Kalkofen Erlabrunn

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Kalkofen Erlabrunn

Der Kalkofen Erlabrunn ist ein technisches Baudenkmal (D-6-79-128-37) auf der Gemarkung Erlabrunn. Mit dem Kalkbrennofen wurde aus Kalkstein der Baustoff Kalk produziert, der als Baustoff und Düngemittel weiterverwendet wurde.

Lage[Bearbeiten]

Der Erlabrunner Kalkofen befindet sich südlich von Erlabrunn unmittelbar an der Kreisstraße WÜ 32 nach Leinach in der Flurlage Oberer Weinsteig.

Geschichte[Bearbeiten]

Kalkofen Erlabrunn, um 1925

Laut Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege wurde der Kalkofen um 1900 errichtet. [1] In der Ortschronik „800 Jahre Erlabrunn“ (2009) heißt es zum Jahr 1903, dass die Ziegeleibesitzerin und Witwe Eva Barbara Herbert auf den Gemeindeödungen Kalksteine gebrochen hat. [2] Als Baujahr des Kalkofens wird in dieser Publikation das Jahr 1925 aufgeführt: „Wilhelm Herbert baut an der Leinacher Straße einen Kalkofen. Der Erlabrunner Kalk war bei den Maurern bekannt für seine gute Qualität.“ Diese Angabe deckt sich mit der Ortschronik „Erlabrunn - Aufzeichnung zur Geschichte des Dorfes und seiner Pfarrei“ (1984), wo es zum 13. Februar 1925 heißt: „Wilhelm Herbert will auf Plan-Nr. 2623 an der Leinacher Straße einen Kalkofen bauen, ein Einspruch wird von Seiten der Gemeinde als Grundnachbarin nicht erhoben, wenn keine forstamtlichen Bedenken gegen dieses Vorhaben einschlägig sind.“ [3] Zwei Jahre später erwarb der Bauherr einen Lastwagen zum Transport des gebrannten Kalkes. [4] Der Betrieb wurde etwa Mitte der 1950er Jahre eingestellt. [5]

Bauwerk[Bearbeiten]

Der Kalk-Hochofen ist ein nahezu quadratischer Bruchsteinmauerwerksbau mit einer zylinderförmigen Brennkammer [1] aus Schamottmauerwerk mit einem Innendurchmesser von etwa zwei Metern. Für den Bau des Kalkofens wurden in erster Linie Muschelkalk-Mauersteine verwendet. Einzelne Steine sind aus rotem Buntsandstein und gehen möglicherweise auf nachträgliche Ausbesserungsarbeiten zurück. Das gesamte Bauwerk wurde in den Hang hineingebaut: Mit dem umgebenden Erdmaterial gewann der Ofen an Stabilität, der Ofenmantel wurde isoliert und das Abstrahlen von Wärme reduziert. Zugleich war die Brennkammer von oben und unten (Feuerung) ebenerdig zugänglich. Die Brennkammer war nach oben ursprünglich offen und wurde in jüngerer Vergangenheit zum Schutz mit einem Edelstahlgitter abgedeckt. Auf dem Kalkofen dient ein Geländer der Absturzsicherung. Ursprünglich war der Bereich vor der Befeuerungsöffnung überdacht und mit einer Holzeinhausung versehen - davon zeugen heute nur noch die auskragenden Steine an der Vorderseite, auf denen das Dach auflag. [6]

Funktion[Bearbeiten]

Anhand des technischen Kalkkreislaufs mit den drei beteiligten chemischen Stoffen lässt sich der Prozess des Kalkbrennens nachvollziehen.

Der Erlabrunner Kalkofen ist ein Brennofen zur Herstellung von Branntkalk (Calciumoxid bzw. CaO) aus Kalkstein (Caliumcarbonat bzw. CaCO3), der dann wiederum zu Löschkalk (Calciumhydroxid bzw. Ca(OH)2) weiterverarbeitet werden konnte. Der Betrieb des Kalkofens war ein sehr zeit- und arbeitsintensives Vorhaben, das einerseits reichlich Füll- und Brennmaterial, andererseits aber auch ein fundiertes Wissen über das Kalkbrennen voraussetzte. Folgende Arbeitsschritte wurden durchgeführt: [7]

