Falkenhof

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Der Falkenhof, der ehemalige Westflügel des Falkenhauses, beherbergte bis zu seinem Abriss 1993 zuerst das Café Falkenhof und ab 1972 das Jugendzentrum Falkenhof.

Café Falkenhof[Bearbeiten]

Bevor der Falkenhof zu einem Jugendzentrum umgestaltet wurde, befand sich in seinen Räumen das legendäre Café Falkenhof, welches von den Gebrüdern Ludwig und Walter Schmidt, die zuvor die Charlott-Terrassen am Nikolausberg besaßen, übernommen wurde. In diesem das Konzert-Café, wollte der damalige Besitzer 1950 ein Kabarett etablieren, die Genehmigung dazu wurde ihm aber wegen der Nähe zur Marienkapelle nach Abstimmung durch den Bau- und Verwaltungssenat nicht erteilt. [1] Das Café Falkenhof mit seinem gehobenen Ambiente galt aber weiterhin als das zu dieser Zeit populärste Tanzlokal Würzburgs.

Der Musiker Franz Kunz schilderte gemäß Roland Flade in einem Artikel der Main-Post vom 20. Juli 2010 das Café folgendermaßen: „Der Falkenhof war kein Aufreißerlokal. Nur sehr selten sah man zum Beispiel Damen, die alleine kamen; geschah das einmal, so fiel es auf. Der Falkenhof war eher etwas für 'tanzwütige‘ junge Leute, die die meiste Zeit auf der Tanzfläche verbrachten und normalerweise paarweise auftaten”. [2]

1958 erwarb die Stadt Würzburg das zum renovierten Falkenhaus gehörige Gebäude Am Marktplatz 4.

Jugendzentrum Falkenhof[Bearbeiten]

Das Jugendzentrum Falkenhof wurde im Herbst 1972 vom Jugendwohlfahrtsausschuss der Stadt Würzburg als Einrichtung zur Freizeitgestaltung Jugendlicher für die Öffentlichkeit freigegeben.

Nach anfänglichen Unsicherheiten bezüglich der Konzeption dieses Jugendzentrums wurde es 1973 als offenes Haus - ohne Vorgaben durch Jugendverbände - gestaltet. Problematisch wurde es, als dieses, ohne festgelegtes Programmangebot bestehende Konzept aus Sicht des Stadtrats in hohem Maße Randgruppen (in der Anfangszeit waren es z.B. aggressive Mitglieder von Rockerbanden) anzog. Als es 1975 vermehrt zu Schwierigkeiten hinsichtlich Altersstruktur, Anonymität des Hauses, „fortschreitender Amerikanisierung” und Verbindungen zur Würzburger Drogenszene kam, entschloss sich der Jugendwohlfahrtsausschuss auf Vorschlag des städtischen Sozialreferenten zur Einführung einer regelnden „Verfassung”, die unter anderem die Kontrolle von Clubausweisen und Mitsprachemöglichkeiten der Jugendlichen vorsah. Es kam dadurch 1976 zu heftigen Diskussionen (bis hin zu Demonstrationen mit Hausbesetzungen) dieses Verlassens der total offenen Struktur des Jugendzentrums. Es folgte, insbesondere nach dem Heroin-Tod einer Jugendlichen im November 1976, in Würzburg eine gesellschaftliche und politische Debatte um die Ursachen von Alkohol- und Drogenkonsum Jugendlicher. Daraufhin erhielten die städtische Drogenberatungsstelle und das Jugendzentrum weitere finanzielle Mittel zur Hilfe für gefährdete Jugendliche.

Es kam bis 1977 zu deutlichen Verbesserungen des Falkenhofs, z.B. beim Programmangebot und Mitwirken von Jugendlichen an dessen Gestaltung oder der Einrichtung einer, alternativ zu Disko und Biertheke, im Obergeschoss eröffneten Teestube. Die malerische Ausgestaltung des Treppenhauses besorgte 1977 die 1961 in Würzburg geborenen Künstlerin Birgit Adam. [3]

In den 1980er Jahren entwickelte sich das Jugendzentrum Falkenhof, von manchen seiner Besucher auch Fakha genannt, durch seine kulturellen Angebote (z.B. Töpfer-Workshops, aber auch Diskussionsmöglichkeiten und Diskothekenbetrieb sowie Auftritte auch überregional bekannter Musiker) weiter zu einem beliebten Szenetreff Würzburger Jugendlicher, bis es nach seiner, durch wiederholte Auseinandersetzungen mit den Behörden und der geplanten Erweiterung der Stadtbücherei bedingten Schließung 1990 vom Bechtolsheimer Hof 1991 „abgelöst“ wurde. [4]

Ende des Falkenhofs[Bearbeiten]

1993 wurde die Stadtbücherei Würzburg im Falkenhaus umgebaut und erweitert, dabei wurde der Falkenhof abgerissen.

Neuaufbau[Bearbeiten]

Am 8. April 2000 wurde der Falkenhof im Rahmen der sieben Jahre zuvor begonnenen Sanierung des Falkenhauses wiedererrichtet - allerdings als von der Stadtbücherei in ihrem neuen Westflügel genutzte Räumlichkeit.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiegel, Ausgabe 28 vom 13. Juli 1950 [1]
  2. Main-Post: „Musik zum Wirtschaftswunder“ (20. Juli 2010)
  3. Homepage Birgit Adam
  4. Main-Post: „20 Jahre B-Hof: Ein Raum für Kreativität und Eigeninitiative“ (15. Juni 2011)