Rudolf C.L. Blümm

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Rudolf C.L. Blümm (1987) (© Roland Pleier)

Rudolf C.L. Blümm (* 28. Februar 1926 in Würzburg; † 24. Juni 2000 ebenda) war Kaufmann und FDP-Kommunalpolitiker.

Leben und Wirken

Bereits 1949 trat Blümm, der als Unternehmer zwei Parkhäuser betrieb, in die FDP ein.

Politisches Engagement

Von 1956 bis 1965 und 1972 bis 1976 war er Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Würzburg sowie zwei Jahre stellvertretender Bezirksvorsitzender. 1961 und 1972 kandidierte Blümm im Bundestagswahlkreis Würzburg für den Bundestag und 1962 sowie 1974 für den Landtag.

Stadtrat in Würzburg

1966 wurde Blümm in den Würzburger Stadtrat gewählt, dem er bis 1996 angehörte. Drei Jahre war er Fraktionsvorsitzender der FWG/FDP-Fraktion.

Gesellschaftspolitisches Engagement

Anlässlich einer Podiumsdiskussion im Jahre 1990 zum Thema „Schwule Sozial- und Kulturpolitik in Würzburg“ hatte Rudolf C.L. Blümm seine Zusage gegeben, die Schirmherrschaft über das 10. Schwule Filmfest in Würzburg zu übernehmen. Diese Zusage löste er ein und eröffnete am 30. Januar 1992 die Veranstaltung in der ESG mit einer Ansprache. Für das Programmheft schrieb er:

STATT EINES VORWORTES
Sicher hätten Sie problemlos einen filmbegeisterten, gebildeten, honorigen Mann aus Ihrer Szene als Schirmherrn gewinnen können.
Dass Sie sich mich, einen stinknormalen Kommunalpolitiker dafür ausgeguckt haben, hat sicher auch mit der Faszination des Begriffs liberal, der sich mit meinem Namen verbindet, etwas zu tun.
Liberal, das ist nicht einfach Liebe ohne Dehnungs-„e“, damit ist frei, ja Freiheit gemeint, frei von weltanschaulichen Bindungen, frei von Vorurteilen, frei von Schubladendenken. Genau das ist es, worauf Sie, aber nicht nur Sie, alle Minderheiten und nicht nur diese, sondern wir alle träumen und angewiesen sind.
Die Freiheit der Persönlichkeiten ist das höchste Gut einer menschlichen Gesellschaft, da nur in Freiheit ein menschenwürdiges Dasein für alle möglich ist, natürlich sozial gebunden und da ihre Grenzen findend, wo die Freiheit des Mitmenschen beginnt. Das muss auch für jene gelten, die vom üblichen Lebensstil abweichen. Freiheit muss nicht gewährt werden, großherzig von oben herab, sondern für jedes Lebewesen eine Selbstverständlichkeit sein. Es kann nicht davon abhängen ob jemand oder eine Gruppe, viele oder wenige Gleichgesinnte, Gleichveranlagte neben sich weiß, oder nur einige wenige. Alle sind gleichwertig und gleichwertvoll.
Es darf den Mehrheiten nicht mehr lästig sein, dass es Minderheiten, Andersseiende also z.B. Schwule, Lesben, Ausländer, Asylanten, Farbige, Sekten, Juden u.v.a. mehr gibt.
Auseinandersetzung und Toleranz, ja Achtung ist geboten. Respekt ist gefordert vor dem Anderssein, da ja möglicherweise auch gottgewollt. Wer wollte das bezweifeln.
Ich gehe noch weiter, neben Toleranz ist der Starke dem Schwachen, der Große dem Kleinen, die Mehrheit der Minderheit auch Schutz und „Schirm“ schuldig. Und weil dies so ist, bin ich Ihr Schirmherr, ohne Skrupel, ohne Vorbehalt und ohne meine eigene streckenweise vorhandene Minderheitenrolle und Existenz in Frage zu stellen.
Indem ich aber auch Ihnen, wie allen anderen Minderheiten das gleiche Maß an Toleranz, Achtung und Respekt auch Mehrheiten gegenüber empfehle und erbitte - auch hier gibt es noch einiges zu tun - wünsche ich den Veranstaltungen regen Zuspruch aus allen Kreisen und einen erfolgreichen Verlauf.
Rudolf C.L. Blümm, Schirmherr für das 10. Schwulenfilmfest

Ehrenamtliches Engagement

Von 1970 bis 1982 war er Zugmarschall des Würzburger Faschingszuges. Er war 1973 Gründungsvorsitzender im Verein der Rollstuhlfahrer und ihrer Freunde e.V. in Würzburg. Sechs Jahre fungierte er als erster Gesellschaftspräsident der 1. Karnevalsgesellschaft Elferrat Würzburg e.V.. Großes Engagement zeigte Blümm bei der Förderung der Städtepartnerschaften.

Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl)

Bildergalerie

Fotos: © Roland Pleier

Letzte Ruhestätte

Rudolf C.L. Blümm wurde auf dem Würzburger Waldfriedhof beigesetzt.

Siehe auch

Quellen und Literatur

Einzelnachweise