[Bearbeiten]

Im Herbst 1146 sammelte sich das Heer und ein Mob von vorgeblich christlichen Kreuzrittern zog durch die Städte des Reichs und erschlug überall die Juden. Im Februar 1147 hielt ein ungeordneter Haufen von Kreuzfahrern auch in Würzburg Einzug und es kam zu zu Ausschreitungen gegenüber den Juden, bei denen möglicherweise sich auch ein Teil der Würzburger Bevölkerung mit der judenfeindlichen Schar solidarisierte. Der Fund von Leichenteilen im Main am 27. Februar 1147 lieferte den Vorwand, den Juden einen Ritualmord anzulasten. In der Folge kam es zu einem Pogrom, über das die Würzburger Annalen wie folgt berichten:

„... da sie dies den Juden anlasteten, wurden sowohl die Bürger als auch die Kreuzfahrer von einem plötzlichen Zorn ergriffen, brachen in die Häuser der Juden ein und töteten unverzüglich ohne Mitleid Alte und Junge, Frauen mit Kindern. Wenige retteten sich durch Flucht, noch weniger ließen sich in der Hoffnung auf Rettung taufen, die wenigsten verblieben in dem (neuen) Glauben, nachdem wieder Friede eingekehrt war [1].“

22 Juden fanden bei dem Pogrom den Tod. Auch danach gab der Haufen noch keine Ruhe. Der Anführer forderte den Bischof auf, den aufgefundenen Toten heiligzusprechen. Als der Bischof sich mit der Begründung weigerte, mit einer solchen Heiligsprechung dem Pogrom auch noch eine kirchliche Rechtfertigung zu liefern, bedrohte der Mob das Leben Siegfrieds und er wurde zusammen mit dem Domkapitel im Dom eingeschlossen. Eine gewaltsame Einnahme der heiligen Stätte wagte der Haufen dann doch nicht. Erst nach dem Abzug der Kreuzfahrer in der Osterwoche beruhigte sich die Situation wieder. Siegfried ließ nach der Ermordung der Juden deren „abgehauene Körperteile“ sammeln und in seinem Garten im östlichen Teil der Vorstadt Pleichach begraben. Auf Bitten der Juden verkaufte er ihnen dieses Grundstück und überließ es ihnen als künftigen Friedhof.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Wittstadt: Würzburger Bischöfe 742 - 1979, Echter Verlag, Würzburg 1979, ISBN 3-429-00628-7
  • Rainer Leng: Würzburg im 12. Jahrhundert, Volk Verlag München 2012, ISBN 978-3-8622-065-6
  • Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg - Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001, Band 1, S. 515 f.
  • Alfred Wendehorst: Das Bistum Würzburg Teil 1 - Die Bischofsreihe bis 1254. In: Max-Planck-Institut für Geschichte (Hrsg.): Germania Sacra - Neue Folge 1 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1962, S. 151 ff.
  • Enno Bünz: Stift Haug in Würzburg. Untersuchungen zur Geschichte eines fränkischen Kollegiatstiftes im Mittelalter. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-35444-4, S. 205

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monumenta Germaniae Historica SS 16, S. 3 f.


Vorgänger Amt Nachfolger
Embricho Bischof
1146 - 1150
Gebhard von Henneberg