Hugo Sichel

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Hugo Sichel

Hugo Sichel (* 19. Dezember 1880 in Würzburg; deportiert 19. Oktober 1941 nach Lodz/Polen) war Tuchkaufmann und Inhaber der Tuchgroßhandlung Klau & Sichel in Würzburg.

Familiäre Zusammenhänge[Bearbeiten]

Hugo Sichel kam am als einziges Kind des Kaufmanns Amson Sichel (1850-1901) und seiner Ehefrau Anna Sichel, geb. Goldschmidt (1859-1942), zur Welt.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Hugo Sichel absolvierte einen Teil seiner kaufmännischen Ausbildung in Gemünden/Main, dem Geburtsort seines Vaters. Anschließend trat er in die Tuchgroßhandlung Klau & Sichel seines Vaters als kaufmännischer Angestellter ein. Als Louis Klau und Amson Sichel 1901 starben, entschloss er sich im Alter von 21 Jahren, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Während des Ersten Weltkrieges musste Hugo Sichel Kriegsdienst leisten. 1918 erwarb er die Villa Sichel und gründete nach dem Krieg in Aschaffenburg eine Damenoberbekleidungsfabrik.

Als die „Arisierungen“ jüdischen Eigentums einsetzten, verlor Hugo Sichel binnen kürzester Zeit seinen gesamten Besitz und seine Existenzgrundlage. Eine besondere Rolle spielte dabei Gauleiter Otto Hellmuth, der einen privaten Rachefeldzug gegen die jüdischen Gewerbetreibenden führte. Im Juni 1936 traf es zunächst das Wohnhaus, die Villa in der Bismarckstraße 13. 1937 fand die Enteignung der Tuchgroßhandlung Klau & Sichel statt. Ebenso verlor Hugo Sichel im Februar 1938 das Wohn- und Geschäftshaus in der Würzburger Kaiserstraße 26, bisher Sitz der Firma Klau & Sichel. Im Mai 1938 musste die Familie Sichel auch das Gartengrundstück mit Gartenhaus am Würzburger Ständerbühl zwangsweise verkaufen. Sichel zog nach Frankfurt am Main, wo er 1941 nach Litzmannstadt deportiert wurde. Sein Sterbedatum ist unbekannt.

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten]

Sichel war um 1919 Mitglied des Städtischen Armenrats. Politisch war er in der linksliberalen DDP im Vorstand aktiv und leitete den Finanz- und Sekretariatsausschuss. Bis zu seinem Ausschluss um 1933 bestand eine Mitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt.

Ehrungen und Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

Stolperstein[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 2014 wurde zu seinem Gedenken ein Stolperstein vor der Villa Sichel in der Bismarckstraße 13 verlegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, 305, 306 und 2, S. 551, 552, 604, 630;
  • Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl., Würzburg 1996, S. 258, 259, 277, 285;

Weblinks[Bearbeiten]