Johanniterkommende

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Zeichnung der Johanniterkirche im Jahr 1608

Die Johanniterkommende Würzburg war eine der frühesten Niederlassungen des Ritterordens. Sie bestand bis zur Säkularisation. Der Johanniterplatz erinnert noch heute an den damaligen Standort.

Ordensgeschichte[Bearbeiten]

Der Johanniterorden („Orden vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem“) entstand zwischen 1099 und 1180 im Heiligen Land und breitete sich von dort in ganz Europa aus. Ausgangspunkt war ein nahe der Abtei Santa Maria Latina gelegenes Hospital, das vor 1080 von Kaufleuten aus Amalfi gestiftet worden war. 1154 wurde die Johanniter vom Papst in Rom zum Orden erhoben. Die ursprüngliche Regel der, nach byzantinischem Vorbild Pflege und ärztliche Behandlung in ihren Spitälern verbindenden, Johanniter, welche den Kranken als „Herren“ ansah, verfasste um 1130 Raymond von Puy. [1] [2] Hauptsitz des Ordens war von 1309 bis 1522 Rhodos und seit 1530 Malta (daher auch Malteserorden). Der Orden erwarb seit der Mitte des 12. Jahrhunderts Besitz im römisch-deutschen Reich.

Im heutigen Bayern hatte der Orden seinen Besitzschwerpunkt im Raum der Diözese Würzburg (u. a. Rothenburg o. d. Tauber/Lkr. Ansbach, Würzburg, Biebelried/Lkr. Kitzingen).

Der katholische Gesamtorden überlebte die napoleonische Zeit und ist heute als Malteserorden Träger eines weltweit agierenden Hilfsdienstes. Als Johanniterorden wird heute der 1852 in Preußen wieder begründete evangelisch-lutherische Zweig des Ordens bezeichnet.

Johanniterorden in Würzburg[Bearbeiten]

Der Johanniter-Ritterorden ließ sich um 1125 in Würzburg nieder und übernahm 1195 am heutigen Johanniterplatz das St. Oswaldspital, das zu einem früheren Zeitpunkt entstanden war. [3] Seit den 20er Jahren des 13. Jahrhunderts wurde der Name St. Oswaldspital nicht mehr weiter verwendet. In den Urkunden ist jetzt der Name St. Johannesspital zu finden. Das St. Johannesspital entwickelte in den folgenden Jahrzehnten eine umfängliche Erwerbstätigkeit mit Liegenschaften verschiedenster Art, Zinsen und ähnlichen Vermögenswerten, erhielt aber auch zahlreiche Schenkungen. [3] 1300 wurde die Oswaldkapelle eingerissen und eine größere Kirche gebaut, [4] die sich am heutigen Johanniterplatz befand und dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht war. Die Kapelle wurde unter Bischof Lorenz von Bibra profaniert und schließlich abgebrochen.

Im 17. Jahrhundert besaßen die Johanniter keine ordenseigenen Priester mehr. So wurde die Seelsorge der Johanniterkirche wechselnd Weltpriestern und dem benachbarten Augustinerorden übertragen. Nachweislich war bereits 1707 ein Augustinerpater für die Johanniter als Seelsorger tätig. Ab 1783 war der Prior des Augustinerordens gleichzeitig Pfarrer der Johanniterkirche war.

Ende der Kommende[Bearbeiten]

Im Jahre 1806 wurde die Kommende durch ein Dekret Napoleons enteignet und aufgelöst. Die Kirche St. Johann Baptist wurde durch Beschießungen im Jahr 1813 beschädigt, 1815 wurde sie abgerissen.

1833 erwarb der Gastronom David Zink den Hof der ehemaligen Johanniterordenskommende, errichtete dort das Gasthaus zum Deutschen Hof und betrieb diesen bis 1852. [5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef N. Neumann: Krankenpflege, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 790-796, S. 793
  2. Kay Peter Jankrift: Hospitalorden, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 627 f.
  3. 3,0 3,1 Ulrich Wagner (Hrsg.): [[Geschichte_der_Stadt_Würzburg_(Buch)|Geschichte der Stadt Würzburg. Band I, Verlag Theiss, Stuttgart 2001, S. 389 ff.
  4. Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. Würzburg 1921, S. 203
  5. Hans Schneider: Mit dem Pfund »Würzburg« auch in Zukunft wuchern. Seit Jahrhunderten eine gastliche Stadt mit besonderen Ansprüchen an ihre Besucher, in: 15 Jahrhunderte Würzburg, hrsg. von Heinz Otremba und Bruno Rottenbach, Echter-Verlag, Würzburg 1979, S. 410-418, S. 414a

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Walter M. Brod: Relicta ecclesiae Ordinis St. Johannis in Herbipoli. In: Mainfränkisches Jahrbuch 1978, S. 28ff (Stadtbücherei Würzburg Dz Mai)
  • Thomas Beckmann und Adolar Zumkeller OSA: Geschichte des Würzburger Augustinerklosters von der Gründung im Jahre 1262 bis zur Gegenwart. Augustinus-Verlag Würzburg 2001. (UB 20/NZ 97962 A923 B3)

Weblinks[Bearbeiten]