Johann Georg Christoph Siebold

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Johann Georg Christoph Siebold

Prof. Dr. Johann Georg Christoph Siebold, auch Georg Christoph Siebold (so unterzeichnete er auch selbst) [1] und oft nur Christoph Siebold genannt (* 30. Juni 1767 in Würzburg; † 15. Januar 1798 ebenda) war Internist, Geburtshelfer und Würzburgs erster Professor für Physiologie.

Familiärer Hintergrund[Bearbeiten]

Johann Georg Christoph war ältester Sohn von Carl Caspar von Siebold und dessen Frau Veronika, geborene Stang. Getauft wurde er im Würzburger Dom St. Kilian auf die Namen seines Paten und Großvaters Georg Christoph Stang. [2] Sein Sohn wurde der berühmte Japanforscher Philipp Franz von Siebold.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Christoph Siebold besuchte das Gymnasium in Würzburg und begann - nach einem obligaten Philosophiestudium - Natur- und Arzneiwissenschaft zu studieren. Im Sommersemester 1786 schrieb er sich an der Universität Göttingen ein. Von dem Würzburger Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal wurde ihm für sein Studium ein Stipendium bewilligt. In seiner Laufbahn als Arzt erwarb er zunächst im September 1789 den Doktortitel mit einer Arbeit über Geburtskissen und Geburtsstühle. Nachdem er zunächst in Göttingen und in Lüneburg Praktika bei den dortigen Stadtärzten abgeleistet hatte, wurde er am 28. Oktober 1790 durch den Würzburger Fürstbischof zum Extraordinarius für allgemeine Heilkunde, Diätetik und Geburtshilfe in Würzburg ernannt. [3]

In einem von ihm provisorisch eingerichteten Gebärhaus im Inneren Graben (Nr. 18) [4] stand den Medizinstudenten erstmals eine klinisch-gynäkologische Ausbildungsstätte zur Verfügung, wo Siebold auch praktischen Unterricht in Geburtshilfe erteilte. Dort führte er 1792 die erste Kaiserschnittentbindung Würzburgs durch.

Von Sommer 1792 bis Sommer 1793 besichtigte und bewertete er verschiedene medizinische Einrichtungen, wie z.B. Krankenhäuser in Wien, Triest, Venedig, Padua, Verona, Mantua und Pavia. [5]

Professor in Würzburg[Bearbeiten]

Mit gerade 28 Lebensjahren hatte er bereits ein geburtshilfliches Standardwerk verfasst [6] und wurde 1795 zum ordentlichen Professor der Medizin und Geburtshilfe sowie Zweitem Arzt am Juliusspital. Daraufhin heiratete er Apollonia Lotz. Nachdem er zunächst die Medizinische Klinik geleitet hatte, wurde er zum Sommersemester des Jahres 1795 von der Professur der medizinischen Praxis befreit und erhielt die der Physiologie, wurde 1796 Erster Spitalarzt und betrieb zusätzlich noch eine Privatpraxis. Als leitender Spitalarzt hatte er seine erste Bewährungsprobe mit der Wundversorgung der Verletzten bei der Schlacht von Würzburg. Neben dem Abhalten von Vorlesungen sorgte sich Siebold auch um die Betreuung der Irrenabteilung. Er forderte zudem eine umfassende theoretische Ausbildung der Medizinstudenten. Künftige Ärzte sollten ein halbes Jahr lang ein klinisches Tagebuch über die Patienten führen, bevor sie zu Konsultationen am Krankenbett zugelassen wurden. Im 31. Lebensjahr verstarb er an Tuberkulose.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1789: Goldene Preismedaille der Universität Göttingen
  • 1793: Ehrenmitgliedschaft der Schweizerischen Gesellschaft korrespondierender Ärzte und Wundärzte in Zürich

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Körner: Die Würzburger Siebold. Eine Gelehrtenfamilie des 18. und 19. Jahrhunderts. Johann Ambrosius Barth-Verlag, Leipzig 1967 (= Lebensdarstellungen deutscher Naturforscher, 13), Neudruck (Verlag Degener & Co.) Neustadt a. d. Aisch 1967 (Fortdruck für die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aus: Deutsches Familienarchiv, 34-35), S. 98-112 („Christoph Siebold“)
  • Werner Dettelbacher: Zwei Berichte des Christoph Siebold von seiner medizinischen Studienreise 1792/93 nach Wien und Oberitalien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 5 (1987), S. 143-164

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Dettelbacher: Zwei Berichte des Christoph Siebold von seiner medizinischen Studienreise 1792/93 nach Wien und Oberitalien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 5 (1987), S. 143-164, S. 161 und 163
  2. Hans Körner: Die Würzburger Siebold. Eine Gelehrtenfamilie des 18. und 19. Jahrhunderts. Johann Ambrosius Barth-Verlag, Leipzig 1967 und Neustadt a. d. Aisch 1967, S. 98-112; S. 98
  3. Werner Dettelbacher: Zwei Berichte des Christoph Siebold von seiner medizinischen Studienreise 1792/93 nach Wien und Oberitalien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 5 (1987), S. 143-164, S. 144
  4. Werner Dettelbacher: Zwei Berichte des Christoph Siebold von seiner medizinischen Studienreise 1792/93 nach Wien und Oberitalien, Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 5 (1987), S. 143-164, S. 145
  5. Werner Dettelbacher, a.a.O., S. 145-164
  6. „Systematische Darstellung der Manual- und Instrumental-Geburtshülfe“, Würzburg 1794