  • Befüllen des Kalkofens: Schon das Befüllen des Kalkofens nahm sehr viel Zeit in Anspruch und trug wesentlich dazu bei, ob der Brennvorgang erfolgreich verlief. Zunächst wurde mit Kalksteinen bzw. einem Gitterrost ein Gewölbe über der Feuerung an der unteren Öffnung errichtet, über die der Kalkofen später angezündet werden konnte. Über dem Gewölbe wurde die Brennkammer - auch unter Zuhilfenahme einer Kipplore - komplett mit dem Brennstoff Koks und natürlichen Kalksteinen befüllt, wobei die größeren Steine unten und die kleineren Steine oben im Schacht platziert wurden. Bei den Muschelkalk-Steinen handelte es sich um Lesesteine aus den benachbarten Weinbergen und um gebrochenes Material von Gemeindeödungen/Steinbrüchen.
  • Befeuerung und Austreiben von Wasser: Über die untere Öffnung wurde der Kalkofen im nächsten Schritt befeuert. Der bis oben mit Kalksteinen und Koks gefüllte Schacht wurde zunächst nicht abgedeckt, so dass den Steinen zunächst das Wasser entzogen wurde. Das Volumen der Kalksteine nahm dadurch bereits leicht ab.
  • Abdecken und Durchglühen: Nach einer gewissen Zeit konnte das Gestein in der Brennkammer oben mit Lehm abgedeckt werden. Beim Brennvorgang entwickelten sich Temperaturen von etwa 900 bis 1.200°C und es wurde reichlich CO2 freigesetzt. Somit setzte ein chemischer Vorgang ein, der einen Teil des technischen Kalkkreislaufes (Umwandlung von natürlichem Kalkstein) darstellt. [8] Der Brennvorgang dauerte je nach Witterung etwa vier bis fünf Tage.
  • Abkühlen und Entnahme des Branntkalks: Das Abkühlen des Ofens nahm viel Zeit in Anspruch. Der Branntkalk (auch als „ungelöschter Kalk“ bezeichnet) konnte daraufhin aus dem Schacht entnommen werden. Kalksteine die nicht oder nicht vollständig durchgebrannt waren, wurden als Hünde bzw. Kälber bezeichnet. Diese mussten aussortiert werden.
  • Weiterverarbeitung: Die gewonnene Branntkalk (auch als „ungelöschter Kalk“ bezeichnet) wurde in Behältnissen mit sehr viel Wasser abgelöscht, wodurch sich das Volumen verdreifachte. Das ergab den Löschkalk („gelöschter Kalk“) bzw. Sumpfkalk. Je nach Mischungsgrad gibt es verschiedene Benennungen: Sumpf- oder Fettkalk wird die zähe teigig-joghurtartige Suspension genannt, die nur wenig Wasser enthält. Verdünnt man diese weiter, so spricht man von Kalkschlämme und erhält dann breiig-milchige Kalkmilch, die als Kalkfarbe verwendet werden kann. [9] Abgebunden mit Sand entstand Kalkmörtel.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Heute ist der Kalkofen sehr zugewachsen und die Brennkammer vermüllt. Westlich des Kalkofens (bergauf) befindet sich eine Zufahrt zu einem Wendeplatz, von dem man auf den Kalkofen gelangt. Möchte man den Kalkbrennofen von vorne bzw. unten anschauen, so muss man parallel zur Kreisstraße laufen.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Baudenkmäler in Würzburg. Nr. D-6-79-128-37
  2. Gemeinde Erlabrunn: 800 Jahre Erlabrunn. 2009, Druck und Medienservice Göhl, Reichenberg, S. 148
  3. Gemeinde Erlabrunn/Karl Lott: Erlabrunn - Aufzeichnung zur Geschichte des Dorfes und seiner Pfarrei. Erlabrunn, 1984, S. 159. Als Originalquelle für den aufgeführten Absatz ist Band 37 des Gemeindearchivs Erlabrunn angegeben.
  4. Gemeinde Erlabrunn: 800 Jahre Erlabrunn. a.a.O., S. 155
  5. Recherche der Agenda 21 Leinach, Arbeitskreis Brauchtum und Kultur. Die Information wurde freundlicherweise von Herrn Walter Klüpfel zur Verfügung gestellt.
  6. Gemeinde Erlabrunn: 800 Jahre Erlabrunn. a.a.O., S. 160 (Bild)
  7. Wikipedia: Kalkofen
  8. Technischer Kalkkreislauf in Wikipedia
  9. Sumpfkalk in Wikipedia

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