Tuchgroßhandlung Klau & Sichel
Die Tuchgroßhandlung Klau & Sichel war ein Textilunternehmen mit Sitz in Würzburg, das im späten 19. Jahrhundert gegründet wurde und bis zur Zeit des Nationalsozialismus bestand.
Geschichte
Das Unternehmen wurde im Jahr 1875 von Amson Sichel (1850–1901) und Louis Klau (1847–1901) gegründet. Die Tuchgroßhandlung hatte zunächst ihren Sitz am Haugerring und zog später in die Theaterstraße 21 um. Das Unternehmen entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem etablierten Textilgroßhandel in der Region.
Nach dem Tod beider Firmengründer im Jahr 1901 übernahmen Hugo Sichel (1880–1941/45), der Sohn Amson Sichels, sowie der langjährige Prokurist Hermann Kleemann (1869–1937) die Geschäftsleitung. Unter ihrer Führung wurde das Unternehmen weiter ausgebaut.
1927 verlegten Sichel und Kleemann den Firmensitz in die Kaiserstraße 26 in Würzburg, ein Gebäude im Besitz Hugo Sichels. [1] Gleichzeitig expandierte das Unternehmen überregional: In Frankfurt am Main wurde eine Niederlassung aufgebaut, zudem gründete man in Aschaffenburg eine gleichnamige Kleiderfabrik.
Verfolgung und „Arisierung“
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann die systematische Verdrängung jüdischer Unternehmer aus dem Wirtschaftsleben. Die Tuchgroßhandlung Klau & Sichel war hiervon unmittelbar betroffen. Hermann Kleemann verstarb 1937 und erlebte die sogenannte „Arisierung“ des Unternehmens nicht mehr, die noch im selben Jahr erfolgte. In der Folge wurde der Betrieb in der Kaiserstraße zwangsweise enteignet. 1938 wurden auch die übrigen Firmen- und Privatvermögen der Eigentümer zerschlagen. Hugo Sichel zog 1938 nach Frankfurt am Main. Sowohl ihm als auch Therese Kleemann, der Witwe Hermann Kleemanns, wurde die Emigration verweigert. Nach ihrer Deportation wurden sie während des Holocaust ermordet.
Bedeutung
Die Geschichte der Tuchgroßhandlung Klau & Sichel steht exemplarisch für das Schicksal vieler jüdischer Unternehmen im Deutschen Reich, die im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik enteignet, zerstört und ausgelöscht wurden.
Siehe auch
Quellen
Einzelnachweise
- ↑ Würzburger Wohnungsbuch 1937, 40. Jahrgang, Druck und Verlag Universitätsdruckerei H.Stürtz A.G., Würzburg 1936, S. 239 (Online-Fassung)
Kartenausschnitt
- Ehemaliger Standort
