Ehemaliges Frauenzuchthaus

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Das ehemaliges Frauenzuchthaus (heute Cafe Cairo)
Zuchthaus (um 1905)

Das Ehemalige Frauenzuchthaus, ab 1812 auch „Ägyptischer Bau“ genannt, ist das Gebäude am Fred-Joseph-Platz 3 (ehemals Burkarderstraße 44) unterhalb der Festung, neben St. Burkard. Nach einer abwechslungsreichen Geschichte beherbergt der Gebäudekomplex das Jugendkulturzentrum Cafe Cairo.

Entstehung des Baus[Bearbeiten]

Peter Speeth, Landbaumeister unter der Herrschaft des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana, nahm zwei maßgebliche Strömungen der Zeit im Entwurf des Erweiterungsbaus eines Zuchthauses für „Missethäter beyderley Geschlechts“ bei St. Burkard deutlich auf: Die Reformbestrebungen im Zuchthauswesen und die „sprechende“ Architektur, welche in der äußeren Gestalt öffentlicher Bauten den Zweck des Baus auszudrücken suchte.

1809/10 entwarf Speeth den Anbau, der Rohbau entstand zwischen 1812 und 1814. Nachdem Würzburg wieder zu Bayern gekommen war und Speeth nicht mehr im herrschaftlichen Dienst stand, ruhte der Bau. Erst 1826 wurde das Bauwerk nach Speeths Plänen fertiggestellt.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Das Gebäude ist eines der wenigen Beispiele der „Revolutionsarchitektur“ in Deutschland. Die Fassade übernimmt Elemente von sowohl Renaissance als auch Barock und weist darüber hinaus eine eindrucksvolle Schauwand mit dem neoklassizistischen Stil geschuldeten, ägyptisch anmutenden Verzierungen auf.

Spätere Gebäudenutzungen[Bearbeiten]

Ab 1842 wurde das Gebäude als Militärverpflegungsstation genutzt, ab 1849 als Militärgefängnis zur Unterbringung von Militärsträflingen. Ab 1857 diente es als Frauengefängnis bis es 1869 nach einem Blitzschlag in Brand geriet. Nach den Renovierungsarbeiten wurde es ab 1875 weiter als Gefängnis genutzt. Ab 1909 wurde es als Besserungsanstalt für Knaben verwendet, bevor dieses 1935 aufgelöst wurde.

Ab 1936 diente es als Jugendherberge und war Treffpunkt der Hitlerjugend. Da das Gebäude den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand wurde es ab 1945 als Notlazarett verwendet. Es diente danach ab 1950 als vorläufiges Quartier der Regierung von Unterfranken und von 1965 bis 1973 wurde es als Hauses für die Jugend genutzt, wobei es 1970 in Trägerschaft der Stadt überging. Aufgrund des baufälligen Zustandes wurde es 1973 geschlossen, aber 1974 wiedereröffnet. 1986 musste das „Haus der Jugend“ aber schließen und wurde bis 1987 komplett renoviert. Im gleichen Jahr wurde es als Kulturzentrum Cairo unter der Leitung von Thomas Federl eröffnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Antje Hansen und Suse Schmuck: Das ehemalige Zuchthaus von Peter Speeth. Hefte für Würzburg, Heft 6. Kommissionsverlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2017
  • Peter Endrich: Ein frühklassizistisches Bauwerk in Würzburg. In: Die Mainlande, 1. Jahrgang (1950) S. 3f
  • Ingrid Haug: Peter Speeth. Architekt. 1772-1831. Inaugural-Dissertation an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn 1969. (Universitätsbibliothek 20/NZ 99701.4 H371)
  • Stefan Kummer: Kunstgeschichte der Stadt Würzburg 800-1945. Schnell und Steiner, Regensburg 2011. S. 218ff
  • Mareike Hennig: Träume aus Stein: Peter Speeth und die Revolutionsarchitektur in Deutschland, Verlag: Fichter, H. W.; Auflage: 1 (20. Januar 2011)

Weblinks[Bearbeiten]

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