Kurt Kellner

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Kurt Kellner (* 8. Januar 1891 in Küllstedt/Eichsfeld; † 4. Juni 1972 in Würzburg) war ein deutscher Arzt und Kommunalpolitiker (Kommunistische Partei Deutschlands). In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er verfolgt. Ab 1945 war er Leiter des Gesundheitsamtes in Würzburg.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Kurt Kellner studierte an der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, in Halle und Berlin, wurde promoviert, und war im Ersten Weltkrieg Truppenarzt. [1] Seit 1924 praktizierte er in Würzburg als Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. 1932 trat er der KPD bei und betätigte sich als Kurier. [2] Von den Nationalsozialisten wurde er wegen seiner politischen Überzeugung und seines aktiven Widerstandes mehrfach im KZ Dachau inhaftiert. [3] Während der Zeit des Nationalsozialismus hat Kellner geholfen, das „Zigeunerkind“ Rita Winterstein zu verstecken. Als „Zigeunerzwilling“ bestand die Gefahr von rassenbiologischen Experimenten. Ihre Zwillingsschwester starb wenige Wochen nach der Geburt in der Universitätsklinik Würzburg, in der sie auf polizeiliche Verfügung hin eingewiesen wurden. Ein späteres Gutachten geht mit hoher Wahrscheinlichkeit von solchen Experimenten aus, da die Zwillingsschwester kurz vor dem Tod einen Kopfverband trug. [4] [5]

Nach dem Kriegsende war Kellner Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes in Würzburg und Referent für das Gesundheitswesen der Stadt Würzburg. Die amerikanische Militärregierung übertrug die Verantwortung für die Entnazifizierung aller Würzburger Mediziner auf Kellner. [6] Ebenso war er 2. Vorsitzender des Kreisverbandes Mainfranken der Landesärztekammer Bayern. [7]

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Kellner war einer von drei KPD-Vertretern im ersten demokratisch gewählten Würzburger Stadtrat und erhielt in den folgenden drei Wahlen 1948, 1952 und 1956 einen Sitz. In Folge des Verbots der KPD 1956 verlor Kellner sein Mandat. [8] Er war noch bis 1971 als Arzt in Würzburg tätig, wo er im folgenden Jahr verstarb. In seinem Nachruf schrieb die lokale Tageszeitung Main-Post: „Als Arzt und Mensch erfreute er sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Viele minderbemittelte Kranke hat er kostenlos behandelt.“ [9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebogen 1928.
  2. Hans Holt, Richard Bayer, Helmut Lüders: Die Freimaurer, der kommunistische Aufstand findet nicht statt, wie deutsch ist die deutsche Sozialdemokratie. Reinhard Welz Vermittler Verlag e.K., 2004. ISBN 9783938164006. S. 128.
  3. KZ-Gedenkstätte Dachau, NARA-Register 101, S. 82f.
  4. Reiner Frank: Kinderpsychatrische Gutachten über Rita Prigmore. Institut für Kinder- und Jugendpsychatrie der Universität München, 20. Januar 1987. (Privatbesitz Rita Prigmore)
  5. Roland Flade: Dieselben Augen, dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung einer Würzburger Sinti-Familie im Dritten Reich. Ferdinand Schönigh, Würzburg 2008. ISBN 978-3-87717-796-9. S. 100.
  6. Main-Post: „Auf der Jagd nach Nazi-Tätern.“ (28. Dezember 2006)
  7. Auskunfterteilung in der Landesärztekammer. In: Bayerisches Ärzteblatt, Heft 14, Juli 1948, S. 78.
  8. Feststellung der Verfassungswidrigkeit des Gesetzes zur Änderung des Landeswahlgesetzes des Bezirkswahlgesetzes und des Gemeindewahlgesetzes vom 15.7.1957 (Amtsenthebung GVBl. S. 160). Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Archivaliensignatur BayHStA, StK 11167.
  9. Main-Post:„Herzinfarkt kurz vor der Wahl.“ (10. Juni 1972)