Ignaz Kolb'sche Messweinstiftung

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Historisches Häuschen der Kolb'schen Messweinstiftung am Steinberg
Inschrift über der Türe

Die Ignaz Kolb'sche Messweinstiftung war ursprünglich eine Naturalstiftung für katholische Pfarreien.

Geschichte

Gründung der Stiftung

Ausgangspunkt für die Errichtung der Stiftung war das Reichsgesetz vom 20. April 1892, den Verkehr mit Wein, weinhaltigen und weinähnlichen Getränken betreffend, das die Zuckerung der Weine gestattete. [1]

Der Würzburger Weinhändler Ignaz Kolb erkannte die Notwendigkeit, eine Einrichtung zu schaffen, die es ermöglichte, dass „jedem katholischen Pfarramt ein den kirchlichen Vorschriften völlig entsprechender, also durchaus naturreiner Wein, zur Verfügung gestellt werde“. Denn zuvor wurde oft schlechter Wein, etwa aus Algerien, an Priester verkauft - so zumindest die Beobachtung damals. 1895 wurde daher eine unter Aufsicht des Bischöflichen Domkapitels in Würzburg stehende nichtrechtsfähige Stiftung geschaffen, der diese Aufgaben oblagen.

Mit Urkunde vom 11. März/24. Mai 1918 wurde durch Ignaz Kolb, Bischof Ferdinand von Schlör und das Würzburger Domkapitel die rechtsfähige Stiftung errichtet. Ignaz Kolb setzte in seiner Stiftung rund zwei Hektar Rebfläche an der Weinlage Würzburger Stein ein. Die Gründung der Stiftung im Jahr 1918 war praktisch so etwas wie eine vorweggenommene Messweinverordnung.

In der Satzung der Stiftung ist festgelegt, dass deren ausschließliche Aufgabe die Produktion von Messwein zum Verkauf an Pfarrämter und Klöster ist. Außerdem sollen aus dem Gewinn der Stiftung jährlich 14 heilige Messen für den Stifter, die Wohltäter der Stiftung und besondere Anliegen des Bischofs von Würzburg gelesen werden. Daneben sind Überschüsse für die Unterhaltung der Kirchen im Juliusspital sowie zur Unterstützung von hilfsbedürftigen Personen zu verwenden. Ein Drittel des Gewinns erhält der Bischöfliche Stuhl von Würzburg zur Verwendung für kirchliche Zwecke.

Messweinverordnung von 1976

1976 legte die Deutsche Bischofskonferenz genau fest, wie aus vergorenem Traubenmost Messwein hergestellt werden muss:

  • Der Weinhändler muss an Eides statt erklären, dass sein Erzeugnis „vinum de vite“ ist.(lat. wie er aus den Trauben kommt).
  • Der Wein muss mindestens der Güteklasse eines Qualitätsweins entsprechen und über eine amtliche Prüfnummer verfügen.
  • Das Flaschenetikett muss den Inhalt eindeutig als Messwein ausweisen.
  • Der Wein darf nicht kommerziell gehandelt werden, sondern ausschließlich für kultische Zwecke erworben werden.
  • Nur Weingüter, die sich auf diese Verordnung verpflichten, erhalten eine zeitlich begrenzte Zulassung als Messweinlieferanten auf fünf Jahre.

Aufhebung der Messweinverordnung 2014

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz beschloss am 23. Juni 2014 eine neue Messweinverordnung, in der er der staatlichen Rechtsprechung Rechnung trug, die die Reinheit des Weines ordnet und die Beimischung von Fremdstoffen weitestgehend untersagt. Zugelassen für die Feier der Eucharistie sind jetzt Weine, die „mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweines (nach deutschem Weinrecht)“ genügen. Tafelwein ist als Messwein wegen seiner Verwässerung nicht zugelassen. Die Approbation einzelner Messweinlieferanten entfällt. [2] [3]

Für das Juliusspital, das mit seiner Ignaz Kolb'schen Messweinstiftung zu einem wichtigen Produzenten im Bistum Würzburg zählt, ist das aber kein Problem. Denn schon längst werden die rund 15.000 Flaschen, die jährlich als Messwein gekeltert werden, mehrheitlich von Nicht-Geistlichen gekauft.

Heutiger Stiftungszweck

Heute ist Wein von der erforderlichen Güte keine Seltenheit mehr, deshalb werden die Erträge aus dem Kontingent der Kolb’schen Stiftung für gemeinnützige Zwecke eingesetzt. Inzwischen gehören auch Weinreben aus den Lagen Abtsleite und Pfaffenberg zur Stiftung.

Stiftungsverwaltung

Die Verwaltung der gestifteten Rebfläche und Vermarktung deren Erträge obliegt dem Würzburger Weingut Juliusspital.

Siehe auch

Quellen und Literatur

Einzelnachweise