Martha-Haus

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Martha-Haus

Das Martha-Haus war eine private Entbindungsklinik im Stadtbezirk Sanderau.

Lage[Bearbeiten]

Martha-Haus (1958)

Das Martha-Haus lag an der nördlichen Ecke Felix-Dahn-Straße / Neubergstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Martha-Haus wurden zwischen 1956 und 2001 Hunderte von Würzburger Neubürgern geboren. Das Fachkrankenhaus wurde von Belegärzten genutzt, die Privatpatientinnen durch die Geburt begleiteten. Die Trägerschaft des Hauses lag beim Bayerischen Roten Kreuz, die Betreuung der Patientinnen oblag den Ritaschwestern.

In der Chronik der Ritaschwestern ist zu lesen: „Am 1. April 1964 haben wir die Klinik Martha-Haus, Dr. Seißer - Dr. Müller, Würzburg, Felix-Dahn-Str. 7a mit Schwestern unserer Gemeinschaft besetzt. Ausschlaggebender Grund hierfür ist die Notwendigkeit, für unsere Schwestern und Kandidatinnen in und nach der Ausbildung in der Nähe des Mutterhauses eine Praktikumsstätte zu haben, als Vorbereitung für den Einsatz in Familienpflege, Wochenbett-, Säuglings- und Krankenpflege.“ [1]

Besitzer des Martha-Hauses und Klinikleiter war Dr. med. Franz Seißer (1896 - 1975). Die Klinik fasste damals 30 Betten. Sie war aufgeteilt in eine gynäkologische und eine chirurgische Abteilung. Belegarzt für die chirurgische Abteilung war Dr. med. Erich Müller (1921 - 2009). Durch seine Beziehungen zum Flüchtlingskommissar, der für seine Zwecke einen Restbestand schöner neuer Arbeitsdienstbaracken besaß, erhielt Dr. Seißer nach 1945 eine Baracke. Dies war möglich, da die Klinik zunächst als Flüchtlingskrankenhaus geführt wurde. Dr. Seißer schrieb: „Nach vielen Schwierigkeiten wurde es doch eine recht anständige Notklinik. Ich gab ihr den Namen Marthahaus, denn im Evangelium steht, wie der Herr zu jener Martha sprach: ,Martha, Martha du machst dir viele Sorgen und Mühe, Maria hat den besseren Teil erwählt.’“ [2]

Da das Haus, d.h. die Baracke, in der Valentin-Becker-Straße war, pflegte Dr. Seißer gute Beziehungen zu nahe gelegenen Häusern, zur Missionsärztlichen Klinik, zum Israelitischen Altenheim sowie zum Krankenhaus vom Roten Kreuz.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg in Würzburg der Wiederaufbau allerorts sichtbar war und die Ansprüche der Patienten stiegen, begann die Suche nach finanzierbaren Objekten erneut. Unter vielen Angeboten fand endlich ein größeres Grundstück Interesse: Die Ruine der einstmals prächtigen Villa des reichen jüdischen Großkaufmanns Karl Simon mit schönem Garten, Neubergstraße 24 / Ecke Felix-Dahn-Straße. Der amerikanische Unterhändler der in Amerika lebenden Angehörigen des von den Nazis vertriebenen Kaufmanns stimmte einem Verkauf sofort zu, als er vom beabsichtigten Verwendungszweck hörte. Die Bauarbeiten unter dem Architekten Georg Joa (aus dem Architekturbüro Feile-Joa) konnten beginnen und gingen zügig voran. Nach knapp einjähriger Bauzeit, im Herbst 1956, stand die Klinik. Es standen 30 Krankenbetten für Erwachsene und 16-20 Säuglingsbetten zur Verfügung. Im November 1956 wurde die neue Martha-Haus-Klinik nach der kirchlichen Weihe der Öffentlichkeit übergeben. Zunächst arbeiteten Caritasschwestern im Martha-Haus, später wurden die Dienste durch „freie Schwestern“ übernommen.

Am 1. April 1964 übernahmen die Ritaschwestern ihre Tätigkeit in der Martha-Haus-Klinik. Als am 1. November 1966 Dr. Seißer seine Klinik an Dr. Engelschalk als Leiter und Pächter übergab, waren bereits sieben Ritaschwestern im Haus tätig. Als am 19. Juli 1975 Dr. Franz Seißer starb, hatte sich „seine Klinik“ baulich und personell gewaltig geändert. Die Martha-Haus-Klinik hatte einen guten Ruf und war auch als christlich geprägtes Haus bekannt.

Der Nachwuchsmangel und die Alterspyramide der Gemeinschaft gaben Anlass, ernsthaft über die Zukunft der Tätigkeiten im Martha-Haus nachzudenken. Im August 1992 war die Entscheidung gefallen. Ab 1. Januar 1993 übernahm die Schwesternschaft des Roten Kreuzes die Betriebsführung der Frauenklinik Martha-Haus.

Martha-Haus (zwischen 1994 und 2001)

Nach dem Auszug der Klinik stand das Gebäude vier Jahre lang leer und 2005 wurde das zweistöckige Gebäude, das in einem parkähnlichen Garten gelegen war, abgerissen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Ab 2006 entstanden auf dem Gelände 20 Neubau-Eigentumswohnungen mit zwischen 45 und 102 Quadratmetern Wohnfläche, Tiefgarage, Balkonen und Dachterrassen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Ritaschwestern. Hrsg.: Kongregation der Ritaschwestern, Würzburg 2011 (Mit freundlicher Genehmigung von Schwester M. Scholastika Dietrich OSA)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronik der Ritaschwestern II, S. 178
  2. Aufzeichnungen von Dr. med. Erich Müller, Archiv der Ritaschwestern

Kartenausschnitt[Bearbeiten]

Ehemaliger Standort
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