Karl Anton Lonnerstädter

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Karl Anton Lonnerstädter (* 18. August 1882 in Würzburg; † nach dem 16. Oktober 1944 in Auschwitz) war Besitzer des gleichnamigen Fachgeschäftes am Marktplatz 30.

Familiäre Zusammenhänge

Karl Anton Lonnerstädter kam als Sohn des Kaufmanns Meier Lonnerstädter und seiner Frau Berta, geb. Bing zur Welt. Sein Vater war zunächst als "Reisender" tätig und gründete das Woll-, Weiß- und Kurzwarengeschäft M. Lonnerstädter am Würzburger Marktplatz 30.

Leben und Wirken

Nach dem Besuch der Kreisrealschule in Würzburg meldete sich Karl Lonnerstädter 1901 als freiwilliger Zeitsoldat zur Königlich-bayerischen Armee. Anschließend trat er in die väterliche Firma ein. 1910 übernahm er zunächst gemeinsam mit seiner Schwester die Textilwarenfirma ihres Vaters. Er heiratete 1913 die Opernsängerin Franziska Vogel aus Wiesbaden. Das junge Ehepaar wohnte zunächst im Obergeschoss des Ladengeschäfts. 1932 zogen sie zunächst auf Mietbasis in ein geräumiges Wohnhaus mit großem Garten in der Rottendorfer Straße 23. Wenig später konnte Karl Anton Lonnerstädter das Anwesen zum Kaufpreis von 37.000 Reichsmark erstehen.

Verfolgung und Deportation

In direkter Nachbarschaft lebte seit 1939 NSDAP-Gauleiter Dr. Otto Hellmuth in der vormaligen Villa Mandelbaum. 1938 musste Karl Lonnerstädter seine Textilwarenfirma am Marktplatz im Zuge der Arisierung aufgeben. Er verkaufte das Mehrfamilienhaus mit Ladengeschäft zu einem Preis von 65.000 RM an einen langjährigen Angestellten und dessen Teilhaber. Zuletzt arbeitete Karl als Sachbearbeiter bei der jüdischen Gemeinde. Im November 1940 fand wie bei anderen vermögenderen Familien in der Villa Lonnerstädter eine Durchsuchung statt, wobei ihr gesamter Hausrat und Wertgegenstände aufgelistet und taxiert wurden und der Wert der Villa auf 28.000 RM festgelegt wurde. Das beschlagnahmte Privateigentum wurde im Januar 1941 eingezogen.

Wie viele andere Würzburger Juden mussten auch das Lonnerstädters ihr Wohnhaus im Januar 1942 verkaufen und wurden in eine sogenannte "Judenwohnung" in der Hindenburgstraße 21 einquartiert. Wenige Monate später, im Juni 1942, mussten die Lonnerstädters erneut umziehen, nun in das Sammelquartier in der ehemaligen Israelitische Lehrerbildungsanstalt in der Bibrastraße 6. Ihre restlichen Habseligkeiten wurden unmittelbar vor der Deportation zugunsten des Deutschen Reiches beschlagnahmt. Am 17. Juni 1943 wurde Franziska Lonnerstädter mit ihrem Mann Karl über Nürnberg nach Theresienstadt deportiert. Am 16. Oktober 1944 folgte der Weitertransport nach Auschwitz. Dort wurden sie vermutlich wenig später ermordet.

Ehrenamtliches Engagement

Ab 1905 war er Vorstandsmitglied im Literaturklub Würzburg, einem jüdischen Bildungsverein.

Posthume Würdigung

Ihm zum Gedenken wurde in der Rottendorfer Straße vor der Villa Lonnerstädter ein Stolperstein verlegt.

Siehe auch

Quellen

  • Roland Flade: Die Würzburger Juden. 2. Aufl., Stürtz-Verlag, Würzburg 1996

Weblinks